# taz.de -- Astronomie: Halt durch, Pluto!
       
       > Erst wurde Pluto vom Planeten zum "Zwergplaneten" degradiert. Nun ist er
       > nicht mal der Größte unter den Kleinen. Kein Grund zur Verzweiflung.
       
 (IMG) Bild: Abflug Cape Canaveral: 19.Januar 2006. Ankunft Pluto: 14. Juli 2015
       
       Nun auch das noch: Erst nahm ihm die Internationale Astronomische Union den
       Status eines Planeten weg und schickte ihn in die neu geschaffene zweite
       Liga der "Zwergplaneten". Zudem gilt nun als sicher, dass Pluto nicht
       einmal der größte unter diesen Zwerplaneten ist, wie bei der Degradierung
       im vergangenen Jahr noch angenommen worden war.
       
       Der kalifornische Astronomie-Professor Michael Brown und seine Schülerin
       Emily Schaller haben nämlich Dysnomia genauer unter die Lupe genommen, den
       Mond des Zwergplaneten Eris. Und anhand der Untersuchung von Dysnomias
       Kreisbahn konnte die Masse von Eris neu berechnet werden. Das am Donnerstag
       in der Zeitschrift "Science" veröffentlichte Ergebnis: Eris ist um 27
       Prozent größer als Pluto. "Das ist jetzt eine Art letztes Gefecht für
       Pluto", räumte Schaller ein.
       
       "Pluto" und Eris sind im Wesentlichen Zwillinge", erklärte Brown und fügte
       hinzu: "Mit dem Unterschied, dass Eris von beiden der etwas Plumpere ist."
       Bleibt noch zu erwähnen, dass Eris der Name der griechischen Göttin der
       Zwietracht ist. Da hatte Pluto von vornherein keine Chance - gleichwohl er
       immerhin nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt ist.
       
       Der Name des Herrschers der Unterwelt für diesen Himmelskörper wurde von
       Venetia Burney vorgeschlagen, einem Mädchen aus Oxford, das sich bereits im
       zarten Alter von 11 Jahren für klassische Mythologie interessierte - ihr
       Großvater hatte ihren Vorschlag so gut gefunden, dass er ihn über Umwege an
       das US-Institut weitergeleitet hatte, das den "Planeten" gerade geortet
       hatte. Dort war man begeistert.
       
       Pluto wurde am 18. Februar 1930 durch das Lowell-Observatorium in
       Flagstaff, Arizona entdeckt, allerdings nicht an genau der vorausgesagten
       Position. Der Name des jungen Entdeckers: Clyde Tombaugh. Der Marsforscher
       Percival Lowell hatte seit 1905 selbst nach einem solchen Himmelskörper
       gesucht und das Lowell-Observatorium auf einem Berg bei Flagstaff
       finanziert. Wie sich später herausstellte, war auf zwei der fotografischen
       Platten, die Lowell 1915 angefertigt hatte, Pluto bereits zu erkennen. Da
       Lowell aber nach einem viel helleren Objekt Ausschau hielt, war ihm diese
       Entdeckung entgangen.
       
       Die NASA plante bereits Anfang der 90er Jahre unter dem Namen "Pluto Kuiper
       Express" eine Mission zum Pluto, allerdings scheiterte das Unternehmen
       zunächst an technischen Schwierigkeiten und mangelnder Finanzierung. Im
       Jahr 2002 wurde sie durch die Mission "New Horizons" ersetzt. Ihr Start
       erfolgte am 19. Januar 2006. Die geplante Flugdauer beträgt etwa 9,5 Jahre,
       der Vorbeiflug an Pluto und Charon soll am 14. Juli 2005 stattfinden.
       
       Bis sich der arme, kleine, degradierte Pluto den neugierigen Blicken der
       Menschheit stellen muss, hat er also noch etwas Zeit. Auch, um
       Selbstbewusstsein zu gewinnen: Glaubte man den Erkenntnissen der
       Astrologie, dann wäre Pluto immerhin der "geistige Wille, die Kern- und
       Motivationskraft, die wandelnd auf das Ich-Bild einwirkt". Zudem zeigt
       demnach Pluto "die Kraft aus den Tiefen, die mächtig und konzentriert
       fließt."
       
       15 Jun 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Reichert
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Astronomie
       
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