# taz.de -- Tausende potentielle Kommunisten
       
       > Radikalenerlass 170.000 Bewerber des öffentlichen Dienstes wurden in
       > Niedersachsen von 1972 bis 1988 auf ihre „Verfassungstreue“
       > durchleuchtet. 130 Menschen erhielten daraufhin ein Berufsverbot
       
       Im Zuge des sogenannten Radikalenerlasses wurden in den 1970er- und
       1980er-Jahren in Niedersachsen etwa 170.000 Bewerber für den Landesdienst
       auf ihre politische Gesinnung überprüft. Diese Zahl geht auf Recherchen der
       niedersächsischen Landesbeauftragten für die historische Aufarbeitung des
       Radikalenerlasses, Jutta Rübke, zurück.
       
       Wie Rübke dem NDR erklärte, seien von 1972 bis 1988 alle Bewerber, die sich
       auf eine Stelle im öffentlichen Dienst im Land Niedersachsen beworben
       hatten, auf ihre Zuverlässigkeit durchleuchtet worden. Betroffen waren
       demnach sämtliche Berufsgruppen wie Lehrer, Sozialpädagogen oder
       Rechtsreferendare. Personen, die angeblich gegen die freiheitlich
       demokratische Grundordnung verstießen, sollten aus dem öffentlichen Dienst
       fern gehalten werden.
       
       Die Berufsverbotspraxis richtete sich formell gegen Links- und
       Rechtsextreme. Verfolgt wurden aber vor allem Linke wie zum Beispiel
       Angehörige der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Tatsächlich von
       einem Berufsverbot in Niedersachsen betroffen waren im genannten Zeitraum
       nur 130 Personen.
       
       Das Ausmaß der Überprüfungen überrascht auch die Landesbeauftragte: „Die
       ersten Ergebnisse sind ziemlich erschütternd“, sagte Rübke dem NDR. „Der
       Staat hat durch dieses Berufsverbot mehr Schaden genommen, als es uns
       genutzt hat.“
       
       Niedersachsen hob den Erlass 1990 auf und hatte im Dezember 2016 als erstes
       Bundesland eine Kommission für die Aufarbeitung der Schicksale der von
       niedersächsischen Berufsverboten betroffenen Personen beschlossen. Rübke
       soll als Landesbeauftragte durch Recherchen Klarheit in die
       Berufsverbotspraxis Niedersachsens bringen.
       
       Die Betroffenen der Berufsverbote fordern darüber hinaus vom Land eine
       Entschädigung. Tobias Brück
       
       25 Apr 2017
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Brück
       
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