# taz.de -- Friedensvorstoß im Südsudan: Zurück auf Null
       
       > Präsident Salva Kiir macht seinen wichtigsten Gegner Riek Machar zum
       > Vizepräsidenten. Aber der neue Vize kann nicht ins Land zurück.
       
 (IMG) Bild: Riek Machar soll wieder Vizepräsident werden.
       
       NAIROBI taz | Nach über zwei Jahren Krieg mit Zehntausenden Toten,
       Tausenden Vergewaltigugnsopfern und Millionen Vertriebenen geht Südsudan
       zurück auf Null. Präsident Salva Kiir ernannte den Rebellenführer Riek
       Machar am Donnerstagabend zum Vizepräsidenten des Landes – ein Posten, den
       Machar bereits bis zum Sommer 2013 unter Kiir innegehabt hatte.
       
       Der Bruch zwischen den beiden hatte Südsudan in den Bürgerkrieg gestürzt,
       nun wird das rückgängig gemacht – ein winziger Schritt zu vielleicht einer
       Lösung des Konflikt.
       
       Aber Kritiker von Präsident Salva Kiir glauben, dass es nicht mehr ist als
       heiße Luft. Machars Ernennung bedeutet wenig, solange er nicht einmal aus
       dem äthiopischen Exil nach Südsudan zurückkehren kann, weil die
       erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen noch nicht implementiert sind.
       
       Seit August 2015 gibt es einen Friedensvertrag zwischen Kiir und Machar.
       Aber er wird ständig verletzt. Zwar gibt es eine Sitzverteilung für eine
       Regierung der nationalen Einheit, aber die kann erst gebildet werden, wenn
       die Regierungstruppen sich ein paar Dutzend Kilometer außerhalb der
       Hauptstadt Juba zurückgezogen haben. Beide Seiten haben vereinbart, dass in
       Juba nur noch eine von beiden Seiten zu stellende Streitmacht stationiert
       sein soll. Aber die gibt es noch nicht.
       
       Südsudans Armee besteht weitgehend aus Dinka, die größte Volksgruppe in
       Süd-Sudan, zu der auch Kiir gehört. Machar gehört zur anderen großen
       südsudanesischen Volksgruppe der Nuer. Seit Kriegsbeginn Ende 2013 ist es
       für Nuer nicht sicher, sich ohne Schutz in Gebieten aufzuhalten, wo die
       Armee die Kontrolle hat. In Juba leben Nuer in Lagern unter UN-Schutz.
       
       ## Heimkehr vielleicht in drei Wochen
       
       Riek Machar, überrascht von seiner Ernennung, meinte, dass er vielleicht in
       drei Wochen nach Juba reisen kann. Aber seine Rückkehr sei nur möglich,
       wenn der Präsident nicht das Friedensabkommen untergrabe.
       
       Kiir hat vergangenes Jahr Südsudans 10 Provinzen in 28 unterteilt. Dadurch
       brauchen Dinka nicht länger in multiethnischen Bundesstaaten zu leben.
       Darüber hinaus schuf er damit auch eine Reihe von neuen Staatsämtern für
       seine Anhänger. Machar und auch die Friedensvermittler meinen, dass diese
       Schritte dem Friedensprozess widersprechen. Die UNO bezichtigt beide
       Kriegsführer, das Friedensabkommen zu torpedieren und Kriegsverbrechen zu
       begehen.
       
       Grund für Kiirs Ernennung von Machar zum Vizepräsidente ist wahrscheinlich
       nicht nur der steigende internationalen Druck, endlich den Krieg zu
       beenden, sondern auch die katastrophale wirtschaftliche Lage des Landes.
       Südsudan ist fast völlig abhängig von Öl, dessen Preis in letzter Zeit
       stark gesunken ist. Darüber hinaus haben Kämpfe in den Ölregionen die
       Förderunge fast zum Erliegen gebracht. Südsudan hat kein Geld mehr, die
       Inflation scheint nicht zu bremsen zu sein.
       
       Wie groß die Geldnot der Regierung ist, zeigt sich in der neuen Regelung,
       dass Nummernschilder von Autos und Motorrädern jetzt von der
       Zentralregierung ausgegeben werden anstatt der Bundesstaaten. Eine kleine
       zusätzliche Einkommensquelle. Das ist dringend notwendig, weil die
       Loyalität der Truppen abnimmt, wenn sie keinen Lohn erhalten.
       
       12 Feb 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ilona Eveleens
       
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