# taz.de -- Fehlstunden als Geschenk
       
       > Demo Rund 1.000 SchülerInnen demonstrierten zusammen mit Studierenden –
       > gegen Rechtspopulismus, Rassismus und für freien Bildungszugang für
       > Flüchtlinge
       
 (IMG) Bild: Haben laut Polizei ihr „Demonstrationsrecht gut ausgenutzt“: Bremer SchülerInnen während des „Bildungsstreiks“
       
       von Jannik Sohn
       
       Etwa 1.000 SchülerInnen und Studierende demonstrierten am Mittwoch in der
       Innenstadt gegen Rassismus, Asylrechtsverschärfung und für einen freien
       Bildungszugang für Flüchtlinge. Das bundesweite Bündnis „Jugend gegen
       Rassismus“ hatte zu dem „Bildungsstreik“ aufgerufen. Federführend für die
       Organisation des Bremer Streiks war die GesamtschülerInnenvertretung GSV.
       Vom Hauptbahnhof zog der Protestzug zur Bildungsbehörde, über den Brill und
       die Neustadt bis zum Marktplatz. Dort fand eine Abschlusskundgebung statt.
       
       Mit Sprüchen wie „Kein Mensch ist illegal, Bleiberecht überall“ oder
       „Grenzen auf überall, Stacheldraht zu Altmetall“ skandierten die
       DemonstrantInnen durch die Straßen. Auf Transparenten forderten sie die
       Bekämpfung der „Fluchtursache Kapitalismus“. Zu Beginn rief die Moderation:
       „Wir wollen ein fettes Zeichen gegen Rassismus setzen.“
       
       Die Sprecherin des Bremer Bündnisses, Claara König sagt, man wolle die
       Kämpfe von SchülerInnen und Studierenden mit dem Kampf gegen
       Rechtspopulismus verbinden. Zu den Forderungen des Bündnisses gehörten der
       „kostenfreie Zugang zu Bildung“, „Umverteilung des gesellschaftlichen
       Reichtums“ und „offene Grenzen“.
       
       Für die versäumten Unterrichtsstunden könne die GSV Entschuldigungen
       verteilen, sagt König, die aber „wird ganz oft nicht angenommen“. In der
       Vergangenheit hätten SchülerInnen dadurch schon Fehlstunden erhalten.
       LehrerInnen hätten den Demobesuch verboten oder mit schlechten Noten
       gedroht, sagt König. So würden sich SchülerInnen teilweise nicht trauen,
       die Aktionen der GSV zu besuchen. Im Vorfeld des Protests wendete sich die
       SchülerInnenvertretung deshalb an das Lehrpersonal.
       
       In einem offenen Brief forderte sie die LehrerInnen auf, die SchülerInnen
       „zu mobilisieren und zu ermutigen“ und selbst an dem Streik teilzunehmen.
       Um auf das schulische Demonstrationsverbot einiger LehrerInnen aufmerksam
       zu machen, sammelt die GSV nun die Fehlstunden. Die sollen dann der
       Bildungsbehörde „geschenkt“ werden.
       
       Auch der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Universität ist Teil
       des Bündnisses. „Der Bildungsstreik richtet sich gegen Ausgrenzung und
       Krieg“, sagt das Asta-Mitglied Tom Robin Hoffmann. „Ausgehend von der GSV
       begrüßen wir die Vernetzung aller Bremer Bildungsinstitutionen“. Die
       Studierendenvertretung schließe sich den Forderungen des Bündnisses an. Man
       sei an der Mobilisierung der Demo beteiligt gewesen und habe den
       Lautsprecherwagen zur Verfügung gestellt.
       
       Bremens Polizeisprecher Nils Matthiesen sagte der taz, man sei mit der Demo
       „zufrieden“, ohne Vorkommnisse hätten die Teilnehmenden das
       „Demonstrationsrecht gut ausgenutzt“.
       
       Das Bremer Bündnis organisierte im Vorfeld eine weitreichende Kampagne.
       „Als erstes haben wir eine Mobil-Tour gemacht“, berichtet Sprecherin König.
       Die GSV besuchte Schulen und verteilte dort Flyer und Sticker. Vergangenen
       Freitag bot das Bündnis einen Info- und Workshoptag an, der, laut König,
       „gut besucht“ war. Mit einer Blockade der Sielwall-Kreuzung machte das
       Bündnis bereits vor zwei Wochen auf sich aufmerksam. Videos von den
       Aktionen wurden online verbreitet.
       
       Deutschlandweit demonstrierten junge Menschen am Mittwoch, so auch in
       Berlin. Laut Angaben der OrganisatorInnen, sollen hier etwa 4.000 junge
       Menschen protestiert haben. Bereits im Februar gab es laut Claara König
       eine überregionale Konferenz des Bündnisses. Weitere sollen folgen, ergänzt
       sie, die nächste im Mai.
       
       28 Apr 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jannik Sohn
       
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