# taz.de -- Stammzellenforschung: Deutsche fühlen sich abgehängt
> CDU-Ministerin Schavan will Stammzellforschung erleichtern. Ihre
> Parteikollegen in Brüssel warnen vor einem Aufweichen des
> Embryonenschutzes
(IMG) Bild: Deutsche Forscher klagen: Ihnen bleiben nur die ollen Zellen
Die vorgesehene Liberalisierung des deutschen Stammzellgesetzes hat unter
christdemokatischen Politikern einen heftigen Streit ausgelöst. Während
Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) dem Druck der großen
Wissenschaftsorganisationen nachgegeben hat und sich für eine Lockerung des
Stammzellgesetzes ausspricht, warnen Europapolitiker der CDU davor, das
seit 2002 geltende Gesetz zu ändern.
"Wir wissen, dass viele Unionswähler schockiert darüber sind, dass
ausgerechnet eine unionsgeführte Bundesregierung und eine
Forschungsministerin, die der CDU angehört, einer Aufweichung des
Embryonenschutzes das Wort reden", heißt es in einem Brief an Schavan, den
drei Europaabgeordnete der CDU - unter anderem der Arzt Peter Liese - diese
Woche an Schavan geschrieben haben.
Für viele Stammzellforscher ist das Gesetz von 2002 schon lange ein Übel,
das wieder abgeschafft gehört. Das Gesetz sieht vor, dass deutsche Forscher
nur mit embryonalen Stammzelllinien forschen dürfen, die vor dem Stichtag
1. Januar 2002 hergestellt wurden. Damit soll verhindert werden, dass von
der Forschung hierzulande ein Anreiz ausgeht, neue embryonale
Stammzelllinien herzustellen. Die Zellen werden aus wenige Tage alte
Embryonen gewonnen. Die Embryonen werden dabei vernichtet. Forscher, die
gegen das Gesetz verstoßen, machen sich strafbar.
Selbst an internationalen Forschungsprojekten könnten sie sich wegen der
Strafandrohung nicht beteiligen, klagen deutsche Stammzellforscher schon
seit Längerem. "Wir müssen übervorsichtig sein und können noch nicht einmal
innerhalb der EU frei kooperieren", sagte der Bonner Neurobiologe und
Stammzellforscher Oliver Brüstle gegenüber dem Focus. Auch sein Kollege
Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in
Münster, klagt: "Wir können uns an Internationalen Allianzen nicht
beteiligen."
Dazu kommt, dass nach Meinung der Forscher die Stammzelllinien, die vor
2002 hergestellt wurden, für die Forschung unbrauchbar sind. Sie seien
aufgrund der früheren Kulturbedingungen mit tierischen Viren verunreinigt.
Auch hätten sie sich über die Jahre genetisch verändert. Da in anderen
Staaten inzwischen mit neuen Zellen gearbeitet werde, seien die
Forschungsergebnisse, die mit den alten Zellen gewonnen wurden, nicht mehr
vergleichbar.
Damit sie mit ihren Kollegen im Ausland mithalten können, sollte zumindest
der Stichtag verschoben werden, fordern die Forscher. Noch lieber wäre
ihnen, wenn er ganz abgeschafft würde. So weit will die
Forschungsministerin nicht gehen. Sie plädiert für eine Verschiebung und
findet damit auch bei den Forschungspolitikern in der SPD-Fraktion
Unterstützung. Dort wird ein Gruppenantrag für eine Gesetzesänderung
vorbereitet. Vorgesehen ist, den Stichtag auf den 1. Mai 2007 zu
verschieben.
1 Nov 2007
## AUTOREN
(DIR) Wolfgang Löhr
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