# taz.de -- Tod des Halbbruders von Kim Jong Un: Malaysia bestellt Botschafter ein
       
       > Südkorea geht davon aus, dass Nordkorea hinter Kim Jong Nams Tod steckt.
       > Die Ermittlungen der zuständigen Behörden in Malaysia dauern noch an.
       
 (IMG) Bild: Muss Rede und Antwort stehen: der nordkoreanische Botschafter Kang Chol in Malaysia
       
       Seoul/Kuala Lumpur dpa | Der [1][rätselhafte Tod des älteren Halbbruders
       des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un] sorgt für diplomatische
       Verstimmungen zwischen Malaysia und Nordkorea. Eine Woche nach dem
       mutmaßlichen Giftanschlag auf Kim Jong Nam im Flughafen von Kuala Lumpur
       bestellte das malaysische Außenministerium am Montag den nordkoreanischen
       Botschafter ein. Der Abgesandte Kang Chol solle angedeutet haben, die
       Regierung in Kuala Lumpur habe in dem Fall „etwas zu verbergen“ und
       paktiere mit äußeren Kräften, teilte das Ministerium mit. Malaysia rief
       zudem seinen eigenen Botschafter aus Pjöngjang zurück.
       
       Bei einer Pressekonferenz am Freitag hatte Kang die malaysische Regierung
       heftig für ihr Vorgehen in dem Fall kritisiert. Pjöngjang werde das
       Ergebnis einer ohne seine Zustimmung durchgeführten Autopsie nicht
       akzeptieren. Auch forderte Nordkorea von den malaysischen Behörden, den
       Leichnam zu übergeben. Nach dem Vorfall richtet sich der Verdacht weiter
       gegen Nordkorea, dessen Machthaber für brutales Vorgehen bekannt ist.
       
       Kim Jong Nam soll am vergangenen Montag auf dem Flughafen mit einer
       giftigen Substanz besprüht worden sein. Der 45-Jährige starb kurz darauf
       auf dem Weg ins Krankenhaus.
       
       [2][Der japanische Fernsehsender Fuji TV] veröffentlichte die Aufnahme
       einer Überwachungskamera, die den Vorfall zeigen soll. Auf dem Video ist
       ein Mann zu sehen, der den Flughafen betritt und auf eine Anzeigetafel
       schaut. Kurz darauf nähern sich ihm zwei Frauen. Eine fasst mit ihren
       Händen von hinten um seinen Kopf herum, bevor die beiden sich entfernen.
       
       ## War Kim Jong Nam eine Bedrohung für Kim Jong Un?
       
       Die Polizei nahm bisher vier Personen in dem Fall fest, die Papiere aus
       Nordkorea, Malaysia, Indonesien und Vietnam bei sich trugen. Zu ihnen
       gehören auch die beiden Frauen, die im Verdacht stehen, Kim im
       Flughafengebäude überfallen zu haben. Bei den Frauen wird spekuliert, dass
       sie Agentinnen des nordkoreanischen Geheimdienstes sind.
       
       Südkoreas Regierung bestärkte unterdessen den Vorwurf, dass das
       kommunistische Regime in Pjöngjang hinter dem Tod Kim Jong Nams stecke. Zur
       Frage nach den Motiven äußerte Verteidigungsminister Han Min Koo laut der
       nationalen Nachrichtenagentur vor einem Parlamentsausschuss die Vermutung,
       der Halbbruder könne eine Bedrohung für die Herrschaft Kim Jong Un
       dargestellt haben.
       
       „Der Mord an Kim Jong Nam durch Nordkorea könnte dazu gedient haben,
       Alternativen zum Regime von Kim Jong Un zu beseitigen“, spekulierte demnach
       Han. Auch könnte Pjöngjang nach außen ein Warnsignal an „Flüchtlinge und
       Dissidenten“ aus dem eigenen Land ausgegeben haben.
       
       Kim Jong Nam – erstgeborener Sohn des früheren Diktators Kim Jong Il –
       wurde einst als dessen Nachfolger gehandelt. Er fiel jedoch noch zu
       Lebzeiten von Kim Jong Il in Ungnade. Nach dessen Tod im Dezember 2011
       rückte der jüngere Sohn Kim Jong Un an die Spitze des kommunistischen
       Staates auf. Kim Jong Nam lebte seither die meiste Zeit im Ausland.
       Mehrfach äußerte er sich kritisch über die Situation in seinem Heimatland,
       der letzten kommunistischen Dynastie. Als Regimegegner galt er jedoch
       nicht.
       
       20 Feb 2017
       
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