# taz.de -- heute in hamburg: „Luther schaute tief ins Glas“
       
       > AlkoholDer Theologe Thomas Schleiff über die Bedeutung des Bierkonsums in
       > Luthers Leben
       
       taz: Herr Schleiff, fördert Bier transzendentale Gedanken? 
       
       Thomas Schleiff: In der Luther-Zeit war das Bier ein selbstverständliches
       Alltagsgetränk. Keiner wäre auf die Idee gekommen, damit
       Transzendenz-Gedanken zu verbinden. Das Biertrinken war eher auch eine
       Frage der Hygiene. Das Wasser war schmutzig und der Alkohol hat eben auch
       die Gefahr einer Infektion verringert. Ich selbst habe Bier aber immer als
       anregend und beruhigend empfunden.
       
       War Luther ein Trunkenbold? 
       
       Er hat sehr regelmäßig Bier und Wein getrunken. Ihm ist auch gelegentlich
       von gegnerischer Seite vorgeworfen worden, dass er zu tief ins Glas schaue.
       Aber er hat immer Wert darauf gelegt, dass es nicht ins Maßlose geht. Wenn
       er seine großen Schriften verfasst hat, war er absolut abstinent. Als er
       sagte „Hier stehe ich und kann nicht anders“ hat er übrigens gestanden und
       nicht gewankt.
       
       Warum müssen wir uns im Luther-Jahr denn nun mit Luthers Bierkonsum
       auseinandersetzen? 
       
       Das müssen wir nicht, aber in der Weimarer Ausgabe, die Standardausgabe der
       Luther-Werke, kommt alleine 250 Mal das deutsche Wort Bier vor.
       
       Und welche Rolle spielt das Bier in Luthers Werk? 
       
       Es hat eine große Rolle in seinem Leben gespielt. Sowohl biografisch, also
       an bestimmten Eckdaten seines Lebens, an denen er tatsächlich das Glas
       gehoben hat, als auch in der Bilderwelt seiner Sprache. Das Sprachbild, was
       ich schon seit 40 Jahren im Kopf habe, lautet: „Während ich geschlafen oder
       mit meinen Freunden Bier getrunken habe, hat Gott in der Welt gehandelt.“
       Das ist ein Bild für das Gottvertrauen. Der Mensch darf sich auch mal beim
       Bier oder beim Schlaf entspannen, aber Gott hat die Zügel in der Hand. Das
       hat mich schon lange begeistert.
       
       Wie lange beschäftigen sie sich schon mit Luthers Bierkonsum? 
       
       Es ist ja eigentlich eine Beschäftigung mit Luther selbst. Ich habe nicht
       gezielt danach gesucht. Aber beim Lesen von Luther Biografien bin ich auf
       Hinweise gestoßen und habe mir dazu gelegentlich Notizen gemacht.
       
       Glauben Sie, dass Luthers Bierkonsum einen Einfluss auf seine berühmten
       Thesen hatte? 
       
       Zur Zeit des Thesenanschlags war Luther noch Mönch. Im Kloster wurde
       üblicherweise Bier getrunken. Allerdings war die Menge des Bierkonsums
       durch die Klosterordnung sehr streng geregelt.
       
       Interview Tobias Brück
       
       Vortrag „Luther und das Bier“: 19 Uhr, Friedenskirche Altona, Otzenstraße
       19
       
       28 Apr 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Brück
       
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