# taz.de -- Berliner Szenen: Anvisierter Rollenwechsel
> Lästiges Nachfragen
Neulich war es mal wieder so weit. Als ich während eines Konzertbesuchs
beim Bierholen den Fehler beging, meinem gerade frisch kennengelernten
Gesprächspartner zu erzählen, dass ich Autor bin, war sie plötzlich da,
diese Frage, die mich regelmäßig in die Verzweiflung treibt: „Und, was
schreibst du so?“
Ich kann gar nicht genau sagen, was mich an dieser oft gestellten Frage so
irritiert. Ist es die Naivität der Formulierung? (Man stelle sich vor, man
würde einen Maler fragen: „Und, was malst du so?“) Ist es das Wissen darum,
dass, falls ich jetzt tatsächlich versuchen würde, eine ernsthafte Antwort
zu geben, ich sehr schnell feststellen würde, dass mein Gegenüber daran
überhaupt nicht interessiert ist, sondern einfach nur Small Talk betreiben
will?
Die zweite Sache, die mir immer wieder passiert, sobald ich jemandem
erzähle, dass ich schreibe, ist, dass der- oder diejenige daraufhin
erklärt, selbst einen Roman, ein Serienkonzept oder Drehbuch in der
Schublade liegen zu haben. Ob ich das Werk vielleicht einmal lesen wolle?
Verwirrenderweise sind es in letzter Zeit fast immer Schauspielerinnen, die
mich das fragen. Eine Erklärung hierfür habe ich nicht. Je nach
Attraktivitätsgrad der Schauspielerin und eigenem Alkohollevel lasse ich
mich gelegentlich dazu hinreißen, „ja“ zu sagen – nur um mich ein paar Tage
später in der unangenehmen Situation wiederzufinden, nicht zu wissen, wie
ich auf die Nachfrage, ob ich denn ihr Manuskript schon gelesen habe,
reagieren soll.
Als ich neulich einem Freund von diesem Dilemma erzählte, meinte der nur,
ich solle doch einfach mal den Spieß umdrehen und zu der jeweiligen
Schauspielerin sagen, ich hätte eine interessante Rolle im Kopf – ob ich
die ihr vielleicht einmal vorspielen könne? Und dann einfach zu sehen, wie
sie reagiert. Andreas Resch
10 Feb 2016
## AUTOREN
(DIR) Andreas Resch
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