# taz.de -- Fußball-WM 2015 in Kanada: Kein bisschen Weltklasse
       
       > Was der Weltranglistenerste im Spiel gegen Thailand zeigt, ist grotesk.
       > Am Ende gewinnen die Deutschen dann trotzdem.
       
 (IMG) Bild: Hält souverän alle Bälle fest, die auf ihren Körper gedroschen werden: die thailändische Torfrau Waraporn Boonsing
       
       WINNIPEG taz | Die Ausgangssituation: Die letzte Runde der Gruppenphase
       beginnt. Das Spiel Deutschland-Thailand macht den Anfang. Die Deutschen
       sind nach dem 10:0-Sieg gegen WM-Neuling Elfenbeinküste und dem
       1:1-Unentschieden gegen Norwegen Gruppenerster. Allerdings punktgleich mit
       den Norwegerinnen, die gegen Thailand 4:0 gewannen. Thailand, ebenfalls
       WM-Neuling, liegt durch den 3:2-Sieg über die Elfenbeinküste auf dem
       dritten Platz. Auf dem Papier ist also für alle noch alles drin.
       
       Das Spiel: Bundestrainerin Silvia Neid stellt ein fast komplett anderes
       Team als in den ersten beiden Spielen der Deutschen auf. Für die bisherigen
       Stammspielerinnen Kemme, Bartusiak, Maier, Gößling, Popp, Laudehr und
       Mittag spielen Schmidt, Peter, Cramer, Behringer, Leupolz, Lotzen und
       Däbritz. In der ersten Halbzeit sieht das Spiel allerdings tatsächlich so
       aus wie das einer B-Elf. Die wild in der Gegend rumhüpfenden
       Thailänderinnen sollten eigentlich kein Hindernis für die
       Weltranglistenersten sein. Aus den zwei Thai-Kontern der ersten Halbzeit
       wird nichts, weil die Stürmerin Kanjana Sung-Ngoen so langsam ist, dass
       selbst die Linienrichterin, wäre sie mitgerannt, vor ihr das Tor erreicht
       hätte.
       
       Das Spiel findet bis auf die beiden Ausreißer komplett in der Hälfte der
       Thailänderinnen statt. Was der Weltranglistenerste da allerdings zeigt, ist
       grotesk. Technisch und physisch sind die Thailänderinnen heillos
       unterlegen. Aber die Deutschen kommen überhaupt nicht zusammen, lassen sich
       sogar in Zweikämpfen den Ball abnehmen. Zu zählen, wie viele deutliche
       Torchancen durch unkontrolliertes und nervöses Draufballern vergeben
       werden, wird zu viel. Das Kombinationsspiel, wenn es denn stattfindet,
       bleibt immer wieder fahrlässig an den eher zufällig im Weg stehenden
       Füßchen der Thailänderinnen hängen. Nicht mal das 1:0 in der 24. Minute
       durch Melanie Leupolz erlöst das deutsche Team aus seiner Verkrampftheit.
       
       Der entscheidende Moment: Die Spitzenwechsel in der Halbzeitpause. Lena
       Petermann und Anja Mittag kommen für die desolaten Torjägerinnen Célia
       Sasic und Dszenifer Maroszan ins Spiel. Die Deutschen brauchen zwar noch
       ein paar Minuten. Die WM-Debütantin Lena Petermann macht das Ding dann aber
       zu ihrem Spiel und köpft innerhalb von drei Minuten zwei Mal ins Tor.
       
       Besonders schön oder eindrucksvoll sind die Tore nicht und gegen die
       durchschnittlich 1,60 Meter kleinen Thailänderinnen eigentlich auch keine
       Kunst. Ein Spiel, in dem wenigstens ein bisschen Weltklasse zu sehen ist,
       hatte man aber sowieso nicht mehr erwartet. Die Tore Petermanns lösen
       immerhin ein paar angezogene Handbremsen beim Rest des Teams. Die Partie
       endet schließlich mit dem 4:0 durch Sara Daebritz, ebenfalls WM-Debütantin.
       
       ## Wuschig wuseln
       
       Die Spielerinnen des Spiels: Die thailändische Abwehr, einschließlich der
       kleinen Torfrau Waraporn Boonsing, die souverän alle Bälle, die auf ihren
       Körper gedroschen werden, festhält. Ein Bollwerk kann man die Abwehr nicht
       nennen. Aber in der ersten Halbzeit wuseln sie so sehr um jede deutsche
       Spielerin herum, dass diese ganz wuschig werden.
       
       Die Pfeife des Spiels: Dzsenifer Maroszan. In der 44. Minute angelt sie
       sich den Ball sehr elegant aus der Luft auf den Fuß und haut ihn dann aber,
       frei vorm Tor stehend, direkt auf die Torfrau. Wie viele Torchancen die als
       große junge Hoffnung gehandelte Spielerin in diesem Turnier bereits auf dem
       Fuß hatte, kann man kaum noch zählen.
       
       Die besondere Szene: Nach Abpfiff laufen die Thailänderinnen vor die
       Tribüne, klatschen und verneigen sich thailändisch vor dem Publikum.
       
       Schlussfolgerung: Deutschland steht im Achtelfinale. Gegen wen, entscheidet
       sich am Mittwoch. Als Gruppenerster spielen sie gegen einen der vier besten
       Drittplatzierten.
       
       Und sonst: Norwegen besiegt die Elfenbeinküste 3:1. Damit ist Norwegen
       ebenfalls weiter. Thailand aber muss bis Mittwoch warten, um zu wissen, ob
       sie als Drittplatzierte weiterkommen. In diesem Turnier hat mit den beiden
       Toren Neuseelands gegen China (2:2) jedes Team ein Tor geschossen. In der
       Gruppe A sind China und Kanada (1:1 gegen die Niederlande) weiter. Die
       Niederlande wissen ebenfalls erst am Mittwoch, ob sie nach Hause fahren
       müssen.
       
       16 Jun 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Doris Akrap
       
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