# taz.de -- Bankenfusion: Landesbanken im Sonderangebot
       
       > Die Mehrheit der WestLB-Eigentümer stimmt für eine Fusion mit der LBBW.
       > Auch die Stuttgarter wären dazu bereit. Doch aus der Politik gibt es
       > starken Widerstand.
       
 (IMG) Bild: Opfer der US-Hypothekenkrise - die WestLB.
       
       BERLIN taz Nach der Übernahme der Sachsen LB durch die Landesbank
       Baden-Württemberg (LBBW) stehen dem deutschen Bankensektor weitere
       Zusammenschlüsse bevor: Die Eigentümer der nordrhein-westfälischen WestLB
       plädieren in ihrer Mehrheit auch für eine Fusion ihrer Bank mit der LBBW.
       
       Am Dienstag sprach sich der Westfälisch-Lippische Sparkassenverband auf
       einer Sonderversammlung einstimmig für eine schnelle Aufnahme der
       Verhandlungen aus. Die Fusion sei der "vorzugswürdige Weg", heißt es in dem
       Beschluss. Bereits am Montag hatte der Rheinische Sparkassenverband das
       Gleiche beschlossen. Gemeinsam halten die beiden Verbände die Mehrheit an
       der WestLB.
       
       Damit gerät die nordrhein-westfälische Landesregierung unter Druck, selbst
       zu einer Entscheidung zu kommen. Das Land hält 38 Prozent der Anteile an
       der WestLB. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) befürchtet, dass eine
       Fusion mit der weit größeren LBBW den Finanzplatz Düsseldorf schwächen und
       Jobs vernichten würde. Bislang spielt das bevölkerungsstärkste deutsche
       Bundesland daher auf Zeit. Eine Investmentbank soll zunächst alle möglichen
       Optionen für die WestLB prüfen.
       
       Doch dieser Plan könnte von den aktuellen Entwicklungen dieser Woche
       überholt werden. Am Donnerstag wird die WestLB ihre Halbjahreszahlen
       veröffentlichen. Dann muss sie voraussichtlich den Sturz in die Verlustzone
       vermelden: Nach Informationen der Berliner Zeitung hat die Bank durch
       riskante Eigenhandelsgeschäfte mehr als 500 Millionen Euro verloren. Schuld
       sind verzockte Wetten auf die Kursentwicklung von Stamm- und Vorzugsaktien
       von Volkswagen, Metro und BMW.
       
       Dazu kam die US-Hypothekenkrise: Auch die WestLB ist über eine ausgelagerte
       Gesellschaft an Risikokrediten beteiligt. Aus der einst mächtigsten
       Landesbank wird so ein Übernahmekandidat. Sollten sich die erwarteten
       Verluste am Donnerstag bestätigen, dürfte die WestLB weiter an Wert
       verlieren.
       
       Die Stuttgarter LBBW sieht sich dagegen gut gerüstet für einen
       Zusammenschluss mit der WestLB. "Wir werden auch künftig die Überlegungen
       zu einem möglichen Zusammengehen der LBBW mit der WestLB konstruktiv
       begleiten", sagte LBBW-Chef Siegfried Jaschinski am Dienstag bei der
       Vorstellung der Halbjahreszahlen in Stuttgart. Von der Krise auf dem
       US-Hypothekenmarkt sieht sich die LBBW kaum betroffen. Der Anteil
       entsprechender Papiere am Geschäftsvolumen sei dank einer konservativen
       Risikopolitik minimal.
       
       In den ersten sechs Monaten des Jahres konnten die Stuttgarter den
       Konzernüberschuss um 21,9 Prozent auf 473 Millionen Euro steigern. Damit
       ist der Gewinn nach Steuern bei der LBBW deutlich höher als der Kaufpreis
       von 300 Millionen Euro, den das Institut für die Sachsen LB bezahlen will.
       Aus dieser "starken Wettbewerbsposition" heraus will sich Jaschinski jetzt
       um die "weitere Entwicklung und Konsolidierung der Bankenlandschaft"
       kümmern."
       
       Das Land Baden-Württemberg als ein Haupteigentümer der LBBW zeigt sich
       grundsätzlich offen für eine Fusion mit der WestLB. Finanzminster Gerhard
       Stratthaus (CDU) will jedoch erst dann verhandeln, wenn sich die Eigentümer
       der WestLB über ihren zukünftigen Kurs einig seien.
       
       Unterdessen wurde der Ruf nach politischen Konsequenzen angesichts des
       Geschäftsgebarens einzelner Landesbanken lauter. Der SPD-Finanzpolitiker
       Reinhard Schultz forderte, den Handlungsspielraum öffentlich-rechtlicher
       Banken stärker zu begrenzen. "Es ist nicht ihre Aufgabe, im Ausland
       spekulative Geschäfte zu betreiben." Auch die Gewerkschaft Ver.di
       kritisierte das Engagement der Landesbanken am US-Hypothekenmarkt.
       
       Nach bisherigem Stand sind Landesbanken weit stärker in riskante
       Kreditgeschäfte verwickelt als Privatbanken. Die ursprüngliche Funktion der
       Landesbanken war, in ihrer jeweiligen Region Sparkassen zu unterstützen und
       Mittelständler mit Krediten zu versorgen.
       
       28 Aug 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nikolai Fichtner
       
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