# taz.de -- Aerobic als Wettkampfsport: Im Spagat zum Erfolg
       
       > Rotenburg Wümme ist eine norddeutsche Hochburg der Wettkampfaerobic.
       > Nachwuchstalent Wiemke Büttner hat sich für die EM qualifiziert.
       
 (IMG) Bild: Powert sich in anderthalb Minuten völlig aus: Wiemke Büttner
       
       Rotenburg (Wümme) taz | Schnelle Beats schallen durch die Sporthalle.
       Wiemke Büttner springt rückwärts in den Flickflack, stützt sich mit ihren
       muskulösen Armen ab. Sie blickt konzentriert, ihre blonden Haare hat sie zu
       einem strengen Zopf nach hinten gebunden. Die 16-Jährige klatscht
       auffordernd in die Hände, springt ab und landet im Spagat – ein typisches
       Element des Wettkampfaerobic.
       
       Die Elemente ihrer Choreografie folgen schnell aufeinander. „Ich bin ein
       Powergirl, da passen weiche Abläufe nicht so gut“, sagt Büttner. Schon seit
       zehn Jahren trainiert sie in dieser Halle in Rotenburg Wümme nun fährt sie
       zur Europameisterschaft nach Portugal. „Ich habe so gut wie alle Sportarten
       ausprobiert“, sagt sie. Für Aerobic entdeckte sie ihr Talent.
       
       Auf dem Hallenboden messen jüngere Sportlerinnen die Flächen für die
       Choreografien ab. Die Ränder markieren sie mit Schuhen und Wasserflaschen –
       sieben mal sieben Meter. Ein einziger Sportler hat sich zu den gut 20
       Mädchen gesellt. Die jüngsten sind sechs Jahre alt. Echte Nachwuchsprobleme
       hat [1][der TuS Rotenburg] nicht.
       
       Dabei ist Aerobic eigentlich ein Überbleibsel aus den 80er-Jahren. Damals
       wurde die Sportart durch die Schauspielerin Jane Fonda populär. Die
       vermarktete Aerobic als Fitnessprogramm und erreichte damit vor allem junge
       Frauen. Entwickelt wurden die Mischung aus Gymnastik und Tanz in den
       1960er-Jahren von einem amerikanischen Arzt. Im Rhythmus der Musik werden
       Übungen absolviert. Wettkampfaerobic entwickelte sich nebenher. Mit dem
       ursprünglichen Aerobic hat die Wettkampfvariante aber nicht mehr viel zu
       tun.
       
       „Für mich ist das eine Mischung aus Rhythmischer Sportgymnastik und
       Turnen“, sagt Maike Sondermann, Trainerin und Abteilungsleiterin für
       Wettkampfaerobic beim TuS Rotenburg. 1995 kam der Sport nach Deutschland.
       1996 wurde die Wettkampfaerobic-Abteilung im TuS Rotenburg gegründet.
       Inzwischen ist der Verein einer der führenden deutschlandweit und auch bei
       internationalen Wettkämpfen vertreten.
       
       Büttner hat bereits an Wettkämpfen in Frankreich, den USA und Ungarn
       teilgenommen. Dieses Jahr hat sie sich zum zweiten Mal in ihrer
       Altersklasse für die EM qualifiziert. Vor zwei Jahren verletzte sie sich
       eine Woche vor der Meisterschaft und musste ihre Teilnahme absagen. Dieses
       Jahr ist sie vorsichtiger.
       
       Gerade geht Büttner ihre Choreografie nochmal durch – eineinhalb Minuten
       ist die lang. Dann setzt sie sich auf den Boden, eine Wasserflasche in der
       Hand. „Ich will mich nicht überanstrengen“, sagt sie. Die 16-Jährige
       trainiert unter der Woche drei Mal, am Wochenende ein bis zwei Mal. „Es ist
       schwer, ein Mittelding zwischen Schule, Sport und Freunden zu finden“, sagt
       sie. Manchmal sei ihr das zu viel: „Dann bricht man ein bisschen zusammen,
       steht aber stärker wieder auf.“
       
       Die Choreografie einzuüben ist ein langer Prozess. „Nach der Sommerpause
       fangen wir mit der neuen Choreo an, im Februar kann man sie auf den ersten
       Wettkämpfen dann noch etwas wackelig vorführen, zur Deutschen Meisterschaft
       im Juni steht sie dann“, sagt Trainerin Sondermann.
       
       In den Wettkämpfen erhalten die TeilnehmerInnen Punkte von einer Jury.
       Ausschlaggebend sind Schwierigkeit, Technik und die Choreografie.
       
       Für die EM in Portugal wird Büttner eine Woche von der Schule freigestellt.
       „Dabeisein ist schon viel“, sagt sie. Ein Platz im Mittelfeld sei gut, die
       internationale Konkurrenz stark. In Spanien oder Rumänien etwa ist der
       Sport populärer, in Deutschland fristet er ein Nischendasein. In
       Niedersachsen gibt es gerade einmal vier Vereine. „Das ist schon viel“,
       sagt Sondermann, „in manchen Bundesländern gibt es nur einen.“
       
       Heute Abend geht es los. Bis Donnerstag hat die Gymnasiastin Zeit, vor Ort
       zu trainieren. Am Freitag ist ihr Wettkampf. Die Europameisterschaft ist
       vorerst ihr letzter internationaler Auftritt: „Nächstes Jahr ist die Schule
       dran.“
       
       1 Nov 2015
       
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