# taz.de -- EU-Finanzminister bringen Börsensteuer voran
       
       > GELD Die Finanztransaktionsteuer soll noch in diesem Jahr kommen. Noch
       > offene Details
       
       BRÜSSEL taz | Die seit Jahren geplante europäische Transaktionsteuer auf
       Börsengeschäfte und Finanzprodukte erlebt eine unerwartete Renaissance.
       „Wir hoffen, bis Ende des Jahres die Ziellinie zu erreichen“, sagte
       EU-Währungskommissar Pierre Moscovici am Dienstag beim Treffen der
       EU-Finanzminister in Luxemburg.
       
       Die zehn beteiligten Länder hätten „sehr gute Fortschritte“ gemacht und
       sich auf vier zentrale Bestandteile des Vorhabens geeinigt. Nun werde ein
       Gesetzentwurf erarbeitet. Damit könnte die erste europäische
       Finanztransaktionsteuer Realität werden, sagte Moscovici.
       
       „Wir haben eine Verständigung erzielt“, erklärte auch Bundesfinanzminister
       Wolfgang Schäuble (CDU). Zwar seien noch einige „schwierige“ Details offen.
       Dennoch sei er optimistisch, dass die neue Steuer bis zum Jahresende steht.
       
       Dies ist eine Überraschung. Denn noch kurz vor dem Treffen galt die Steuer
       als hoffnungsloser Fall. Großbritannien und Schweden hatten sich schon 2013
       gegen die neue Steuer ausgesprochen. Nachdem sich eine Pioniergruppe von
       elf Staaten gebildet hatte, sprang auch noch Estland ab.
       
       Die zehn restlichen Länder, darunter Deutschland, waren zuletzt kaum
       vorangekommen. Der für den Sommer dieses Jahres geplante Starttermin für
       die Steuer platzte. Doch nun sei man aber doch noch auf der Zielgeraden
       angekommen, freut sich der grüne Europaabgeordnete und Finanzexperte Sven
       Giegold. „2016 könnte zu einem historischen Jahr werden“, hofft Giegold.
       Die Einführung der Finanztransaktionsteuer wäre ein „symbolischer Sieg des
       Gemeinwohls“ über das Lobbying der Finanzbranche.
       
       Demgegenüber hat sich Schäuble für die neue Steuer eingesetzt. Allerdings
       ist noch unklar, auf welche Finanzprodukte sie letztlich erhoben werden
       soll – und was sie einbringen könnte. Der ursprüngliche Kommissionsentwurf
       sah eine Besteuerung bei Wertpapieren von 0,1 Prozent des Umsatzes vor.
       Brüssel rechnet bei einer EU-weiten Einführung mit Einnahmen von 57
       Milliarden Euro jährlich. Geld, das Europa gut gebrauchen kann. Eric Bonse
       
       12 Oct 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eric Bonse
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA