# taz.de -- Kommentar Friedensnobelpreis: Das Nobelkomitee macht Politik
       
       > in Friedensnobelpreis für Umweltschützer? Das verwundert: Eigentlich
       > waren doch mutige Menschenrechtler oder einsichtige Staatenlenker auf
       > diesen Preis abonniert.
       
 (IMG) Bild: Der größte Feind trifft auf den größten Freund des Klimas: Al Gore am Tiefpunkt seiner Karriere nach der Wahlniederlage gegen Bush im Jahr 2000.
       
       Ein Friedensnobelpreis für Umweltschützer? Auf den ersten Blick verwundert
       die Kombination. Eigentlich waren doch mutige Menschenrechtler oder
       einsichtige Staatenlenker auf diesen Preis abonniert. Aber ein Blick auf
       die Folgen des Klimawandels zeigt, wie recht das Nobelpreiskomitee mit
       seinem erweiterten Verständnis von Frieden und Sicherheit hat: Wenn die
       Gletscher kleiner werden, geht den Menschen das Trinkwasser aus. Wenn der
       Meeresspiegel steigt, müssen Millionen Küstenbewohner fliehen. Bereits
       heute bekriegen sich Bauern und Nomaden in Afrika, weil die Dürre Land und
       Lebensmittel verknappt.
       
       Traditionelle Sicherheitspolitik ist in den Zeiten der Erderwärmung zum
       Scheitern verurteilt. Wer in Zukunft Flüchtlingsströme und Kriege um
       Ressourcen vermeiden will, muss heute die CO2-Emissionen drastisch senken.
       Er muss aber auch Windräder nach Afrika bringen, Bangladesch bei der
       Anpassung an den steigenden Meeresspiegel helfen, und - wo das schon zu
       spät ist - Umweltflüchtlingen ein Recht auf Klima-Asyl geben.
       
       Die Botschaft des diesjährigen Nobelpreises heißt: Klimaschutz ist aktive
       Friedenspolitik. Mit Al Gore und dem UN-Klimarat IPCC zeichnet das Komitee
       dabei zwei Protagonisten aus, die den Klimaschutz in diesem Jahr aus der
       Nische der Umweltpolitik in die höchste Etage der internationalen
       Diplomatie befördert haben. Sowohl Gore als auch der Klimarat warnen
       bereits seit vielen Jahren vor den Folgen des Klimawandels. Dass die Welt
       inzwischen zuhört, liegt auch an ihrem neuen Zusammenspiel. Der IPCC ist
       für die Erkenntnisse zuständig, er bildet den Konsens der Klimawissenschaft
       ab. Al Gore hat diese Erkenntnisse mit seinem Film "Eine unbequeme
       Wahrheit" erfolgreich verkauft. Er hat den Klimaschutz populär gemacht und
       damit wohl mehr geschafft, als er als US-Präsident je hätte erreichen
       können.
       
       Der diesjährige Friedensnobelpreis würdigt weniger ein Lebenswerk, vielmehr
       mischt er sich aktiv in das politisch brisanteste Thema der Gegenwart ein.
       Zwei Monate vor den Klimaverhandlungen auf Bali erinnert das Komitee die
       Staaten daran, dass sie jetzt handeln müssen, um künftig in Frieden leben
       zu können.
       
       12 Oct 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nikolai Fichtner
       
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