# taz.de -- Kreaturen, die die Welt nicht braucht (8): Die nackten Schleimer
       
       > Biodiversität ist wichtig. Die Spanische Wegschnecke ist trotzdem eine
       > bittere Plage.
       
 (IMG) Bild: In diesem Jahr Hassobjekt aller Hobbygärtner: die Spanische Wegschnecke.
       
       BERLIN taz Wer die Spanische Wegschnecke einmal mit bloßen Fingern
       angefasst hat, vergisst sie so schnell nicht wieder. Die rotbraune
       Nacktschnecke, die bis zu 18 Zentimeter lang werden kann, sondert einen
       extrem klebrigen Schleim ab, der sich nur mit viel Mühe entfernen lässt.
       
       Das Weichtier fällt am liebsten über zartes, junges Gemüse und Blättchen
       her; über Nacht kann sie mit ihren Artgenossen ganze Beete kahlfressen. In
       diesem Jahr ist die Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus) zu einer
       besonderen Plage geworden. Grund ist der milde Winter, in dem nur wenige
       Tiere erfroren sind, und der verregnete, warme Sommer - Schnecken brauchen
       Feuchtigkeit. In England sollen bis zu tausend Exemplare pro Quadratmeter
       gefunden worden sein, auch in Dänemark klagen Kleingärtner über die
       Invasion der Schnecken.
       
       Das Problem: Die Spanische Wegschnecke ist in den 1960er-Jahren durch
       Gemüsetransporte nach Deutschland gekommen und hat als eingeschleppte Art
       kaum natürliche Feinde. Da müssen die Gärtner selber ran: Zäune, Gitter,
       Kalk, Gift - alles wird versucht, um die Tiere aus den Beeten zu halten.
       Karla Paliege vom Berliner Naturschutzbund warnt vor Panikmache: "Das
       chemische Gift im Schneckenkorn richtet viel mehr Schaden an als Nutzen."
       Denn es töte auch andere Gartenbewohner.
       
       Die aufwändigste, aber sicherste Bekämpfungsmethode ist laut einem
       Faltblatt des baden-württembergischen Landesamtes für Pflanzenschutz das
       Absammeln. Am besten soll man die Schnecken in den Abend- und frühen
       Morgenstunden oder an Regentagen auflesen.
       
       Was aber tut man mit den gesammelten Schleimern? Die Pflanzenschützer
       empfehlen: "Viele Gärtner bringen die gesammelten Tiere in ein naturnahes
       Gelände wie Wald, Wiese, Fluss- oder Bachböschung oder teilen sie mit dem
       Messer oder Schere durch und werfen sie auf den Kompost."
       
       So können Gemüseliebhaber und Schneckenhasser ihre sadistischen Triebe im
       Garten ausleben. Für eine kulinarische Verwendung eignen sich die
       muskulösen, eiweißreichen Tiere aber nicht. Während andere Schnecken als
       Köstlichkeit gelten, ist die Spanische Wegschnecke nicht einmal zu Tisch zu
       gebrauchen: Schneckenkenner beschreiben sie als sehr bitter.
       
       RICHARD ROTHER
       
       27 Aug 2007
       
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 (DIR) Richard Rother
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