# taz.de -- Berliner Szene: Alt feiern
       
       > Vernünftig
       
       Ein prächtiger Samstagabend: Nach längerer Zeit gehe ich mal wieder in
       einen Club, ins Mensch Meier. Elektro, bum, bum, wir sitzen draußen im
       Garten und quatschen. Ein junger Typ setzt sich, eigentlich fällt er, neben
       uns. „Und warum seid ihr hier?“ Seine Augen sind verschwommen und treffen
       meine Augen nicht, als er versucht mich anzugucken. Entweder hat er zu viel
       getrunken oder was anderes zu viel gemacht.
       
       Der junge Typ will sich eine Zigarette drehen, lässt den Tabak fallen und
       fragt uns, ob wir seinen Tabak gesehen haben. Mittlerweile liegt er fast.
       Er scheint sich unwohl zu fühlen. Ich reiche ihm meine mit Wasser gefüllte
       Bierflasche. „Hier, kannst du ruhig leer machen. Du solltest auch mal
       Wasser trinken, mein Junge.“ Meine Freundin J. lacht laut: „Mein Junge! Wie
       viel älter sind wir? Ein paar Jahre vielleicht.“ Nun entwickele ich also
       beim Tanzengehen mütterliche Gefühle für Druffies.
       
       Der junge Typ sagt Danke, trinkt und kippt den Rest auf meine Tasche. „Ich
       geh mal wieder rein“, meint er und stolpert weg. Wir tauchen auch in den
       Nebel und Schweiß. Richtig schön harte Musik. Wir tanzen und bleiben
       nüchtern vom Zappeln und Schwitzen. Als wir irgendwann gehen, drückt sich
       die Sonne leicht durch die Kälte des Morgens. Vor einer Weile hätte ich sie
       in voller Pracht gesehen, weil ich länger blieb. In der Ringbahn sitzen wie
       immer die ArbeitnehmerInnen, die frisch geduscht riechen. Irgendwann bin
       ich zu Hause. Im Badezimmer scheint die Sonne durchs Fenster. Der Spiegel
       ist brutal an diesem Morgen. Er zeigt mir auf einmal Fältchen um die Augen.
       Mein Blick fällt auf meine Antifaltencreme, die ich zum 27. Geburtstag
       bekommen habe. Ich betupfe sachgerecht die Augenpartie, tupfen, nicht
       schmieren wurde mir befohlen und gehe schlafen.
       
       Marion Bergermann
       
       7 Dec 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marion Bergermann
       
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