# taz.de -- Kommentar: Klimaschutz reicht nicht
       
       > Die mediale Allgegenwart des Klimawandels verdrängt das Problem der
       > Feinstaubbelastung aus der Öffentlichkeit. Dabei tut hier eine
       > restriktivere Politik not.
       
       Der Klimawandel ist zum Mainstreamthema geworden. Politiker und
       Vorstandsvorsitzende versuchen sich mit dem früher so ungeliebeten
       Umweltthema zu profilieren. Nahezu jeder Verband sucht einen Dreh, um seine
       Themen mit einem Klimaschutzmäntelchen zu versehen, sogar Banken werben mit
       der globalen Erwärmung für Kredite und Geldanlagen. Vielleicht ist das
       tatsächlich eine Chance, dass am Ende tatsächlich mehr Menschen für den
       Umweltschutz aktiv werden.
       
       Allerdings verdrängt die mediale Allgegenwart des Klimawandels andere
       umweltpolitische Themen aus der Öffentlichkeit. Etwa die Belastungen durch
       Feinstaub in den Städten. Grenzwerte überschritten, Aktionspläne der
       Kommunen, Umweltzonen und Fahrverbote - alles Aufregerthemen des
       vergangenen Sommers. Und heute? Weiterhin liegt die Belastung durch den
       schädlichen Staub in vielen Städten weit über den EU-Vorgaben, Umweltzonen
       gibt es frühestens 2008, und die Nachfrage nach Filtern für die Umrüstung
       älterer Fahrzeuge dümpelt vor sich hin.
       
       Allerdings ist Feinstaub auch ein undankbareres Thema als der Klimawandel.
       Bei der globalen Erwärmung sind die Szenarien beeindruckend, die konkreten
       Auswirkungen auf unseren Alltag bleiben noch gering. Die Lösungsansätze
       verheißen neue Märkte für deutsche Technologie. Und wenn Fernseher weniger
       Strom verbrauchen und die Häuser besser gedämmt sind, lohnt sich der
       Klimawandel am Ende sogar für unseren Geldbeutel. Der Kampf gegen den
       Feinstaub hingegen kostet - entweder Geld für Filteranlagen oder Freiheiten
       des Autofahrers, der demnächst möglicherweise nicht mehr in die Innenstadt
       fahren kann.
       
       Verbote, Mehrkosten - das ist nichts für Politiker, die wiedergewählt
       werden wollen. Doch ohne solche Maßnahmen wird der Feinstaub in den Städten
       bleiben. Und wer glaubt, sich mit Klimawandel besser profilieren zu können,
       sei gewarnt. Auch hier dürfte die Zeit des schönen Redens bald vorbei sein.
       Wer es ernst meint, wird um eine restriktive Politik nicht herumkommen.
       Beim Klimaschutz und beim Feinstaub.
       
       16 Aug 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stephan Kosch
       
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 (DIR) Dieselruß: Kein Fahrverbot trotz Feinstaubplage
       
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