# taz.de -- Lebensmittelpreise: "Gegen die Geiz-ist-geil-Mentalität"
       
       > Lebensmittel sollten nach ihrem Wert bezahlt werden, findet
       > Slow-Food-Sprecher Ulrich Rosenbaum.
       
 (IMG) Bild: Preissteigerungen von bis zu 50 Prozten für ihren Eutersaft.
       
       taz: Herr Rosenbaum, halten Sie Preissteigerungen bei Butter, Käse und
       Milch für gerechtfertigt?
       
       Ulrich Rosenbaum: Die Slow-Food-Bewegung tritt ein für gute, saubere und
       faire Produkte. Und fair bedeutet: Die Produzentin und der Produzent - ob
       Landwirt oder Handwerker - soll einen gerechten Preis für ihre und seine
       Ware bekommen. Wie wenden uns gegen die "Geiz-ist-geil"-Mentalität der
       Deutschen, das heißt: in erster Linie darauf zu achten, ob Lebensmittel
       billig sind. Sollten Lebensmittel tatsächlich teurer werden und Discounter
       nicht gleich wieder versuchen, den Preis zu unterbieten, könnte das dazu
       führen, dass Konsumentinnen und Konsumenten wieder mehr auf Qualität
       achten.
       
       Ist das nicht sehr elitär? Was ist mit jenen, die wenig Geld in der Tasche
       haben? 
       
       Diese Frage muss anders als über Lebensmittelpreise gelöst werden. Und
       natürlich gilt das mit dem fairen Lohn für alle, also auch für
       Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Was diejenigen betrifft, die auf
       Sozialtransfers angewiesen sind, so muss das über die Sozialpolitik gelöst
       werden.
       
       Das klingt aber sehr einfach... 
       
       Es ist auch eine Tatsache, dass über Jahrzehnte in der EU
       Subventionspolitik betrieben wurde. Die hat vieles zerstört, zum Beispiel
       den Umgang mit Lebensmitteln. Wenn weniger Subventionen fließen würden,
       gäbe es auf staatlicher Seite mehr Geld für Transferzahlungen und
       Sozialleistungen. Das wäre ein ehrlicherer Umgang für alle Beteiligten und
       für die Lebensmittel.
       
       Was kritisieren Sie denn am Umgang mit Lebensmitteln? 
       
       Wir produzieren in der EU ja viel mehr Lebensmittel, als wir brauchen. Es
       wird jede Menge vernichtet. Sollten die Preise für Lebensmittel tatsächlich
       steigen, könnte das vielleicht zu einem bewussteren Umgang damit führen.
       Wie oft werden drei Joghurts im Aktionspack gekauft, von dem dann eines
       weggeworfen wird. Wir sollten uns auf die Einstellung früherer Generationen
       rückbesinnen: Lebensmittel sollten nicht weggeworfen, sondern nach Bedarf
       gekauft werden. Dann bleibt auch mehr Geld in der Tasche übrig.
       
       Führen höhere Preise automatisch zu einer besseren Qualität? 
       
       Das kann man nur hoffen. Andernfalls würde die Verbraucherin und der
       Verbraucher nicht einsehen, weshalb man mehr für Lebensmittel zahlen
       sollte.
       
       30 Jul 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christine Zeiner
       
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