# taz.de -- Schwere Vorwürfe gegen Ägyptens Militär: Morde und Vertuschungsversuche
       
       > Menschenrechtler werfen Ägypten außergerichtliche Hinrichtungen vor. Mit
       > platzierten Waffen sollte die Tat vertuscht werden.
       
 (IMG) Bild: Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi (2. v. r.) auf Stippvisite im Norden der Sinai-Halbinsel (Archivfoto)
       
       Berlin taz | Die Vorwürfe wiegen schwer: Ägyptische Militärs sollen mehrere
       unbewaffnete Menschen auf der Sinaihalbinsel gezielt hingerichtet haben.
       Ein geleaktes [1][Video] zeigt, wie uniformierte Männer am Boden liegende
       Gefangene mit mehreren Schüssen aus nächster Nähe töten.
       
       Sowohl die Menschenrechtsorganisation [2][Human Rights Watch (HRW)] als
       auch [3][Amnesty International] stufen die Aufnahmen als echt ein und
       werfen der ägyptischen Regierung schwere Menschenrechtsverstöße vor. „Diese
       empörenden Tötungen bestätigen, dass Ägyptens Anti-Terror-Kampagne auf dem
       Sinai außer Kontrolle geraten ist“, sagte Joe Stork, HRW-Vizedirektor für
       die Region.
       
       HRW zufolge töteten Sicherheitskräfte mindestens zwei und bis zu acht
       Unbewaffnete. An der Hinrichtung seien ein Mitglied des
       Militärgeheimdienstes sowie ein Angehöriger einer lokalen Miliz beteiligt
       gewesen. In ihrem Kampf gegen Extremisten arbeiten die ägyptischen
       Streitkräfte mit örtlichen Milizen auf dem Sinai zusammen. Der Milizionär
       soll die Schüsse abgefeuert haben. „Dieser Mann agierte auf Befehl und
       unter Kontrolle des Militärs“, sagte Najia Bounaim von Amnesty
       International, „das ägyptische Militär ist für diese kaltblütigen Tötungen
       verantwortlich.“
       
       Laut Amnesty töteten Sicherheitskräfte in der Aktion mindestens sieben
       Menschen, darunter einen 17-Jährigen. Zudem haben sie offenbar versucht,
       die Tat zu verschleiern. Das geht aus Aufnahmen hervor, die Regierung und
       Militär zuvor veröffentlicht hatten. Diese zeigen die Leichen der Männer,
       deren Hinrichtung auch in dem geleakten Video zu sehen sind.
       
       [4][Auf Facebook postete] Militärsprecher Tamer al-Rifa’i Bilder der Toten
       und sprach von „bewaffneten terroristischen Elementen“. Auch in einem
       Video, das das Verteidigungsministerium veröffentliche, ist von getöteten
       „Terroristen“ die Rede. Neben den Körpern liegen Gewehre, die in dem neuen
       Hinrichtungsvideo jedoch nicht zu sehen sind. Nach Angaben der
       Menschenrechtler wurden sie wohl nachträglich platziert.
       
       ## Verdeckte Aufnahmen
       
       Unklar ist, wann die Tat stattfand. Die ersten Aufnahmen der Leichen
       veröffentlichte das Verteidigungsministerium am 5. November 2016. Die
       jüngsten Videos, die offenbar verdeckt aufgenommen wurden,
       [5][veröffentlichte] ein der oppositionellen Muslimbruderschaft
       nahestehender Fernsehsender mit Sitz in der Türkei am Donnerstag.
       
       Die Berichte über außergerichtliche Hinrichtungen sind nicht die ersten
       ihrer Art. Erst im Januar war ein Fall bekannt geworden, bei dem bis zu
       zehn Menschen in der Region al-Arisch auf der Sinaihalbinsel getötet worden
       sein sollen.
       
       Das Militär meldet regelmäßig die Tötung von Extremisten auf dem Sinai.
       Journalisten haben aber keinen Zugang zu der Region und sind weitgehend auf
       die Berichte des Militärs angewiesen. Der ägyptische Militärherrscher Abdel
       Fattah al-Sisi hatte sich 2013 an die Macht geputscht und geht seither
       massiv gegen Islamisten vor.
       
       Für Teile des Sinais hatte die Regierung schon vor Jahren den
       Ausnahmezustand verhängt. Nach einem Doppelanschlag auf Kirchen vor
       eineinhalb Wochen [6][weitete sie ihn auf das ganze Land aus].
       
       23 Apr 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=Qibn_F87KXw&feature=youtu.be&t=1m6s
 (DIR) [2] https://www.hrw.org/news/2017/04/21/egypt-videos-show-army-executions-sinai
 (DIR) [3] https://www.amnesty.org/en/latest/news/2017/04/egypt-video-of-extrajudicial-executions-offers-glimpse-of-hidden-abuses-by-the-military-in-north-sinai/
 (DIR) [4] https://www.facebook.com/EgyArmySpox/posts/951388961658753
 (DIR) [5] https://www.facebook.com/mekameeleen.tv/videos/1597422520276052/
 (DIR) [6] /Terror-in-Aegypten/!5396253
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jannis Hagmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Sinai-Halbinsel
 (DIR) Hinrichtung
 (DIR) Amnesty International
 (DIR) Human Rights Watch
 (DIR) Sinai-Halbinsel
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Kopten
 (DIR) Ägypten
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Anschlag in Ägypten: 20 tote Polizisten auf dem Sinai
       
       In Ägypten wurden mindestens 20 Polizisten getötet – nur einen Tag, nachdem
       Einsatzkräfte zehn Islamisten erschossen hatten.
       
 (DIR) Keine Pressefreiheit in Ägypten: Einfach weggesperrt
       
       Mahmud Abu Zeid, Künstlername Shawkan, hat auf einer Demo der Muslimbrüder
       fotografiert. Deswegen sitzt er seit fast vier Jahren in Haft – ohne
       Urteil.
       
 (DIR) Terror in Ägypten: Zurück zum Ausnahmezustand
       
       Nach den Anschlägen mit mehr als 40 Toten gilt wieder der Ausnahmezustand.
       Präsident al-Sisi sieht sich in seinem autokratischen Kurs bestätigt.
       
 (DIR) Koptische Christen in Ägypten: „Sie schlachten uns ab wie Hühner“
       
       Der „Islamische Staat“ auf der Sinai-Halbinsel macht in brutaler Weise Jagd
       auf die koptischen Christen. Sie müssen fliehen.
       
 (DIR) Anschlag auf Kopten in Kairo: Vor allem Frauen unter den Toten
       
       Bisher hat sich keine Gruppe zu dem Anschlag auf die koptische Kirche
       bekannt – der IS bejubelte die Tat aber im Netz. Lokale Milizen sind mit
       ihm verbündet.
       
 (DIR) Tödlicher Anschlag bei Kairo: Islamisten erschießen Polizisten
       
       Immer wieder kommt es in Ägypten zu Angriffen auf Sicherheitskräfte. Auch
       diesmal können die vermummten Angreifer unerkannt gekommen.