# taz.de -- Sachsen LB: Im US-Immobilienstrudel
       
       > Mit der sächsischen Landesbank muss jetzt zum zweiten Mal eine deutsche
       > Bank gestützt werden, weil sie sich mit US-Hypotheken verspekulierte.
       
 (IMG) Bild: In den Sog der US-Hypothekenkrise geraten
       
       Die Leichen der US-Immobilienkrise finden sich nun auch im Keller der
       sächsischen Landesbank Sachsen LB. Um ihre Liquidität zu sichern, hat ein
       Pool von Sparkassen und Landesbanken der einzigen ostdeutschen Landesbank
       einen Kreditrahmen von 17,3 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Die
       Sparkassen erhielten dafür eine Garantieerklärung des Freistaats Sachsen.
       
       "Die Bonität der Sachsen LB ist damit gegeben", verkündete die Bank, räumte
       allerdings ein, dass das Jahresergebnis dadurch geringer ausfallen wird.
       Noch vor zwei Tagen hatte sie jeglichen Interventionsbedarf bestritten.
       
       Die Sachsen LB hatte sich - genau wie zuvor die IKB - mit
       US-Immobilienkrediten verspekuliert. Sie betrieb dafür über eine in Irland
       ansässige Tochter ein Investment-Vehikel namens Ormond Quay. Weil im Sog
       der US-Hypothekenkrise die Geldgeber extrem zurückhaltend geworden sind,
       konnte sich Ormond Quay nicht mehr ausreichend kurzfristige Kredite zur
       Gegenfinanzierung seiner Hypothekendeals beschaffen. Dadurch geriet die
       Kreditwürdigkeit des gesamten Finanzinstituts in Gefahr. Der
       Beistandskredit deckt nun den Gesamtwert von Ormond Quay ab. Wie viel davon
       tatsächlich abgeschrieben werden muss, ist nicht bekannt. Die im Spiegel
       genannten 500 Millionen Euro kommentierte ein Banksprecher mit "Unsinn."
       Der Freistaat Sachsen hat nun die Garantie für eine Summe übernommen, die
       höher ist als der gesamte sächsische Jahreshaushalt. Sachsens
       Finanzminister Horst Metz (CDU) lobte jedoch, dass durch die Kreditlinie
       der Sparkassen "eine nachhaltige Sicherstellung der Liquidität ohne
       Inanspruchnahme von Haushaltsmitteln erreicht" werde.
       
       Der finanzpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Mathias Rößler,
       räumte gegenüber der taz jedoch gewisse Risiken ein. Zwar wurde auf
       Betreiben der EU-Wettbewerbsbehörde die automatische Haftung der Länder für
       ihre Landesbanken abgeschafft. Für vor 2005 getätigte Geschäfte bestehe die
       öffentliche Gewährträgerhaftung aber fort - und damit auch für die 2004
       gegründete Ormond Quay.
       
       SPD-Wirtschaftsexperte Karl Nolle fragt sich, "ob es eigentlich Aufgabe
       einer öffentlich-rechtlichen Bank ist, mit dem Geld der Steuerzahler und
       der kleinen Sparkassenkunden zu pokern". Die riskanten Wertpapiergeschäfte
       hatten bereits im laufenden Untersuchungsausschuss im Dresdner Landtag eine
       Rolle gespielt.
       
       Noch in dieser Woche will der Finanzausschuss des Sächsischen Landtags zu
       einer Sondersitzung zusammentreten. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen,
       Antje Hermenau, gibt dem aber nur geringe Einflusschancen, da die Sachsen
       LB noch kurz vor der Sommerpause privatisiert wurde.
       
       Inzwischen musste auch die Sparkasse KölnBonn ein Engagement am
       US-Hypothekenmarkt zugeben, ohne aber konkrete Summen zu nennen. In den USA
       forderte die Krise weitere Opfer: Der Fondsanbieter Sentinel ging in
       Konkurs, die Hypothekenbank Novastar entlässt ein Drittel der Belegschaft.
       
       19 Aug 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Bartsch
 (DIR) Nicola Liebert
       
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