# taz.de -- Die Wahrheit: Die Neue am Herd
       
       > Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Heute darf sich die
       > Leserschaft an einem Poem über das Hochzeitspaar Poletto und Grube
       > erfreuen.
       
       Wer bislang nur ins Bordbistro
       
       vorm Lärm im Großraumwagen floh
       
       und höchstens Brezeln aus der Hand
       
       mobiler Serviceteams erstand –
       
       den mag der Klang von Hochzeitsglocken
       
       bald in den Speisewagen locken.
       
       Denn wenn Cornelia Poletto
       
       zum Bahnchef spricht: „Jawoll, perfetto!“,
       
       und der gerührt vom Zauberstab
       
       schon vor dem Amt sein Jawort gab,
       
       weiß jeder, der ab dann verreist,
       
       was das für Nudelfreunde heißt.
       
       Der Fernbus mag zwar billig sein,
       
       doch für ein Kochstudio zu klein.
       
       Das ist die Chance für die Bahn,
       
       die manche schon verloren sah’n,
       
       von Wettbewerbern abgehängt,
       
       in die das Volk sich klaglos zwängt.
       
       Wie anders wirkt da die Idee,
       
       wenn jeder zwölfte ICE,
       
       statt dass er sagt, wohin er reist,
       
       sein Angebot im Bistro preist.
       
       Auf dem Display vom Zuglaufschild
       
       steht das Menü ganz groß mit Bild.
       
       Wo die Poletto kocht und backt
       
       und selber die Schalotten hackt,
       
       wo sie, die Frischvermählte, brutzelt
       
       und Innerein ins Labskaus zuzelt,
       
       den Brandteig in die Röhre schiebt –
       
       das ist es, was der Kochfan liebt!
       
       „Spaghetti Fahrdraht à la Bahn“,
       
       die „Gleisbettpuffer kalt vegan“
       
       mit „Pommes Haltsignal knallrot“
       
       beziehungsweise Butterbrot,
       
       das wird den Gast durch langes Rösten
       
       grad bei Verspätungen vertrösten.
       
       Natürlich isst der Gatte mit
       
       als Hahn und Gockel im Beritt.
       
       Er sieht, wie es der Kundschaft schmeckt,
       
       die seinen Hochzeitszug entdeckt.
       
       Der ist zwar noch in Baden-Baden,
       
       dafür der Fernbus überladen.
       
       16 Jul 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reinhard Umbach
       
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