# taz.de -- Kommentar Hilferufe der Helfer: Kann man so machen, ist aber dumm
       
       > Spätestens jetzt ist eingetreten, was passieren musste: Die Freiwilligen,
       > die machen, was eigentlich der Senat machen müsste, können nicht mehr.
       
 (IMG) Bild: Helfer und Flüchtlinge am Hauptbahnhof.
       
       Der Hilferuf ist deutlich. Spätestens jetzt ist eingetreten, was früher
       oder später passieren musste: Die Freiwilligen, die seit Monaten machen,
       was eigentlich der Senat machen müsste, können nicht mehr. Die HelferInnen
       arbeiten von Beginn an am Rande ihrer Kapazitäten – und über diese hinaus.
       Im Notfall kann man das ja auch mal machen. Aber nicht über Monate.
       
       Es ist gut, dass Menschen Verantwortung übernehmen und sich um ihre
       Mitmenschen kümmern. Und es ist die Aufgabe aller BewohnerInnen einer
       Stadt, Neuankömmlinge willkommen zu heißen. Aber es ist nicht ihre Aufgabe,
       sie mit Trinkwasser zu versorgen und aufzupassen, dass sie nicht auf der
       Straße erfrieren. Dafür ist die Regierung zuständig, dafür gibt es den
       Sozialstaat. Wenn der aber auch noch, statt seinen Aufgaben nachzukommen,
       denjenigen, die es an seiner statt tun, Steine in den Weg legt, wird es
       absurd.
       
       „Es wäre gar nicht so wünschenswert, personelle Unterstützung der Behörden
       zu bekommen“, sagte ein Helfer am Hauptbahnhof. „Denn das hieße wohl auch:
       Polizei, Innenbehörde, Zwangsregistrierungen.“ Aber dass die Stadt den
       HelferInnen beispielsweise keine Räume stellt, damit sie unter zumutbaren
       Umständen arbeiten können, ist dumm. Dass die HelferInnen irgendwann nicht
       mehr können, ist klar.
       
       Die Freiwilligen sind in der unsäglichen Situation, dass sie den
       Geflüchteten helfen wollen, gleichzeitig dem Senat damit einen großen
       Gefallen tun. Viele wollen das gar nicht: Dazu beitragen, dass alles
       weitergeht wie bisher, denn es läuft ja dank ihnen. Aber sie haben keine
       Wahl: Wenn sie es nicht tun, verbringen Menschen Nächte auf der Straße,
       ohne Decken, bei bald null Grad, inmitten eines der reichsten Staaten der
       Welt.
       
       5 Nov 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Schipkowski
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Syrische Flüchtlinge
 (DIR) Flüchtlinge
 (DIR) Hauptbahnhof
 (DIR) Flüchtlingshilfe
 (DIR) Flüchtlinge
 (DIR) Kältehilfe
 (DIR) Flensburg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ehrenamtliche am Ende: Hilferuf von der Transit-Station
       
       Die Freiwilligen, die seit Monaten Flüchtlinge am Hauptbahnhof versorgen,
       wollen nicht länger vom Senat alleingelassen werden.
       
 (DIR) Winternotprogramm für Obdachlose: Die Letzten bleiben draußen
       
       Am Sonntag beginnt in Hamburg wieder das Winternotprogramm. Bleiben
       Obdachlose in Zeiten der Flüchtlingskrise auf der Strecke?
       
 (DIR) Registrierung in Dänemark: Angst vor Zwangsasyl
       
       Viele Flüchtlinge trauen sich aus Furcht vor einer zwangsweisen
       Registrierung nicht über dänische Grenze und kommen nach Hamburg zurück.