# taz.de -- Die Gesellschaftskritik: Theresa Mays Trousergate
       
       WAS SAGT UNS DAS? Großbritanniens Premierministerin steht in der Kritik,
       weil sie die falsche Hose trug.
       
       Als Theresa May ihre Antrittsrede hielt, betont sie ausdrücklich, wie
       wichtig soziale Gerechtigkeit sei. Als Vikarstochter stammt May aus einer
       sehr viel bescheideneren Familie als ihr Vorgänger David Cameron, der das
       Eton College in Windsor besuchte. Sie versprach, soziale Ungleichheit
       bekämpfen und etwas gegen die Ungerechtigkeit tun zu wollen, der
       benachteiligte gesellschaftliche Gruppen ausgesetzt sind. 
       
       Fünf Monate später nun posierte sie bei einem Fotoshooting für eine Zeitung
       in einer 1.200 Euro teuren, schokoladenfarbenen Lederhose. Es folgten ein
       öffentlicher Aufschrei und der Vorwurf, ihre Kleidung zeige, dass sie den
       Bezug zur Bevölkerung verloren habe. Eigentlich aber geht es um etwas ganz
       anderes.
       
       Der Furor, der May entgegenschlägt, kommt zu großen Teilen aus ihrer
       eigenen Partei, die wegen des Brexits im Clinch liegt. Zufällig ist nun
       Mays stärkste Hosenkritikerin – Nicky Morgan – auch ihr parteiinterne
       Gegnerin. Der Brexit ist kompliziert. Viel trefflicher lässt sich da über
       Hosen streiten.
       
       Außerdem ist May erst die zweite weibliche Premierministerin. Dass man aber
       Frauen sehr viel stärker über ihr Äußeres definiert, als über das, was sie
       sagen oder tun, hat Tradition. Während Männer sich also regelmäßig sehr
       viel teurer kleiden, erregen sie damit weitaus weniger Aufmerksamkeit.
       David Cameron ließ seine Anzüge in der Londoner Savil Row maßschneidern.
       Und Nigel Farage, Brexit-Befürworter und selbst ernannter „Mann des
       Volkes“, trägt Tweedanzüge, die ebenfalls nicht billig gewesen sein können.
       Aber wir wissen nichts über den Preis, weil nie jemand danach gefragt hat.
       Wenn wir also Theresa Mays Luxus kritisieren – was in Zeiten, die des
       Sparens bedürfen, durchaus angebracht ist – sollten wir das künftig auch
       bei männlichen Politikern tun.
       
       Jessica Abrahams
       
       15 Dec 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jessica Abrahams
       
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