# taz.de -- SPD-Granden bei der Parteijugend: Gestreichelte Jusos beißen nicht
> Steinmeier wird empfangen wie ein Popstar, Beck löst Standing Ovations
> aus: Zwischen SPD-Chefs und der neulich noch kritischen Parteijugend
> herrscht Harmonie.
(IMG) Bild: SPD-Nachwuchs Böhning und Drohsel mit Parteichef Beck.
WOLFSBURG taz Der neue Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier schlängelt sich
in Richtung Bühne durch die stehend applaudierenden Genossen, posiert für
Erinnerungsfotos, klopft ein paar Schultern und gibt Autogramme. Gleich
wird er seine Rede halten.
Auf einem SPD-Parteitag wäre dies eine belanglose Szene. Da der Schauplatz
aber ein Juso-Bundeskongress ist, reibt man sich die Augen. War da nicht
was? Hatte die rebellische Parteijugend nicht auf ihren letzten Tagungen
Minister noch eiskalt empfangen?
Die Zeiten haben sich geändert. Es ist harmonischer geworden zwischen der
SPD und ihren Kleinen. Steinmeiers Empfang sowie die Reaktionen auf
Parteichef Kurt Beck auf dem Juso-Bundeskongress in Wolfsburg am Wochenende
waren dafür eindeutige Indizien. Auch wenn beide ein wenig tricksten.
Außenminister Steinmeier wählte vor den rund 300 Delegierten eine
überwiegend innenpolitische Rede. Darin begab er sich auf einen geschickten
links-reformerischen Mittelweg. "Ihr werdet gebraucht", umgarnte er die
Jusos. Dann appellierte er an die Ehre der Unternehmen, forderte ein
kostenloses Mittagessen in den Schulen und fuhr ein paar Attacken auf die
Union.
Beschweren wollte sich da niemand so richtig, als er es wagte, Schröders
Agenda-Politik zu verteidigen. "Da war kein Beißpotenzial", hieß es später.
"Dafür war er nicht eingeladen", sagte ein sächsischer Delegierter. Manche
Redner meckerten ein wenig über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Das
war es dann mit der Empörung.
Das Rennen um die Kanzlerkandidatur halten viele Jusos für längst nicht
entschieden, auch wenn sie als Grund für die gemütliche Stimmung meist Kurt
Beck angeben. Sein Linksschwenk kommt bei der Parteijugend an. Besser noch:
Sie schreibt sich den Stimmungswandel selbst zu. Denn wozu sonst hatte der
am Wochenende verabschiedete Juso-Chef Björn Böhning den Verband so gut in
der Partei verankert? "Ihr habt deutliche Spuren hinterlassen im
Grundsatzprogramm", lobte auch Beck. Anschließend reichten ein paar
Angriffe auf den politischen Gegner sowie die Becksche Streichelrhetorik
vom "Brücken schlagen" und "Mut schöpfen" für Standing Ovations. Kurz: Er
redete, als wolle er Böhnings Nachfolger werden.
Der Job war aber schon vergeben. Und zwar an die 27-jährige Berlinerin
Franziska Drohsel. Die einzige Kandidatin bekam für Juso-Verhältnisse
astronomische 76 Prozent der Stimmen - ein Zeichen, dass auch
verbandsintern die Richtungskämpfe nicht mehr so verbissen geführt werden
wie früher.
Drohsel war es auch, die am hörbarsten die Mutterpartei angriff. Es sei
"eine Schande", dass sich mit der SPD in der Regierung die Schere zwischen
Arm und Reich in Deutschland weiter spreize. Zwar begrüßte auch sie den
jüngsten Linksschwenk. Sie werde künftig aber ein "wachsames Auge" darauf
haben, ob den Worten auch Taten folgten.
Drohsel will die Jusos stärker zu linken Antreibern machen: Im Kampf gegen
rechts, gegen Privatisierungen, für Umverteilung und soziale Gerechtigkeit
sowie Regeln für den globalen Kapitalismus. Allein mit der Mutterpartei,
erklärte sie, gehe das nicht. Sie schwor den Verband darauf ein, sich zu
öffnen und stärker in sozialen Bewegungen präsent zu sein: "Solidarität
heißt, mit anderen linken Gruppen zusammenzustehen", sagte Drohsel.
"Doppelstrategie", nennt sie das.
25 Nov 2007
## AUTOREN
(DIR) Veit Medick
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