# taz.de -- heute in hamburg: „Verbrechen vertuscht“
       
       > Erinnerung In Jenfeld erinnert künftig eine Straße an den Deserteur Kurt
       > Oldenburg
       
       taz: Herr Senenko, warum ist es Ihnen so wichtig, Wehrmachtsdeserteuren zu
       gedenken? 
       
       René Senenko: Weil das Thema in unserer Gesellschaft erst seit Kurzem
       präsent ist. Unser Bündnis macht heute gewissermaßen die Hausaufgaben für
       die Adenauer-Ära. Alles, was die Politiker dort an Verbrechen aus der
       NS-Zeit vertuscht haben, wird nun mühselig aufgearbeitet – seitdem die
       Täter tot sind oder keinen Einfluss mehr haben.
       
       Wie kam es zum Bündnis Deserteursdenkmal? 
       
       2006 wandte sich die Tochter eines hingerichteten Deserteurs aus Hamburg an
       die Willi-Bredel-Gesellschaft ...
       
       ... in der sich Naziopfer, Historiker und interessierte Bürger um
       „lebendige Geschichtsvermittlung“ bemühen.
       
       Sie bat uns, die Geschichte ihres Vaters aufzuarbeiten. Wir taten das und
       erfuhren so, dass auf dem Friedhof Ohlsdorf 70 erschossene Deserteure der
       Wehrmacht liegen. Außer ein paar Eingeweihten wusste niemand davon. In dem
       Jahr gründeten wir dann das Bündnis – das war 2010.
       
       Also ist das Thema noch zu wenig aufgearbeitet? 
       
       Das können wir so nicht sagen. Es geht vielmehr um das Missverhältnis
       zwischen den verklärenden Kriegerdenkmälern, von denen es im Lande Tausende
       gibt, und den Deserteursdenkmälern, die dem etwas entgegensetzen wollen.
       
       Was wollen sie dem denn entgegensetzen? 
       
       Der Bundestag hat klar festgestellt, dass der Zweite Weltkrieg ein
       Angriffs- und Vernichtungskrieg war, ein vom deutschen Boden ausgehendes
       Verbrechen. Die Kriegerdenkmäler ehren Soldaten, die für einen Krieg
       instrumentalisiert worden sind. Ich habe nichts gegen private Trauer um
       tote Angehörige in Uniform. Aber aus unserer Sicht sollten vielmehr jene
       geehrt werden, die Widerstand gegen den Naziterror und den Krieg geleistet
       haben.
       
       Warum? 
       
       Deserteure haben geholfen, den Krieg zu verkürzen. Denkmäler für diese
       Menschen sollen junge Leute zum Denken anregen. Darüber, ob sie wirklich in
       die Bundeswehr eintreten wollen. Gerade jetzt, wo die Bundeswehr wieder
       stärker in Kriegen zum Einsatz kommt.
       
       Hilft eine Straßenumbenennung dabei? 
       
       Natürlich. Einige Anwohner werden sich fragen, warum gerade ihre Straße
       nach einem Deserteur benannt ist. Das trägt schon zur Aufklärung bei.
       
       INTERVIEW: Johanna von Criegern
       
       Straßenschild-Enthüllung mit Beiträgen von René Senenko und Detlef Garbe
       (Gedenkstätte Neuengamme): 14 Uhr, Kurt-Oldenburg-Straße Ecke
       Charlottenburger Straße
       
       8 Sep 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johanna von Criegern
       
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