# taz.de -- die wahrheit: Der Papst und die Hanutas
       
       > Manchmal hat man das Gefühl, dem Papst macht es richtig Spaß, Papst zu
       > sein. Dann steht der alte Zausel mitten in seiner verrauchten
       > Druidenküche...
       
 (IMG) Bild: Na, Schnittchen dabei?
       
       Manchmal hat man das Gefühl, dem Papst macht es richtig Spaß, Papst zu
       sein. Dann steht der alte Zausel mitten in seiner verrauchten Druidenküche
       und rührt mit der Riesenschöpfkelle im großen dampfenden Kessel voller
       Zaubertrank, der bei Protestanten Warzenbefall und Schweißausbrüche auslöst
       und Katholiken schier wahnsinnig werden lässt vor Begeisterung darüber,
       dass die Messe wieder in lateinischer Sprache gelesen werden darf und die
       Protestanten keine Kirche haben: "Katzendreck und Spinnenbein, / Alles in
       den Topf hinein, / Schnell noch einmal umgerührt, / Und alle an der Nas
       geführt!"
       
       Und wer ist schuld an dem ganzen Schlamassel: wir. Die Wahrheit. In der
       vergangenen Woche berichtete ich an dieser Stelle von unseren erfundenen
       Papst-Anekdoten: dass Benedikt XVI. zum Beispiel gern Hanutas isst und
       ähnliche Geschichten.
       
       Jetzt schrieb mir der Verleger eines Buchs, in dem sich elf
       Wahrheit-Anekdoten wiederfanden, dass es nicht sein könne, dass wir uns
       diese Anekdoten ausgedacht hätten. Er habe "dem Heiligen Vater alle
       Anekdoten des Buches persönlich vorgelegt. Er hat sich darüber köstlich
       amüsiert und keinerlei Anzeichen gegeben, dass einige von ihnen fiktional
       sein könnten."
       
       Daraus ergeben sich drei Möglichkeiten: Entweder der Papst ist mittlerweile
       völlig senil und kann Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr
       auseinanderhalten. Oder der Unfehlbare ist enorm clever und hat das
       Ewigkeitspotenzial der Anekdoten erkannt, dass nämlich sein wirkliches
       Leben so langweilig ist, dass es gegen unsere komischen Erzählungen gar
       nicht bestehen kann. Also folgt er lieber der Erkenntnis Arno Schmidts,
       dass die Wirklichkeit sowieso nur in der Literatur stattfindet, und
       amüsiert sich köstlich über seinen Coup.
       
       Oder die Anekdoten sind tatsächlich wahr. Wir, die Wahrheit-Autoren, sind
       im Auftrag des Herrn unterwegs - beziehungsweise: Wir sind Gott! Wir haben
       uns die Anekdoten gar nicht ausgedacht, wir lenken vielmehr den guten
       Ratzinger schon lange auf seinem Lebensweg bis hin ins Amt des Pontifex.
       
       Das ist die einzige schlüssige Erklärung. Man muss sich nur die
       Folgeschäden im real existierenden Katholizismus ansehen. So sind, wie wir
       jetzt erfuhren, im vergangenen Jahr in Regensburg Ministranten durch die
       Straßen gelaufen und haben Hanutas an Passanten verteilt, weil sie gelesen
       hatten, dass die Haselnusstafeln "die Lieblingssüßigkeit des Heiligen
       Vaters" seien. So entstehen Religionen.
       
       Wenn sich dereinst Archäologen oder Religionsforscher wundern, warum in
       katholischen Kirchen statt Oblaten Hanutas gereicht werden, dann sind wir
       es gewesen, die diesen schmackhaften Wechsel ermöglichten. Denn die
       Wahrheit, also Gott sprach: "Der Leib Christi solle fortan bestehen aus
       Schokoladenwaffeln mit Haselnussstückchen, die 6,8 Gramm Fett, 10,5 Gramm
       Kohlenhydrate und 1,9 Gramm Proteine in sich tragen. Amen."
       
       Apropos Amen. Das allerletzte Wort in der Anekdoten-Geschichte ist
       hoffentlich noch nicht gesprochen. Wir erwarten selbstverständlich von der
       Firma Ferrero eine größere Menge Hanutas als Gegenleistung dafür, dass wir
       die Schokowaffeln zum unverzichtbaren Element des katholischen Ritus
       gemacht haben.
       
       13 Jul 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Ringel
       
       ## TAGS
       
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