# taz.de -- Kommentar: Unterschätzte Risiken
       
       > Zum zweiten Mal in zehn Jahren erleidet die Börse einen unsanften
       > Frontalcrash. Kein Wunder bei den wahnwitzigen Kurssteigerungen der
       > letzten Zeit.
       
 (IMG) Bild: Trotz Handelsbeschränkungen rutschten die Kurse der New Yorker Börse weiter ab
       
       Blase? Welche Blase? So hatte es zur Jahrtausendwende geheißen, wenn sich
       damals jemand über die wahnwitzigen Kurssteigerungen an den Aktienmärkten
       wunderte. Die "New Economy" habe die alten Gesetze der Ökonomie
       hinweggefegt, so dass etwa ein realistisches Verhältnis von Aktienkursen zu
       tatsächlichen Unternehmensgewinnen gar keine Rolle mehr spiele. Die
       New-Economy-Gläubigen wurden recht unsanft in die Wirklichkeit
       zurückbefördert. Aus der geplatzten Internet-Blase haben sie gelernt. Der
       Boom dieser Tage, beteuern die Finanzexperten, hängt nicht nur von einer
       Branche ab. Zudem machen die Unternehmen nicht nur hypothetische, sondern
       reale Gewinne. Und die rechtfertigen hohe Kurse.
       
       Risiko? Welches Risiko?, hatte es also bis vor kurzem noch geheißen, wenn
       sich trotzdem jemand über die Kreditschwemme auf den Weltfinanzmärkten
       wunderte. Schließlich sei eine Ära völlig neuartigen Risikomanagements
       angebrochen. Die Banken haben die Schuldscheine nämlich nicht mehr in ihren
       eigenen Büchern behalten, sondern samt den damit verbundenen Risiken gleich
       weiterverkauft, gerne auch an Hedge-Fonds. Dadurch seien die Risiken so
       breit gestreut, dass eigentlich nichts mehr schiefgehen könne, und die
       früher üblichen Risikoaufschläge seien überholt.
       
       Billiges Geld gab es also im Überfluss. Geld, das seinen Weg auch an die
       Börsen fand und dort die Kurse nach oben trieb. Wer angesichts dessen vor
       einer Liquiditätsblase warnte, galt als Spielverderber. Wer eine
       Regulierung der Hedge-Fonds oder wenigstens Transparenz über die Geldanlage
       einforderte, noch viel mehr. Dass die Notenbanken schon länger vor den
       Risiken warnten, die solch intransparente Finanzmärkte darstellen - egal.
       Jetzt müssen sie hektische Notoperationen durchführen, deren Erfolg
       unsicher ist.
       
       Anscheinend gibt es nur eine Art, wie Spekulanten lernen: auf die harte
       Tour. Man möchte ihnen das Ende der Sause fast gönnen. Wäre da nicht der
       leidige Nebeneffekt, dass eine Finanzkrise meist auch die reale Wirtschaft
       mit nach unten reißt. Das trifft dann nicht die Spekulanten, sondern in
       erster Linie diejenigen, die noch nie Geld zum Anlegen an der Börse hatten.
       
       10 Aug 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nicola Liebert
       
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