# taz.de -- Bildung: Anne Frank als Lebenshelfer für Teenies
> Die pädagogische Begleitung der Ausstellung "Anne Frank. hier & heute" in
> Mitte hilft Jugendlichen, Geschichte und Gegenwart zu verbinden.
(IMG) Bild: Ein Vorbild auch für heutige Jugendliche: Die von den Nazis ermordete Anne Frank 1942
Das Tagebuch der Anne Frank ist vor allem die Dokumentation einer
Persönlichkeit. Und die ist auch ein Vorbild für den Einzelnen und ihre
Lebensumstände ein Abbild der Zeit, sagen die Kuratoren der Ausstellung
"Anne Frank. hier & heute", die seit einem knappen Jahr im
Anne-Frank-Zentrum (AFZ) neben den Hackeschen Höfen gezeigt wird.
Dort begleiten studentische Führer Jugendgruppen mit maximal 15 Personen
durch die Ausstellung, um sie von der Aktualität der Geschichte dieses
jüdischen Mädchens zu überzeugen. Dass das hervorragend funktioniert,
beweist eine Evaluierung der pädagogischen Ausstellungsbegleitung, die im
Februar 2007 begann und am Dienstag auf einer Tagung vorgestellt wurde.
Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Die Linke) eröffnete die Veranstaltung.
Dabei betonte sie, dass der Senat die Arbeit des AFZ unterstütze, "in dem
Maße, in dem sich das eine Pleitestadt wie Berlin leisten kann". Das
Zentrum biete eine gute Gelegenheit, "Geschichte und die aktuellen Fragen
der Gegenwart miteinander zu verbinden", so die Senatorin, die insbesondere
die Aufklärungsarbeit der Einrichtung gegen rassistisches und
antisemitisches Denken würdigte.
Laut Thomas Heppener, dem Leiter des AFZ, haben seit der Eröffnung knapp
20.000 Besucher die Ausstellung gesehen. Ein knappes Drittel davon seien
Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 18 Jahren gewesen, die in
insgesamt 435 Kleingruppen das pädagogische Angebot in Anspruch nahmen.
Zwei Stunden dauert das Begleitprogramm. Die Jugendlichen bekommen dabei
einen oder mehrere Arbeitsaufträge, mit denen sie die Ausstellung auch
eigenständig erkunden. Dabei stellen sie Fragen an die Lebensgeschichte von
Anne Frank wie auch an die historischen Umstände, erklärt Heppener.
Für viele junge Menschen sei die Lektüre des Tagebuchs der Anne Frank die
erste Berührung mit der Zeit des Nationalsozialismus, sagte die
pädagogische Mitarbeiterin des Zentrums, Julia Franz. Doch wer nur die
Geschichte der Anne Frank kenne, wisse wenig über die Judenverfolgung, noch
weniger über den Zweiten Weltkrieg und gar nichts über Vernichtung und
Konzentrationslager.
Deshalb beginnt die Ausstellung mit einer doppelten Zeitleiste: In einem
langen Schlauch hängen an der linken Wand persönliche Fotografien von Anne
Frank und den Stationen ihres Lebens - von der Geburt im Juni 1929 bis zu
ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen im März 1945. Auf der
gegenüberliegenden Seite sind Fotodokumente ausgestellt, die die Biografie
der Anne Frank in den Kontext der damaligen Ereignisse stellen.
Für den zweiten Teil der Ausstellung wurde ein Raum mit sogenannten
Gedankeninseln eingerichtet. Per Video- und Tonbandaufnahmen berichten auf
diesen Inseln fünf Berliner Jugendliche über ihre Einstellungen zu Themen
wie Eigenständigkeit, Mut, Krieg und Zukunftsträume.
26 Sep 2007
## AUTOREN
(DIR) Sven Behrisch
## TAGS
(DIR) Anne Frank
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