# taz.de -- Zehntausende Indonesier protestieren: Für religiöse Toleranz
       
       > Im vergangenen Monat gab es Massenproteste gegen einen christlichen
       > Gouverneur. Am Sonntag demonstrierten Tausende für Zusammenhalt.
       
 (IMG) Bild: Zu der Demonstration hatten mehrere politische Parteien aufgerufen
       
       Frankfurt am Main/Jakarta epd | In der indonesischen Hauptstadt Jakarta
       haben am Sonntag Zehntausende Menschen für Einheit und Toleranz
       demonstriert. Die Kundgebung richtete sich gegen die wachsenden politischen
       und religiösen Spannungen im Land, wie die Jakarta Post berichtete.
       
       Die Demonstranten hielten Schilder und Transparente hoch mit Aufschriften
       wie „Wir sind Indonesien“ und „Einheit in der Vielfalt“. Zu der
       Demonstration hatten mehrere politische Parteien aufgerufen, die als
       Verbündete des christlichen Gouverneurs von Jakarta, Basuki „Ahok“ Tjahaja
       Purnama, gelten.
       
       Zum zweiten Mal innerhalb eines Monates war es am vergangenen Freitag zu
       einer Massenkundgebung gegen den Gouverneur gekommen, der angeblich den
       Koran beleidigt hat. Dazu hatten muslimische Hardliner aufgerufen. [1][Die
       rund 200.000 Demonstranten] warfen Ahok Blasphemie vor und forderten dessen
       Rücktritt und Verhaftung. Kurz zuvor hatte Indonesiens Staatsanwaltschaft
       erklärt, dass sie genug in der Hand habe, um Ahok vor Gericht zu bringen.
       Blasphemie gilt in Indonesien als Straftat, bei einem Schuldspruch drohen
       bis zu fünf Jahre Haft.
       
       Anlass für die Entrüstung der radikalen Muslime war eine Rede Ahoks Ende
       September, in der er die 51. Sure des Korans erwähnte, die es Muslimen
       angeblich verbietet, Nicht-Muslime zu wählen. Die Wähler bräuchten sich
       nicht unbehaglich zu fühlen, falls sie nicht für ihn stimmten, sagte der
       Gouverneur. Ihre Angst, in die Hölle zu kommen, sei unbegründet, die Wähler
       würden getäuscht. Später entschuldigte er sich mehrfach für die Aussage.
       
       Ahok gehört in zweierlei Hinsicht einer Minderheit in Indonesien: Er ist
       nicht nur Christ, sondern auch chinesischer Abstammung. Das Amt des
       Gouverneurs von Jakarta hatte er im Spätherbst 2014 übernommen, nachdem
       sein Vorgänger Joko Widodo zum Präsidenten gewählt worden war. Kommt es zum
       Verfahren gegen Ahok, wäre seine Kandidatur für die Gouverneurswahlen im
       Februar hinfällig.
       
       Indonesien ist die größte muslimische Nation der Welt. Gut 88 Prozent der
       250 Millionen Einwohner sind Muslime, etwa neun Prozent sind Christen. Der
       Inselstaat gilt traditionell als Heimat eines toleranten Islams, erlebt
       aber seit Jahren eine Zunahme fundamentalistischer Strömungen.
       Menschenrechtler beklagen eine wachsende religiöse Intoleranz.
       
       4 Dec 2016
       
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