# taz.de -- heute in hamburg: "Die Tüten kommunizieren"
       
       > Engagiert Bäcker Heinz Hintelmann über die Kampagne "Gewalt kommt nicht
       > in die Tüte!"
       
       taz: Herr Hintelmann, warum kommt für Sie Gewalt nicht in die Tüte? 
       
       Heinz Hintelmann: Ich lehne grundsätzlich jede Art von Gewalt ab. So gehe
       ich auch durch das Leben. Streit und Konflikte kann man immer anders lösen,
       beispielsweise in Diskussionen und friedlichen Gesprächen.
       
       Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen gibt es heute
       zum siebten Mal die Brötchentüten-Kampagne „Gewalt kommt nicht in die
       Tüte!“. Wie kam es dazu? 
       
       Die Kampagne gab es bereits vorher in Schleswig-Holstein und war dort sehr
       erfolgreich. Deswegen haben die Bäckerinnung und der „Arbeitskreis gegen
       Gewalt an Frauen und Mädchen“ sie auch für Hamburg übernommen.
       
       Was ist das wesentliche Ziel der Kampagne? 
       
       Ganz klar: Aufmerksamkeit erregen! Der Slogan spricht für sich. Gewalt
       bleibt viel zu oft unentdeckt. Wir wollen Betroffenen die Möglichkeit
       geben, sich Hilfe zu suchen und außerdem nach außen tragen, dass Gewalt in
       keiner Weise gerechtfertigt ist. Ich hoffe sogar, dass wir damit
       potenzielle Gewalttäter von Taten abhalten können.
       
       Wie waren in den vergangenen Jahren die Rückmeldungen Ihrer Kunden? 
       
       Es sind viele positive Gespräche entstanden. Die Verkäuferinnen erzählen,
       dass die Menschen sich sehr interessiert zeigen, nachfragen und auch
       Anregungen liefern. In viele Filialen sind Informationsstände aufgebaut, an
       die sich die Kunden direkt wenden können und die werden auch genutzt.
       
       Was ist das Besondere an den Tüten und wie viele gibt es? 
       
       Die Tüten können kommunizieren. Sie sind nicht wie Flyer oder Banderolen.
       Sie werden zum Transport der Backwaren benötigt und deswegen auf jeden Fall
       mitgenommen. Die Kunden können in Ruhe zu Hause darüber nachdenken, denn
       sie sind dann zwangsläufig mit dieser Botschaft betraut. Auf den Tüten
       stehen die Kontaktdaten der Beratungsstellen. Die Betroffenen halten mit
       den Tüten also etwas Konkretes in der Hand und das bewegt oft auch
       diejenigen etwas zu sagen, die sich sonst nicht trauen. Jede Filiale hat
       ungefähr 1.000 Tüten. Damit können wirklich viele Menschen erreicht werden.
       
       Brauchen wir mehr Kampagnen und Informationen zum Thema Gewalt? 
       
       Ja, auf jeden Fall, denn es handelt sich um ein wichtiges, aktuelles Thema.
       Da ist es wichtig, Präsenz zu zeigen und sich klar dagegen auszusprechen.
       
       Interview: Melina Seiler
       
       25 Nov 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Melina Seiler
       
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