# taz.de -- Offshore-Terminal Bremerhaven: „Augen zu und durch“
       
       > Der Linken-Abgeordnete Nelson Janßen fürchtet, dass der Senat den OTB für
       > Transporte nutzen will, für die ein Terminalbau nicht genehmigungsfähig
       > wäre
       
 (IMG) Bild: Während beim OTB-Bau alles stillsteht, hat Siemens bereits mit dem Bau seines Windturbinenwerks in Cuxhaven begonnen
       
       taz: Herr Janßen, das Offshore-Terminal Bremerhaven (OTB) ist Bremens
       größtes Investitionsprojekt, mehr als 200 Millionen Euro würde es kosten.
       Nun hat das Verwaltungsgericht den Bau gestoppt und es gibt immer größere
       Zweifel an der Wirtschaftlichkeit. Gibt es Anzeichen dafür, dass jemand im
       Senat nachdenkt? 
       
       Nelson Janßen: Der Senat tut nichts, er verfolgt offenbar die Strategie:
       Augen zu und durch. Der Senat tut so, als nehme er die Veränderungen am
       Markt nicht wahr.
       
       Was für Veränderungen? 
       
       Die Förderung der erneuerbaren Energien wurde verändert, der Ausbau von
       Offshore-Windenergieanlagen in der Nordsee ist erst mal gestoppt.
       
       Es gibt in Bremerhaven bisher zwei Firmen, auf die sich der
       Windenergie-Schwerpunkt bezieht. Das französische Atomkonzern Areva will
       seine Produktionshallen in Bremerhaven nicht mehr weiter betreiben. Stehen
       die Hallen dann leer? 
       
       Da scheint es Verhandlungen mit anderen Produzenten zu geben, gravierender
       aber ist, dass der Weltmarktführer Siemens sich in Cuxhaven ansiedelt,
       nicht in Bremerhaven.
       
       Sind die Produktionsanlagen von Areva so wertvoll für andere
       Generatoren-Hersteller? Könnte Siemens daran Interesse haben? 
       
       Es gibt durchaus neue Anlagen in Bremerhaven, Siemens will aber größere
       Turbinen bauen als der Bremerhavener Betrieb.
       
       Vor einigen Monaten hat der Senat auf unsere Nachfrage hin angedeutet, dass
       er keine direkten Kontakte hat zu den Entscheidungsebenen der
       Windenergie-Konzerne, das bedeutet: dass er nur gespannt abwarten kann, was
       die sich überlegen … 
       
       Der Senat hat sich auf seine alten Gutachten verlassen und da steht, dass
       der Standort Cuxhaven weniger geeignet ist, Bremerhaven wäre attraktiver.
       Dann war der Senat vollkommen überrascht von der Siemens-Entscheidung für
       Cuxhaven. Die haben offenbar keinen Draht zu diesen Firmen. Siemens will
       2017 mit der Produktion in Cuxhaven beginnen.
       
       Der Senat hat bestätigt, dass es einen Vermerk von 2015 aus dem Hause der
       Finanzsenatorin gibt, nach der die von den Gutachtern erwarteten
       Umschlagszahlen für den OTB bei Weitem nicht realistisch sind. 
       
       Das war schon 2015 so, und die Veränderungen der politischen
       Rahmenbedingungen und die Siemens-Entscheidung waren damals nicht absehbar.
       Dass der Senat so tut, als gäbe es das alles nicht, deutet darauf hin, dass
       der Senat die Windenergie-Terminals am Ende für andere
       Schwerlastgut-Transporte nutzen will. Mit dieser Begründung ist ein
       Terminalbau an dieser Stelle aber nicht genehmigungsfähig.
       
       Die Fraktionssprecherin der Grünen, Maike Schaefer, hat auch deutlich
       erklärt, dass die Grünen ein allgemeines Schwerlastterminal an dieser
       Stelle aus Umweltschutzgründen ablehnen würden. Spürt man davon etwas in
       den politischen Gremien? 
       
       Man spürt, dass die Grünen Fragezeichen machen, das beeindruckt die SPD
       aber nicht.
       
       Der Senat hat die bisherigen Kosten aufgelistet. Danach sind 20 Millionen
       von den 180 Millionen für den OTB weg und dazu 46 Millionen Euro für den
       begleitenden Infrastrukturausbau, zusätzlich. Wenn der OTB nicht gebaut
       wird, kämen Schadenersatzansprüche hinzu … 
       
       Natürlich muss man Geld ausgeben, wenn man Planungen vorantreiben will, und
       die Infrastruktur-Ausgaben für Flächenerwerb zum Beispiel sind ja
       möglicherweise für eine andere Nutzung sinnvoll. Aber dass man schon so
       viel Geld ausgegeben hat, kann keine Begründung dafür sein, nun weiteres
       Geld hinterherzuwerfen. Mit 180 Millionen Euro hatte man 2011 gerechnet,
       das wird doch acht Jahre später teurer. Und selbst für dieses 180 Millionen
       Euro gibt es in den Haushaltsplanungen große Lücken: 50 Millionen Euro
       wollte man bei Landesbank und BLG dafür abkassieren, das Geld wird nicht
       kommen.
       
       Die Grundsatzfrage, ob für solche Hafenprojekte an einer Bundeswasserstraße
       das jeweilige Land zuständig ist oder die Wasser- und Schifffahrtsbehörde
       des Bundes, liegt vor dem Bundesverwaltungsgericht. Wann ist da mit einem
       Urteil zu rechnen? 
       
       Dafür gibt es bisher nicht einmal einen Termin, darauf wird man mindestens
       ein Jahr noch warten müssen.
       
       11 Aug 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus Wolschner
       
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