# taz.de -- Regionalliga-Aufstieg: Meppen ist dabei: Pfosten gehabt
       
       > Der SV Meppen schafft nach 17 Jahren den Drittliga-Aufstieg. Ihren
       > alternativen Weg wollen die Emsländer mit Abstrichen weitergehen.
       
 (IMG) Bild: Meppen in Ekstase: Fans stürmen nach dem entscheidenden Elfmeter den Rasen.
       
       Meppen taz | Ein handelsüblicher Fußball-Torpfosten misst in der Breite
       zwölf Zentimeter, er kann Freund und Feind zugleich sein. Vor allem dann,
       wenn er über Wohl und Wehe einer ganzen Saison entscheidet. So wie im
       Relegations-Rückspiel zwischen dem SV Meppen und dem SV Waldhof Mannheim.
       Zwei Klubs, die als sogenannte Traditionsvereine gelten und deren Fans mehr
       erwarten als ein Dasein in der viertklassigen Regionalliga.
       
       Die Meppener sind dem Amateurlager auf die denkbar knappste Weise nun
       entkommen. 0:0 hatte es nach Relegations-Hin- und Rückspiel zwischen Meppen
       und Mannheim gestanden, auch in der Verlängerung traf keiner ins Netz. Wie
       in solchen Fällen üblich, musste also ein Elfmeterschießen über den
       Aufstieg in die 3. Liga entscheiden. Den letzten Schuss hatten die
       Mannheimer abzugeben, die ein Tor zurücklagen. Sebastian Gärtner war dafür
       auserkoren worden. Er schaute, grübelte und wusste, welche Bedeutung dieser
       eine – sein – Elfmeterversuch, haben würde.
       
       Gärtner machte die Sache trotz des gewaltigen Drucks im Prinzip ordentlich.
       Mit Körper- und Schusshaltung signalisierte er dem Meppener Torwart
       Benjamin Gommert, dass der Ball wohl in dessen linken Ecke einschlagen
       sollte. Gommert hob also zum Flug nach links ab, der Ball allerdings nahm –
       wie von Gärtner beabsichtigt – den Weg ins andere Eck, scheinbar mühelos,
       nicht besonders hart, aber zielgenau geschossen. Eine Millisekunde später
       schallte ein dumpfes Geräusch durch die Hänsch-Arena: Klonk! Der Pfosten.
       Innenseite zwar, aber der Ball prallte zurück ins Feld statt ins Tornetz.
       Gärtner kippte wie ohnmächtig vornüber, während ganz Meppen an ihm
       vorbeirauschte. Über 13.000 schrien vor allem ein Wort: Ja! Sie lachten,
       hüpften – feierten just in diesem Moment die Rückkehr in den Profifußball.
       Nach 17 Jahren.
       
       Es ist ein kleines Märchen, das da, an diesem Torpfosten, seine Vollendung
       gefunden hat. Vor der Saison hatte sich ein Großsponsor zurückgezogen, den
       Emsländern fehlten 250.000 Euro in der Kasse. Gehälter mussten eingespart
       werden und Spielertransfers kamen nur noch in Betracht, wenn sie der Sorte
       sehr günstig bis ablösefrei entsprachen.
       
       Eigentlich war mit dem SVM, dessen Gesamtbudget bescheidene 1,3 Millionen
       Euro betrug, in der Regionalliga Nord nicht wirklich zu rechnen gewesen.
       Auf Feierabendfußball hatte der Verein zwangsläufig umgestellt. Er tat dies
       mit Sinn und Verstand, machte aus der Not eine Tugend. Statt Geld fürs
       Kicken zu überweisen, vermittelte der SVM Ausbildungs- und Arbeitsplätze.
       Das Konzept ging auf – überraschenderweise nicht nur neben, sondern auch
       auf dem Platz. Durchschnittlich 2.600 Zuschauer verfolgten, wie ihr Team
       mit 79 Punkten aus 34 Spielen den Titel holte und dann auch noch Mannheim
       schlug. In der 3. Liga will der Verein mit ein paar Abstrichen so weiter
       machen wie bisher.
       
       Am heutigen Dienstag beratschlagt die Vorstandschaft, wie sie die
       Mehreinnahmen von rund 750.000 Euro aus künftigen TV-Geldern und diversen
       Sponsorenzuschlägen sinnvoll investiert. Stadt und Landkreis haben bereits
       signalisiert, dass sie fast zwei Millionen Euro für Renovierungsarbeiten am
       Stadion bereitstellen. Geld für neue Spieler wäre also vorhanden, aber:
       „Wir gehen schuldenfrei in die 3. Liga, das ist gut so und soll auch so
       bleiben“, sagt Sportvorstand Heiner Beckmann. Er verspricht: „Der Stamm des
       Kaders bleibt zusammen, wir stocken nur auf.“ Ein Ersatz soll etwa für
       Torwart Gommert kommen, der sich dem VfB Lübeck anschließt. Auch für die
       linke Abwehrseite sucht Beckmann noch einen Akteur.
       
       Der Vertrag mit Trainer Christian Neidhart ist bereits um zwei Jahre
       verlängert worden. Er soll seine Spieler weiterhin fußballerisch
       voranbringen – trotz Arbeitsplatz-Belastung. „Fast 80 Prozent haben eine
       Ausbildung begonnen. Wir appellieren an die Jungs, das durchzuziehen, damit
       sie ein Standbein nach der Karriere haben“, sagt Beckmann. Dass die
       Belastungen in Liga 3 größer werden, ändert daran nichts. Spieler wie
       Kapitän Martin Wagner oder Max Kremer, beide haben bereits verlängert,
       setzen die Ausbildung zum Industriekaufmann fort.
       
       „Ich hätte noch gerne mit dem SV Meppen in der Allianz-Arena gespielt“,
       bedauert Beckmann die nicht genehmigte Lizenz für 1860 München. Solch ein
       düsteres Szenario wird den Meppenern wohl nicht widerfahren. Etwas
       abweichen muss man vom eingeschlagenen Weg schon, um konkurrenzfähig zu
       sein. Künftig werden auch wieder Spieler ins Emsland wechseln, die
       hauptberuflich Bälle ins Tor schießen. Oder eben an den Pfosten.
       
       5 Jun 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Joram
       
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