# taz.de -- Kommentar: Sehnsucht nach Jubel-Sport
> Auch Fußballer dopen - sie werden nur nicht so gründlich kontrolliert wie
> Radfahrer. Nach der Tour de France gilt es, bei allen Sportlern genauer
> hinzusehen. Und konsequenter zu reagieren.
Sport-Junkies können aufatmen: Die sportfreie Zeit zwischen Tour de France
und Bundesliga-Saisonstart ist überstanden. Nun gibt es endlich wieder
Fußballteams, die man bejubeln oder beschimpfen kann. Der kritische Blick
bleibt dabei meist auf Fragen wie Spielereinkäufe, Trainerentscheidungen
und grobe Fouls auf dem Rasen beschränkt. Das Thema Doping scheint im
Fußball keine Rolle zu spielen.
Aber ist dieser Eindruck berechtigt? Selbst wenn die Herren vom Deutschen
Fußball-Bund und altgediente Trainer wie Otto Rehhagel das Gegenteil
behaupten: Auch im Fußball ist Doping nicht nutzlos. Es gibt keine Sportart
- vor allem nicht, wenn sie professionell betrieben wird -, die der
Verführung widerstehen könnte, durch unerlaubte Mittel die Leistung zu
steigern. Spätestens nach dieser Tour de France sollte das jedem Zuschauer,
jedem Fan und auch allen Funktionären klar sein. Und: Auch im Fußball gibt
es nachgewiesene Dopingfälle. Dass es verhältnismäßig wenige sind, liegt
nicht an der weißen Weste der Kicker. Sondern am grobmaschigen
Kontrollnetz.
Vielleicht sollte man den Start der diesjährigen Bundesligasaison deshalb
mit etwas weniger Euphorie feiern als in den Jahren zuvor. Womöglich wird
sich in Zukunft mancher Fußballfan daran gewöhnen müssen, dass "sein" Sport
nicht nur Helden, sondern auch negative Schlagzeilen gebiert.
ARD und ZDF haben vorgemacht, wie man mit dopingverseuchtem Sport umzugehen
hat - sie haben die Tour einfach abgeschaltet. Dass beim ersten, zweiten
oder dritten Dopingfall in der Bundesliga plötzlich kein Spiel mehr
übertragen und statt der "Sportschau" die "Lindenstraße" gesendet wird -
dieses Szenario ist zwar höchst unwahrscheinlich. Aber die
Sportberichterstattung muss kritischer, hintergründiger, konsequenter
werden. So manchen Fans wird das nicht schmecken. Ja, es könnte sogar die
Sehnsucht schüren nach dem Jubel-Sport-Entertainment, das man von den
Fußballplätzen, aus den Schwimmhallen und den Leichtathletikstadien bislang
gewöhnt war. Doch mit diesen Entzugserscheinungen muss man leben. Es gibt
im Leistungs- und Profisport kein Zurück zum unschuldigen Blick von einst.
9 Aug 2007
## AUTOREN
(DIR) Jutta Heeß
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stellt sich die Frage, welche Rolle Doping im Fußball spielt.
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