# taz.de -- Neues Gesetz zu Universitäten in Chile: „Institutionalisierte Privatisierung“
       
       > In Chile wird die höhere Bildung reformiert, öffentliche Unis sollen sehr
       > langsam ausgebaut werden. Studierende sind unzufrieden.
       
 (IMG) Bild: „Es ist unmöglich, dass alle zufrieden sind“: Studierendenprotest im Juni gegen das neue Gesetz
       
       Buenos Aires taz | Chiles Regierung hat am Montag ihren Reformvorschlag für
       das höhere Bildungssystem im Kongress eingebracht. Dass die sozialistische
       Präsidentin Michelle Bachelet den Schritt per Fernsehübertragung auf allen
       Kanälen ankündigte, unterstreicht seinen hohen Stellenwert. „Es ist
       unmöglich, dass alle zufrieden sind,“ sagte sie und gab damit die Richtung
       vor.
       
       Seit Jahren protestieren Chiles Studis für ein öffentliches und kostenloses
       Hochschulsystem. Anfang der 1980er Jahre wurden private
       Bildungseinrichtungen zugelassen, die nach und nach die öffentlichen
       Einrichtungen verdrängten. Schulen und Hochschulen sind heute nahezu
       komplett als gewinnorientierte Unternehmen organisiert.
       
       Nur 15 Prozent der Studierenden sind an öffentlichen Universitäten
       immatrikuliert. „Von einem gemischten System aus öffentlichen und privaten
       Hochschuleinrichtungen kann gar nicht gesprochen werden,“ sagte die frühere
       Studierendenführerin und jetzige Abgeordnete Camila Vallejo.
       
       Präsidentin Michelle Bachelet hatte denn auch im Wahlkampf eine
       grundlegende Reform versprochen. Zwar fanden im Vorfeld Gespräche zwischen
       Regierung, Hochschulen und Studierenden statt, aber ein gemeinsam
       erarbeitetes Reformkonzept stand nie ernsthaft zur Debatte. Im Fall der
       Studierenden hatte die Regierung mehrfach ihr Desinteresse durchblicken
       lassen. Die nun eingereichte Vorlage ist denn auch alles andere als ein
       Konsensprodukt. Und gemessen an der Forderung einer öffentlichen und
       kostenlosen Hochschulbildung für viele enttäuschend.
       
       So ist vorgesehen, den Ausbau des kostenlosen Bildungssystems an die
       Entwicklung des Wirtschaftswachstums zu koppeln. „Selbst bei einem
       Wirtschaftswachstum wie in Japan würde es 20 bis 30 Jahre dauern,“ sagte
       Patricio Medina Sprecherin des chilenischen Studierendenverbands Confech.
       
       Unzufrieden sind auch die wenigen öffentlichen Hochschulen „Diese Reform
       institutionalisiert die Privatisierung des Bildungssystems und reguliert
       nur etwas den Bildungsmarkt,“ sagte Aldo Valle, Vizepräsident des
       Rektorenrats der Universitäten. Damit werde das aktuelle System von
       Trennung und Ausschluss weiter vertieft.
       
       5 Jul 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Vogt
       
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