# taz.de -- Nordkoreanischer Raketenabschuss: Kim Jong Un feuert gegen Trump
       
       > Einst prahlte der US-Präsident damit, er werde den Konflikt um Nordkoreas
       > Atomwaffen regeln. Nun hat das Regime geantwortet.
       
 (IMG) Bild: Zieht den ballistischen Dialog vor: Kim Jong Un (Symbolbild)
       
       Peking taz | Es war nur eine Frage der Zeit, wann Nordkorea mit dem
       erneuten Abschuss einer Rakete auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump
       reagieren würde. Denn anders als im Wahlkampf, als er sich Nordkorea
       gegenüber [1][noch gesprächsbereit zeigte] und sogar willens war, sich mit
       Diktator Kim Jong Un an einen Tisch zu setzen, hat Trump seit seinem
       Amtsantritt den Ton gegenüber dem Regime in Pjöngjang deutlich verschärft.
       Am frühen Sonntagmorgen war es dann so weit.
       
       Nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums hat die
       nordkoreanische Armee im Nordwesten des Landes eine ballistische Rakete
       abgefeuert. Sie sei rund 500 Kilometer in Richtung Japanisches Meer
       (koreanisch: Ostmeer) geflogen. Dort ist sie dann ins Meer gestürzt. Japans
       Regierung zeigte sich zwar alarmiert, betonte jedoch, dass die Rakete nicht
       japanisches Hoheitsgebiet getroffen habe. Um welchen Raketentyp es sich
       handelte, wussten weder der Generalstab in Seoul noch die Regierung in
       Tokio zu beantworten. Das Regime in Pjöngjang bestätigte den Abschuss
       zunächst nicht.
       
       Pjöngjang dürfte den Zeitpunkt des Abschusses dennoch nicht zufällig
       gewählt haben. Japans Premierminister Shinzo Abe ist derzeit zu Besuch bei
       Trump auf seinem Anwesen in Florida. Gemeinsam verurteilten sie von dort
       aus den Raketentest. Das Vorgehen Pjöngjangs sei „absolut nicht
       tolerierbar“, erklärte Abe. Trump betonte, die USA stünden zu „100 Prozent“
       hinter Japan.
       
       Das klang aus Trumps Mund vor einigen Monaten noch ganz anders. Im
       Gegensatz zu seiner Kontrahentin Hillary Clinton, die für weitere scharfe
       Sanktionen gegen das Regime eintrat, erklärte Trump im Wahlkampf, er halte
       es für möglich, mit Diktator Kim über dessen Atomwaffenprogramm ins
       Gespräch zu kommen. „Ich würde mit ihm reden, ich habe absolut kein Problem
       damit“, hatte er gesagt.
       
       Den US-Verbündeten Japan und Südkorea wiederum gab er zu verstehen, dass
       sie auf uneingeschränkte US-Unterstützung nicht länger zählen sollten und
       drohte mit einem Truppenabzug aus Südkorea. Zugleich beschuldigte er vor
       allem China, sich nicht ausreichend zu engagieren.
       
       ## Angst in Südkorea und Japan
       
       Nordkoreas Regime zeigte sich über diesen Vorschlag geradezu entzückt. In
       der staatlichen Zeitung DPRK Today wurde Trump als „weiser Politiker“ und
       „weitsichtiger Präsidentschaftskandidat“ gehuldigt, der die Amerikaner von
       der atomaren Bedrohung befreien könne. Es zeige sich, dass Trump nicht der
       raue, seltsame und ignorante Kandidat sei, als der er beschrieben werde,
       hieß es dort weiter. Vor allem in Südkorea ist die Angst groß, die USA
       könnten sich erstmals seit mehr als 60 Jahren aus der Region zurückziehen
       und die Halbinsel dem brutalen Regime im Norden überlassen.
       
       Auch in Japan wächst die Angst vor einem nordkoreanischen Nuklearschlag.
       Das Inselreich ist seit seiner Niederlage im Zweiten Weltkrieg per
       Verfassung in seiner Rüstung eingeschränkt und bei der Landesverteidigung
       von den USA abhängig. Unter Abe, der die Verfassung ändern will, rüstet
       Japan bereits stark auf. Dass Trump nun gegenüber Japan doch seine
       Unterstützung erklärt, dürfte die Ängste in der Region nur kaum lindern.
       Dafür gilt Trump auch in Fernost als zu sprunghaft und wenig berechenbar.
       
       Militärexperten in Japan, Südkorea und den USA rätseln indes weiter
       fieberhaft, wie weit Nordkorea mit seinem Atomwaffenprogramm inzwischen
       ist. Wenige Wochen vor der US-Wahl im November hatte Nordkorea zwei Mal
       Mittelstreckenrakete abgefeuert. Bei beiden Malen handelte es sich um
       Raketen vom Typ Musudan. Einig sind sich die Experten, dass Nordkorea
       imstande ist, Mittelstreckenraketen relativ zielgenau abzuschießen. Wie
       schnell das stalinistisch geführte Land jedoch fähig sein wird,
       Langstreckenraketen mit atomaren Sprengköpfen zu bestücken, die auch Teile
       der USA erreichen könnten, ist unklar.
       
       Zumindest zu Jahresbeginn sah Trump im nordkoreanischen Atomprogramm noch
       keine Gefahr für sein Land. „Nordkorea hat gerade verkündet, die Endphase
       der Entwicklung einer Atomwaffe erreicht zu haben, die Teile der USA
       erreichen kann. Das wird nicht passieren!“, gab er sich in einem seiner
       Twitter-Einträge zuversichtlich.
       
       12 Feb 2017
       
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