# taz.de -- Kommentar Wachschutz: Eine Form der Kapitulation
       
       > Gewalt an Schulen ist ein Problem der gesamten Gesellschaft. Für Schutz
       > muss deshalb der Staat sorgen und nicht Privatfirmen.
       
 (IMG) Bild: Hochhaus an Hochhaus: Mümmelmannsberg während der Entstehung in den 1970ern
       
       Kaum jemand wird bestreiten, dass es an deutschen Schulen Probleme mit
       Gewalt gib. Und das ist keineswegs nur in sozialen Brennpunkten wie
       Berlin-Neukölln, München-Hasenbergl oder Hamburg-Mümmelmannsberg so.
       Schüler verprügeln Schüler, immer häufiger sogar die Lehrer. Ihre Taten
       filmen sie manchmal sogar mit ihren Handys, um auf dem Pausenhof damit zu
       prahlen.
       
       Diese Gewalt kann man nicht ignorieren. Doch die Lösung darf nicht lauten,
       private Wachschützer an die Schulen zu stellen, wie es jetzt an Berliner
       Schulen passiert. Denn Gewalt innerhalb der Schulen kann man nicht mit
       pädagogisch unzulänglich ausgebildeten Sheriffs in den Griff bekommen. Eine
       Schule ist keine Disco. 200.000 Euro kostet die Wachschutz-Aktion in
       Berlin-Neuköllns Schulen bis zum nächsten Sommer. Davon hätte der Bezirk
       auch Sozialarbeiter, Psychologen und Pädagogen einstellen können, die
       Anti-Aggressionstrainings und Gewaltpräventionskurse anbieten - und so die
       Probleme angehen, bevor es knallt. Selbst Schulleiter derjenigen Schulen,
       die jetzt private Wachmänner in ihren Schulen haben, sind überzeugt, dass
       Sozialarbeiter die bessere Lösung wären. Dafür jedoch gab es kein
       zusätzliches Geld.
       
       Die politisch Verantwortlichen der Aktion argumentieren dagegen: Das
       Hauptproblem sei die Gewalt von "Schulfremden", von Schlägern, die von
       außerhalb kommen. Aber auch hier können private Wachschützer nicht das
       richtige Mittel sein. Wenn die Gewalt derart eskaliert, das die Lehrer
       machtlos sind, kann die Antwort nur lauten: Die Polizei rufen. Das
       unterscheidet den Schulhof nicht von der Straße. Auch Kooperationsverträge
       mit der Polizei, die es in Berlin an mehr als 100 Schulen gibt, können ein
       möglicher Weg sein, um Probleme früh zu erkennen - und nicht erst
       einschreiten zu müssen, wenn es zu spät ist.
       
       Die Sicherheit von Schülern und Lehrern zu gewährleisten, ist Aufgabe des
       Staates. Schließlich ist Gewalt an Schulen ein Problem der ganzen
       Gesellschaft. Wer dieses Problem auf private Wachschützer abwälzt, hat den
       Kampf schon verloren.
       
       10 Dec 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolf Schmidt
 (DIR) Wolf Schmidt
       
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 (DIR) Sozialer Wohnungsbau
       
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