# taz.de -- Kampf gegen Rechts: Uniform-Verbot für Nazinachwuchs
> Der Bundesinnenminister untersagt der Heimattreuen Deutschen Jugend ihre
> Uniformen. Damit rückt ein Verbot näher. Experten halten die HDJ für
> Nachfolger der verbotenen Wiking-Jugend.
(IMG) Bild: Sie werden leider bleiben. Doch künftig sind immerhin die Vereinsuniformen der Heimattreuen Deutschen Jugend verboten.
Für die Kinderstube deutscher Neonazis wird es eng. Das
Bundesinnenministerium hat der paramilitärischen Nachwuchsorganisation
Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) ihre Uniformen verboten. Dies bestätigte
eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums der taz. Auch die Justiz
ermittelt. Damit rückt ein Verbot der rechtsextremen Truppe immer näher.
Rechtsextremismusexperten wie der Politikwissenschaftler Gideon Botsch vom
Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum drängen auf diesen Schritt. "Das
Bundesministerium sollte ernsthaft prüfen, die HDJ zu verbieten", sagte
Botsch der taz. Es gebe nämlich Anhaltspunkte dafür, dass der Verein ein
Nachfolger der Wiking-Jugend ist. Die hat das Bundesinnenministerium 1994
"wegen ihrer Wesensverwandtschaft mit der NSDAP und der Hitler-Jugend"
verboten, ebenso die Bildung von Ersatzorganisationen.
Die HDJ erzieht Kinder und Jugendliche in Zeltlagern mit militärischem
Drill und ideologischer Schulung zu strammen Neonazis. Mehrere Männer der
Organisation waren Anfang Juni als "Einheit Preußen" in Vereinsuniform
durch die Kleinstadt Oranienburg in Brandenburg marschiert. Auch ranghohe
NPD- Funktionäre machen bei der HDJ mit. Nach Angaben des Berliner
Verfassungsschutzes hat der Verein 100 Mitglieder. In den Camps kommen -
wie beim Pfingsttreffen 2006 - bis zu 350 Personen, vor allem
Minderjährige, zusammen.
Trotzdem weigerte sich das Bundesinnenministerium bis zum Juni dieses
Jahres, für die HDJ zuständig zu sein. Begründung: Der Verein sei formal
bundesweit nicht aktiv. Nun rudert das Schäuble-Ressort zurück. Zu keiner
Zeit sei eine Zuständigkeit für die HDJ in Abrede gestellt worden. Der
Verein sei über ein Bundesland hinaus tätig.
Offenbar hatte das Ministerium Anlaufschwierigkeiten. "Ich habe den
Eindruck, dass die HDJ von vielen Beobachtern unterschätzt worden ist",
erklärt Politologe Botsch. Die Organisation hat jedoch selbst dafür
gesorgt, dass sich dies geändert hat.
Mitte September gab es Hausdurchsuchungen in Berlin, Dresden und
Oranienburg. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin wirft neun Neonazis wegen des
Oranienburger Aufmarschs vor, gegen das Uniformverbot verstoßen zu haben.
Das Versammlungsgesetz verbietet es, öffentlich Uniformen "als Ausdruck
einer gemeinsamen politischen Gesinnung zu tragen".
Die HDJ versuchte dies zu umgehen, indem sie sich auf einen Zusatz für
Verbände berief, "die sich vorwiegend der Jugendpflege widmen" - wie
beispielsweise die Pfadfinder. Als die Heimattreuen eine
Ausnahmegenehmigung vom Uniformverbot beantragten, versagte ihnen dies das
Bundesinnenministerium. "Die Anträge der HDJ sind abgelehnt worden, weil
eine Gesamtschau der Aktivitäten ergibt, dass die politische gegenüber der
jugendpflegerischen Betätigung überwiegt", sagte Sprecherin Gabriele
Hermani der taz. Die Entscheidung ist laut Hermani noch nicht
rechtskräftig, die HDJ kann dagegen klagen.
Weil die Situation noch unsicher ist, scheut das Innenministerium klare
Aussage zu einem möglichen Verbot. Experten glauben, dass das Ministerium
die eigene Strategie gegen die Uniformtruppe nicht gefährden will. Doch der
politische Druck auf das Schäuble-Ministerium wächst. So fordert auch
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) ein Verfahren gegen die HDJ. Für
die NPD wäre das ein schwerer Schlag, weil "wir ihr den Nachwuchs
verbieten".
12 Oct 2007
## AUTOREN
(DIR) Alexander Fröhlich
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