# taz.de -- Kommentar Österreichs Präsidentenwahl: Wenn die Fetzen fliegen
       
       > Die Präsidentschaftskandidaten Hofer und Van der Bellen trafen im
       > TV-Duell aufeinander. Am Ende gewann jedoch nur einer: der Fernsehsender.
       
 (IMG) Bild: Lässt sich hier brav pudern: FPÖ-Politiker Norbert Hofer bei einem TV-Duell für den Sender Plus4
       
       Norbert Hofer von der rechten FPÖ und der Grüne Alexander Van der Bellen,
       der als Unabhängiger antritt, stehen für zwei unterschiedliche Welten,
       deren Schnittmenge über die gemeinsame Ablehnung des transatlantischen
       Freihandelsabkommens TTIP nicht weit hinausgeht.
       
       Umso erstaunlicher, dass sie bisher im Wahlkampf die Glacéhandschuhe
       angelassen hatten. Alexander Van der Bellen, der im ersten Wahlgang einen
       Rückstand von 14 Punkten hatte, hat mehr Terrain gutzumachen. Es geht jetzt
       um jene fast zwei Millionen Wählerinnen und Wähler, die bei der ersten
       Runde einen anderen Kandidaten angekreuzt hatten, und um jene über zwei
       Millionen potenzielle Wähler, die im ersten Wahlgang zu Hause geblieben
       sind.
       
       Van der Bellens Berater haben dem bedächtigen Professor schon lange
       empfohlen, angriffslustiger aufzutreten und die Differenzen zum autoritären
       Gegner stärker herauszustreichen. Entsprechend aggressiv ist er bei der
       Sonntagsdebatte im Privatkanal ATV aufgetreten. Das Format – [1][45 Minuten
       Rededuell ohne Moderation] – ließ gespannte Erwartung entstehen. Denn in
       der gefühlt 150. Begegnung der Hofburg-Kandidaten seit der ersten Wahlrunde
       war inhaltlich nicht viel Neues zu erwarten.
       
       Wer gehofft hatte, dass zumindest die bekannten Positionen ausführlicher
       diskutiert würden, der wurde enttäuscht. Norbert Hofer hat geschickt
       versucht, die Glaubwürdigkeit seines Gegenübers zu unterminieren und dessen
       Anhängerschaft als abgehobene Schickeria zu diffamieren. Van der Bellen
       ließ sich provozieren. Kein Wunder, dass zeitweise die Fetzen flogen.
       
       Gewinner des Schauspiels ist zweifelsohne der Sender ATV, der es gewagt
       hat, die Kandidaten in einem ungewöhnlichen Format gegeneinander antreten
       zu lassen, und damit Quoten erzielte, von denen man sonst bei den
       Privatkanälen nur träumen kann. Verlierer sind beide Diskutanten und die
       Würde des Amtes, das sie anstreben.
       
       16 May 2016
       
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