# taz.de -- taz.gazete-Ratgeber: Welcome to Almanya
       
       > Sie leben in der Türkei und wollen nach Deutschland migrieren? Das wird
       > nicht einfach. Hier sind fünf Möglichkeiten zur Auswanderung, vier davon
       > legal.
       
 (IMG) Bild: Vogelperspektive auf Deutschland
       
       ## Arbeitsvisum
       
       Machen Sie sich vorab einen Plan, damit Sie sich nicht im Blätterwald
       verlieren: Eine Arbeitserlaubnis in Deutschland zu bekommen, ist für
       Drittstaatsangehörige eine ziemlich bürokratische Angelegenheit. Das
       Arbeitsvisum können Sie zum Beispiel beim [1][Deutschen Konsulat in
       Istanbul] beantragen.
       
       Sollten Sie bereits in der glücklichen Lage sein, ein Jobangebot mit einem
       Bruttojahresgehalt von mehr als 50.800 Euro zu haben, können Sie direkt die
       [2][Blaue Karte EU] beantragen. Wenn Sie Naturwissenschaftler*in,
       Informatiker*in oder Ärzt*in sind, reicht schon ein Jobangebot mit einem
       Bruttojahresgehalt von 39.624 Euro.
       
       Soviel verdienen Sie in Ihrem neuen Job nicht? Okay, dann muss die deutsche
       Arbeitsagentur zustimmen. Wenn Sie noch keine Stelle in Deutschland
       gefunden haben, kommt für Sie das [3][Visum zur Arbeitsplatzsuche] in
       Frage: Sechs Monate haben Sie mit diesem Zeit, in Deutschland einen Job zu
       finden. Voraussetzung: Sie können nachweisen, dass Sie sich selbst
       finanzieren können; arbeiten dürfen Sie in dieser Zeit nämlich nicht. Wenn
       Sie einen Job gefunden haben, können Sie direkt bei der Ausländerbehörde
       vor Ort ein Arbeitsvisum beantragen.
       
       ## Stipendium
       
       Gehören Sie einer Berufsgruppe an, die in der Türkei von Inhaftierung oder
       Berufsverbot bedroht ist? Für JournalistInnen und AkademikerInnen gibt es
       Stipendien, mit denen Sie für deutsche Verhältnisse unbürokratisch und
       kurzfristig nach Deutschland kommen können.
       
       Die [4][Philipp-Schwartz-Initiative vergibt Stipendien] an gefährdete
       Akademiker*innen, die damit für zwei Jahre an deutschen Hochschulen
       arbeiten können und dafür eine Pauschale bekommen. Sie können sich nicht
       direkt für das Stipendium bewerben; wenden Sie sich stattdessen an deutsche
       Hochschulen, die Sie nominieren dürfen. Lassen Sie sich zudem beim
       [5][Scholars at Risk Network] registrieren. Vielleicht kommt eine
       Hochschule auf Sie zu, die Sie gerne aufnehmen würde.
       
       Das Netzwerk schätzt auch Ihre Gefährdung ein und erstellt einen Nachweis,
       den Sie bei der Philipp-Schwartz-Initiative erbringen müssen. Als
       Journalist*in können Sie sich für das [6][Internationale
       Journalistenprogramm der Johannes-Rau-Stiftung] bewerben. Mit dem
       Stipendium können Sie zwei Monate in einer deutschen Gastredaktion arbeiten
       und bekommen eine monatliche Vergütung. Zwei Monate sind zwar kein
       langfristiger Ausweg, aber vielleicht ergibt sich daraus ja ein Job.
       
       Einen Vorteil haben beide Stipendien allemal: Sie sind in Deutschland
       direkt in ein Arbeitsumfeld eingebunden. Knüpfen Sie Kontakte, bauen Sie
       ein Netzwerk auf; über Beziehungen findet sich oft eine Stelle, mit der man
       wiederum bessere Aussichten auf einen Aufenthaltstitel hat.
       
       ## Ehe/Scheinehe
       
       Verlieben Sie sich in eine*n nette deutsche*n Staatsbürger*in oder in eine
       Person, die dauerhaft im Bundesgebiet lebt. Machen Sie ihr oder ihm einen
       Heiratsantrag. Wenn sie oder er nein sagt, sollten Sie rund 30.000 Euro
       besorgen, und eine Scheinehe anbieten. Im besten Fall handeln Sie einen
       niedrigeren Preis heraus. Aber zahlen Sie nicht das ganze Geld sofort.
       
       Sie müssen nämlich drei Jahre in Folge auf der Ausländerbehörde gemeinsam
       erscheinen und Ihre Ehe bestätigen, bevor Sie das Recht auf einen
       unbefristeten Aufenthaltsstatus haben. Also: höchstens 10.000 Euro pro
       Jahr. Und Vorsicht: Eine Scheinehe einzugehen ist in Deutschland strafbar.
       Wenn Sie auffliegen, werden Sie sofort ausgewiesen.
       
       Wenn Sie in Deutschland heiraten wollen, beantragen Sie beim Konsulat ein
       so genanntes Heiratsvisum. Sie können allerdings auch in der Türkei
       heiraten und anschließend ein Visum zur Familienzusammenführung beantragen.
       Haben Sie Geduld, die Konsulate haben aufgrund der erhöhten Anfrage längere
       Wartezeiten. Sie können in der Zwischenzeit einen überzeugenden
       Paarauftritt üben, falls Sie keines sind.
       
       Oder ein wenig Deutsch lernen, denn Sie werden später in Deutschland nach
       einem Einstufungstest in den Integrationskurs geschickt. Und der dauert in
       der Regel 900 Stunden, wenn man bei Null anfängt.
       
       ## Erasmus
       
       Wenn Sie an einer türkischen Hochschule eingeschrieben sind, klappern Sie
       die Liste der deutschen Erasmus-Hochschulpartner ab. Meistens gibt es
       gleich mehrere. Schreiben Sie alle angegebenen Ansprechpartner an den
       jeweiligen International Offices an und informieren Sie sich darüber, ob
       Sie Deutschkenntnisse nachweisen müssen.
       
       Manche Unis akzeptieren auch Englischkenntnisse. Besuchen Sie anschließend
       das zuständige Büro an ihrer Heimat-Uni und erfragen Sie, für welche
       deutsche Partner-Hochschule die Nachfrage am höchsten ist. Vermeiden Sie,
       sich an dieser zu bewerben. Außer Sie erwarten Topergebnisse vom
       Sprachtest.
       
       Denn wenn sich mehrere Student*innen um dieselbe Hochschule bewerben,
       schickt die Heimat-Uni meist den mit der höchsten Punktzahl. Sobald Sie
       sich beworben und die Aufnahmebestätigung erhalten, ist der Rest einfach.
       Mit dem Programm können Sie zumindest für zwei Semester nach Deutschland
       kommen. Erasmus-Student*innen haben bislang keine Probleme, ein Visum zu
       bekommen. Noch ist der Erasmus-Vertrag mit der Türkei nicht außer Kraft
       gesetzt.
       
       ## Flucht/Asyl
       
       Auf einem maroden Boot übers Meer von der Türkei nach Europa zu kommen, ist
       ein Weg, den niemand freiwillig wählt. Gehen wir davon aus, Sie nehmen das
       Risiko dennoch in Kauf. Gehen Sie in eins dieser Viertel in Istanbul, in
       dem sich die Flüchtlinge aufhalten und versuchen Sie Ihr Glück. Suchen Sie
       einen schaufensterlosen Laden, an dessen Tür eine Schwimmweste hängt.
       
       Oder versuchen Sie die Männer zu finden, die – ebenso zwielichtig wie das
       Boot, in das Sie steigen werden – ein altes Handy in den Händen, auf den
       Plätzen dieser Viertel herumlungern. Ihrem äußeren Aussehen und Ihrer
       Herkunft entsprechend wird der Preis steigen. Übergeben Sie die
       zehntausende von Euros jemandem, der Sie höchstwahrscheinlich betrügt.
       
       Selbst dann ist der Weg übers Meer alles andere als ein leichtes
       Unterfangen. Seitdem das Flüchtlingsabkommen zwischen der Türkei und der EU
       im April 2016 verabschiedet wurde, wird die Ägäis strenger überwacht. Neben
       der türkischen und der griechischen Küstenwache patrouillieren NATO-Schiffe
       vor der ägäischen Küste. Berichten zufolge sind nach dem Türkei-Deal die
       Grenzübertritte um 90 Prozent gesunken.
       
       Im Jahr 2016 gab es in der Ägäis insgesamt 779 irreguläre Grenzübertritte
       und 34.481 Personen wurden gefasst. 192 Menschen verloren ihr Leben. Ganz
       zu schweigen von den Statistiken des Jahrs 2015 und denen, die versuchten,
       über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, nachdem die Ägäis-Route dicht
       gemacht worden war.
       
       Wenn Sie in Deutschland angekommen sind, können Sie bei jeder Behörde einen
       Asylantrag stellen. Melden Sie sich also zum Beispiel bei der Polizei oder
       der Ausländerbehörde. Dort werden Sie registriert und bekommen einen
       temporären Ausweis, mit dem Sie berechtigt sind, sich in Deutschland
       aufzuhalten. Danach wird Ihnen eine Aufnahmeeinrichtung zugewiesen, in der
       Sie während des Asylverfahrens wohnen werden.
       
       Es ist wahrscheinlich, dass Sie in eine andere Stadt geschickt werden; wo
       Sie wohnen, dürfen Sie während Ihres Asylverfahrens leider nicht selbst
       entscheiden. In einer Außenstelle des Bundesamts für Asyl und Migration
       (BAMF) bekommen Sie dann einen Termin zur persönlichen Anhörung, in der Sie
       mit Hilfe eines Dolmetschers Ihre Fluchtgründe darlegen sollen. Dieser
       Termin ist der wichtigste Schritt im Asylverfahren; bereiten Sie sich gut
       darauf vor.
       
       Zahlreiche Flüchtlingsinitiativen bieten Asylberatungen an. Auf Grundlage
       dieses Gesprächs entscheidet das BAMF dann, ob Ihr Asylantrag bewilligt
       wird. Weitere Informationen zum Asylverfahren finden Sie unter [7][hier.] 
       
       Eine Übersicht zu den verschiedenen Möglichkeiten, nach Deutschland zu
       kommen, bietet außerdem die Seite [8][Almanya Now].
       
       24 Jan 2017
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.tuerkei.diplo.de/
 (DIR) [2] http://www.bluecard-eu.de/blaue-karte-eu-deutschland/
 (DIR) [3] http://www.make-it-in-germany.com/en/for-qualified-professionals/visa/kinds-of-visa#visa-for-jobseekers
 (DIR) [4] https://www.humboldt-foundation.de/web/philipp-schwartz-initiative-en.html
 (DIR) [5] https://www.scholarsatrisk.org/
 (DIR) [6] http://www.ijp.org/stipendien/rau/
 (DIR) [7] http://www.bamf.de/DE/Fluechtlingsschutz/AblaufAsylv/ablauf-des-asylverfahrens-node.html
 (DIR) [8] https://www.almanyanow.com/ana-sayfa/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) taz.gazete Team
       
       ## TAGS
       
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