# taz.de -- Ägypten gegen Al-Dschasira-Mitarbeiter: Sechs Todesurteile wegen Spionage
       
       > Ägypten wirft dem Sender Al-Dschasira vor, die Muslimbrüder zu
       > unterstützen. Der Richterspruch gegen Ex-Präsident Mursi wird aber
       > vertagt.
       
 (IMG) Bild: Das Urteil gegen den Ex-Präsidenten Mohammed Mursi wurde auf den 18. Juni verschoben (Archivbild)
       
       Kairo dpa | Wegen Verrats von Staatsgeheimnissen hat ein Gericht in Kairo
       zwei Mitarbeiter des Nachrichtenkanals Al-Dschasira sowie vier weitere
       Angeklagte zum Tode verurteilt. Ihnen war vorgeworfen worden, heikle
       Informationen an das Emirat Katar weitergegeben zu haben, wie die
       Nachrichtenseite Al-Ahram meldete.
       
       Die beiden Al-Dschasira-Mitarbeiter und eine weitere angeklagte
       Journalistin wurden am Samstag in Abwesenheit verurteilt, da sie sich
       außerhalb des Landes aufhalten. Das Urteil gegen den ebenfalls angeklagten
       ägyptischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi wurde hingegen auf den 18. Juni
       verschoben, wie der Richter erklärte.
       
       Bei den Todesstrafen handelt es sich um vorläufige Urteile. Der Richter
       überwies die Fälle an Ägyptens Großmufti Schauki Allam, der als höchste
       religiöse Instanz des Landes zu dem Richterspruch eine Stellungnahme
       abgeben muss, die jedoch nicht bindend ist.
       
       Diese Vorgehensweise des Gerichts bedeute wahrscheinlich, dass Mursi keine
       Todesstrafe bekommen werde, schrieb Al-Ahram. Der 64-Jährige hatte bereits
       vor einem Jahr wegen Verschwörung zu einem Gefängnisausbruch während der
       arabischen Aufstände die Todesstrafe erhalten. Das Urteil löste
       international scharfe Kritik aus.
       
       Der Nachrichtenkanal Al-Dschasira wird von Katar finanziert. Die Regierung
       in Kairo wirft dem Sender vor, die in Ägypten verbotenen islamistischen
       Muslimbrüder zu unterstützen. Im vergangenen Jahr waren drei Reporter des
       Senders zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil sie die Organisation
       unterstützt haben sollen. Zwei von ihnen wurden von Präsident Abdel Fattah
       al-Sisi begnadigt. Der dritte, der Australier Peter Greste, hatte vor dem
       Urteil das Land verlassen.
       
       Der zum Tode verurteilte Al-Dschasira-Journalist Ibrahim Hilal sagte dem
       Sender, das Urteil komme nur wenige Tage nach einem „der größten Verstöße
       gegen die Pressefreiheit in Ägypten“. Sicherheitskräfte hatte am Sonntag
       bei einer Razzia in der Kairoer Zentrale des Journalistenverbandes zwei
       Reporter festgenommen.
       
       Mursi war nach dem Sturz des Langzeitherrschers Husni Mubarak als erster
       frei gewählter Präsident des Landes an die Macht gekommen. Nach
       Massenprotesten gegen ihn wurde er im Sommer 2013 von der Armee gestürzt.
       Seitdem geht Ägypten massiv gegen die Muslimbrüder vor, aus deren Reihen
       Mursi stammt.
       
       7 May 2016
       
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