# taz.de -- „Sich in Ruhe treiben lassen“
       
       > Urlaub Hausboot-Vermieterin Andrea Jeschke über Wohnen auf dem Wasser
       
       Intereview Melina Seiler
       
       taz: Frau Jeschke, was ist das Schlimmste, das einem auf einem Hausboot
       passieren kann? 
       
       Andrea Jeschke: Dass die Toilettenspülung nicht mehr funktioniert oder dass
       man die Durchfahrt zu einer Brücke unterschätzt und das Dach abreißt. Zum
       Glück ist das aber bei uns noch nicht passiert.
       
       Was für Menschen mieten ein Hausboot? 
       
       Ganz verschiedene. Oft sind es Naturmenschen, die Ruhe suchen, um sich
       treiben zu lassen. Es gibt natürlich auch den klassischen Familienurlaub.
       Der Vater kann Kapitän spielen, die Kinder vergnügen sich im Wasser und die
       Mutter kann endlich ausspannen. Aber vor allem ältere Menschen, die früher
       schon mal Boote hatten, lieben Hausboote. Sie sind barrierefrei und bieten
       Raum. So können die Senioren trotz körperlicher Eingeschränktheit weiterhin
       auf dem Wasser sein.
       
       Ist das Hausboot auch als dauerhafter Wohnsitz gefragt? 
       
       Ja, sehr oft. Häufig haben die Leute, die sich dafür interessieren mal ein
       Hausboot angemietet und dann Gefallen daran gefunden. Es ist natürlich vor
       allem das Leben auf dem Wasser, das die Menschen so reizt, aber auch der
       Gedanke, sein Haus einfach mitnehmen zu können. Das Interesse ist auch so
       groß, weil man an Plätzen wohnen kann, an denen man sonst kein Grundstück
       bekommt. Aber die Liegeplätze am Hafen gibt es.
       
       Welche Fähigkeiten muss man mitbringen, wenn man ein Hausboot mieten
       möchte? 
       
       Überhaupt keine. Wir haben einen 15-PS-Außenbordmotor, für den braucht man
       keinen Führerschein. Die Mieter erhalten von uns eine ausführliche Schulung
       über mehrere Stunden. Da werden die wichtigsten Wasserzeichen erklärt und
       wir üben auch, wie man Schleusen und Brücken durchfährt.
       
       Was kostet es bei Ihnen, ein Hausboot zu mieten? 
       
       Das ist Saison abhängig, zwischen 1.000 und 1.500 Euro pro Woche.
       
       Und was bietet das Boot dafür? 
       
       Es ist ein vollwertiges Ferienhaus mit viel Komfort. Einziger Unterschied:
       Es befindet sich auf dem Wasser. Es gibt zwei Schlafzimmer mit je zwei
       Betten. Es gibt ein vollwertiges Bad mit Dusche, Waschbecken und Toilette
       sowie eine Küche mit Kühlschrank und Gasherd. Der Salon ist gleichzeitig
       Wohn- und Essbereich. Dort gibt es unter anderem einen Esstisch und ein
       Klappsofa auf dem auch noch zwei weitere Personen schlafen können. Unser
       Boot ist voll isoliert und beheizbar. Die Wohnfläche beläuft sich auf 28
       Quadratmeter plus Terrasse.
       
       Wo kann man denn in Deutschland Hausboote anmieten? 
       
       Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Hier in
       Nordwestdeutschland fängt es gerade erst an, wächst aber auch stark. In
       Ostfriesland sind wir der einzige Anbieter. Unser Revier ist der
       Ems-Jade-Kanal und die angegliederten Flüsschen. Von dort aus kann man die
       Städte Emden, Aurich und Wilhelmshaven erreichen und besichtigen.
       
       Warum ist das Hausboot hier nicht so stark verbreitet wie in Großbritannien
       oder Frankreich? 
       
       Schwer zu sagen. Vermutlich weil es nicht so viele Kanäle gibt. In den
       Niederlanden ist das Hausboot zum Beispiel auch sehr beliebt.
       
       Was ist anders als im Wohnwagen? 
       
       Allein schon das Fahren ist ein Erlebnis. Man kann ohne Stress die
       Landschaft genießen, sieht Regionen, die mit dem Auto nicht zu erreichen
       sind. Man kann auch mitten auf einem See ankern und dort übernachten.
       
       13 Feb 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Melina Seiler
       
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