# taz.de -- Gruppe "Neujahr" ermittelt noch
       
       > Delikte Derzeit liegen den Behörden 1.092 Anzeigen vor, davon 471 zu
       > sexuellen Übergriffen
       
       KÖLN taz | Die Kölner Staatsanwaltschaft bereitet im Zusammenhang mit den
       Ereignissen vor und im Hauptbahnhof der Stadt in der Silvesternacht weitere
       Anklagen gegen Verdächtige vor. Zurzeit ermitteln die Behörden gegen 78
       Beschuldigte, gegen 14 davon wegen sexueller Übergriffe. 16 Personen sitzen
       in Untersuchungshaft, darunter auch die drei Angeklagten, deren Verfahren
       am Mittwoch in Köln vor Gericht verhandelt wurden. Von den 16 inhaftierten
       mutmaßlichen Tätern wird nur einem unter anderem ein Sexualdelikt
       vorgeworfen, ansonsten geht es vor allem um Eigentumsdelikte.
       
       Der Staatsanwaltschaft liegen derzeit 1.092 Anzeigen im Zusammenhang mit
       den Ereignissen vor. „Davon haben 471 Anzeigen den Vorwurf eines sexuellen
       Übergriffs zum Gegenstand“, sagte der Kölner Staatsanwalt Ulrich Bremer der
       taz. Die Vorwürfe reichen von Beleidigung mit sexuellem Bezug bis zu
       Vergewaltigung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in drei Fällen wegen
       Vergewaltigung. „Es handelt sich in keinem Fall um den Vorwurf des
       erzwungenen Geschlechtsverkehrs“, sagte Bremer. Bei den
       Vergewaltigungsvorwürfen geht es um das Einführen von Fingern in die Vagina
       der Opfer.
       
       Die Zahl der Anzeigen dürfte allerdings noch steigen: Die Ermittlungsgruppe
       „Neujahr“ der Kölner Polizei arbeitet weiterhin. Die Ermittler sichten
       Videomaterial. Entdecken sie bislang nicht erfasste Straftaten, werden
       diese aufgenommen. Außerdem gehen noch immer Anzeigen ein, die Opfer an
       ihren Wohnorten gestellt haben und die über die Staatsanwaltschaften vor
       Ort erst nach und nach in Köln eintreffen.
       
       Bei den 78 Beschuldigten handelt es sich nach Angaben der
       Staatsanwaltschaft überwiegend um Männer zwischen 18 und 25 Jahren.
       Darunter sind drei deutsche Staatsbürger und drei Syrer, die übrigen
       stammen überwiegend aus anderen nordafrikanischen Ländern, vor allem aus
       Marokko und Algerien.
       
       Bereits im Januar hatte ein Prozess für öffentliches Aufsehen gesorgt, bei
       dem zwei junge Männer wegen Diebstahl in einem sogenannten Eilverfahren zu
       einer Woche Jugendarrest verurteilt worden waren, den sie bereits mit der
       Untersuchungshaft abgesessen hatten. Dieses Verfahren stand aber nicht im
       Zusammenhang mit der Silvesternacht, sondern bezog sich auf einen danach
       verübten Diebstahl, bei dem die Täter ihr Opfer „angetanzt“ hatten.
       
       Anja Krüger
       
       25 Feb 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Krüger
       
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