# taz.de -- Prozess um Zerstörungen in Timbuktu: Kriegsverbrechen am Kulturerbe
       
       > 2012 verwüsteten Dschihadistien alte Mausoleen in Timbuktu. Nun gibt es
       > ein juristisches Nachspiel vor dem Weltstrafgericht – ein bislang
       > einzigartiges Verfahren.
       
 (IMG) Bild: Ein Tuareg-Mann steht vor einem der Mausoleen von Timbuktu (Archivbild 2004)
       
       Den Haag dpa | Für den Internationalen Strafgerichtshof ist es eine
       historische Premiere. Zum ersten Mal steht ein Dschihadist vor [1][den
       Richtern in Den Haag], ein Rebellenführer des Al-Kaida-Verbündeten Ansar
       Dine. Und es ist das erste Verfahren zur Zerstörung [2][von
       Unesco-Weltkulturerbe] – auch das ist ein Kriegsverbrechen.
       
       Mit Schaufeln und Äxten hatten Islamisten vor vier Jahren das
       jahrhundertealte Kulturerbe von Timbuktu kaputtgeschlagen. In Timbuktu im
       Norden des westafrikanischen Mali zerstörten Extremisten von Ansar Dine
       jahrhundertealte Heiligtümer. Ein Aufschrei ging durch die Welt, ähnlich
       wie im vergangenen Jahr bei den Zerstörungen in der syrischen Oasenstadt
       Palmyra durch Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).
       
       Die Anklage will mit dem an diesem Montag beginnenden Prozess ein Zeichen
       setzen. „Hier geht es nicht nur um Mauern und Steine“, erklärte
       Chefanklägerin Fatou Bensouda. „Es geht um einen eiskalten Anschlag auf die
       Würde und Identität der Bevölkerung und ihre religiösen und historischen
       Wurzeln.“
       
       Das von Tuareg-Völkern gegründete Timbuktu am Niger-Fluss war im 15. und
       16. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum für Handel, Wissenschaft und Religion
       und spielte eine große Rolle bei der Verbreitung des Islams in Afrika. Die
       Oasenstadt, auch als „Perle der Wüste“ und „Stadt der 333 Heiligen“
       bekannt, diente lange als Bindeglied zwischen dem Mittelmeerraum und
       Westafrika.
       
       2012 hatten radikale Islamisten teilweise die Kontrolle über den Norden
       Malis übernommen. In Timbuktu zerstörten Dschihadisten 14 von 16
       mittelalterlichen Heiligengräber – um neun dieser Mausoleen und eine
       Moschee geht es nun in dem Verfahren in Den Haag. Der Rebellenführer Al
       Faqi al Mahdi, auch als Abu Tourab bekannt, soll die Zerstörung geplant,
       vorbereitet und ausgeführt haben.
       
       Der etwa Anfang 40-Jährige war im vergangenen Jahr in Niger festgenommen
       und dem Gericht übergeben worden. Er will sich schuldig bekennen, und auch
       das ist bisher einzigartig in der Geschichte des Gerichtes. Daher könnte
       der Prozess schon in einer Woche beendet werden. Das wäre für das Gericht,
       das wegen seiner schleppenden, oft jahrelangen Prozesse heftig in der
       Kritik ist, endlich mal eine positive Nachricht.
       
       ## Wichtiger Präzedenzfall
       
       Für die UN-Kulturorganisation Unesco ist der Prozess ein wichtiger
       Präzedenzfall – ein Zeichen, dass die Weltgemeinschaft gegenüber den
       Zerstörungen nicht völlig ohnmächtig ist. „Dies ist ein nachhallendes
       Signal gegen Straffreiheit, auch mit Blick auf Syrien und den Irak“, sagte
       Unesco-Chefin Irina Bokowa im Juni bei einem Besuch in Den Haag. Aktuell
       will die Organisation mit Sitz in Paris sich unter Verweis auf das laufende
       Verfahren nicht näher äußern.
       
       Die Bulgarin Bokowa, die sich derzeit um die Nachfolge von
       UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bewirbt, hat in den vergangenen Jahren immer
       wieder für den Kampf gegen die Zerstörung von Welterbestätten in
       Konfliktgebieten geworben. Sie verurteilt die Angriffe als Teil einer
       Strategie der „kulturellen Säuberung“. „Die vorsätzliche Zerstörung von
       Welterbe ist ein Kriegsverbrechen, das als Kriegstaktik eingesetzt wird, um
       Furcht und Hass zu verbreiten.“ Bokowa meint: „Die Zerstörung von Erbe ist
       nicht zu trennen von der Verfolgung von Menschen.“
       
       Die Mausoleen von Timbuktu [3][stehen heute wieder]. Frankreich schickte
       Anfang 2013 auf Bitte der malischen Regierung Truppen, die die Islamisten
       zurückdrängten – auch wenn im Norden weiterhin Terrorgruppen aktiv sind.
       Inzwischen bemühen sich die Vereinten Nationen um eine Stabilisierung der
       Lage. Im Rahmen der UN-Mission sind auch 300 Soldaten der Bundeswehr in der
       nördlichen Stadt Gao stationiert.
       
       Die Heiligengräber wurden mit einem Unesco-Programm wieder aufgebaut, auch
       mit finanzieller Hilfe der EU. Kurz vor der Fertigstellung im vergangenen
       Jahr sagte die Vorsitzende des Welterbekomitees, Maria Böhmer: „In einer
       Zeit, wo Welterbe von bewaffneten Gruppen angegriffen wird, gibt der
       Wiederaufbau der Mausoleen von Timbuktu uns Anlass zu Optimismus.“
       
       22 Aug 2016
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.icc-cpi.int/mali/al-mahdi/Documents/AlMahdiEng.pdf
 (DIR) [2] http://www.unesco.org/new/en/media-services/single-view/news/unesco_director_general_and_icc_president_reaffirm_joint_com
 (DIR) [3] http://whc.unesco.org/en/news/1307/
       
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