# taz.de -- Kiel Vizemeister bei Zwangseinweisungen
       
       > Gesundheit Schleswig-Holsteins Psychiatrie-Gesetz soll novelliert werden.
       > Hier landen besonders viele Menschen wegen psychischer Krankheiten hinter
       > Schloss und Riegel
       
       Wer genehmigt es, psychisch Kranke tagelang im Bett zu fixieren oder durch
       Medikamente ruhigzustellen? Laut dem Psychiatrie-Gesetz entscheiden in
       Schleswig-Holstein bei Zwangseingewiesenen allein die Ärzte über die
       Fixierung, bei längeren Maßnahmen muss die Klinikleitung einbezogen werden.
       
       Ob künftig ein Gericht mitsprechen solle, werde bei der anstehenden
       Novellierung des Gesetzes geprüft, teilt das Sozialministerium in Kiel auf
       eine Anfrage des Piratenabgeordneten Patrick Breyer mit, die der taz
       vorliegt. Das Psych-KG war nach langem Vorlauf 2015 in Kraft getreten.
       Seither gab es bereits mehrere Urteile, die auf Lücken und Unklarheiten im
       Text hinwiesen.
       
       Wie oft und wie lange Menschen fixiert werden, sei unbekannt – schließlich
       liege das in der Verantwortung der Kommunen, antwortete das Ministerium.
       Gewiss sei, dass es einen „intensiven fachlichen Austausch“ zwischen den
       Kreisen, Krankenhausbetreibern und Fachverbänden gegeben habe. Nun werde
       ein neues Protokoll erarbeitet, in dem „nachvollziehbar“ erklärt werden
       muss, warum die Fesselung nötig ist.
       
       In Schleswig-Holstein werden viele Menschen zwangseingewiesen. Das zeigt
       eine Statistik, die von der brandenburgischen Gesellschaft für gemeindenahe
       Psychiatrie stammt. Laut der Daten von 2014 liegt das Land hinter Bayern
       auf dem zweiten Platz, mit Abstand gefolgt von Hamburg auf Platz drei.
       Bremen und Niedersachsen stehen auf Rang fünf und sechs,
       Mecklenburg-Vorpommern auf zehn.
       
       Die Statistik misst auch die Betreuung von Demenzkranken und psychisch
       kranken Straftätern. Das höchste Risiko, wegen einer psychischen Krankheit
       eingewiesen zu werden, besteht in Bremen. Einen eindeutigen Grund für den
       hohen Wert gibt es nach taz-Recherchen nicht: Genannt werden die „relative
       Häufung von Altenheimen“ oder die unterschiedliche Art, die Fälle zu
       zählen. EST
       
       8 Jun 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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