# taz.de -- Strato-Vorstand über Netzkontrolle: "Wir sind nicht die Saubermänner der Nation"
       
       > Internetprovider sind auf Beschwerden der Nutzer angewiesen, sagt Gerwin
       > Zeibig von der Strato AG. Seine Firma brachte den aktuellen
       > Kinderporno-Fall ins Rollen.
       
 (IMG) Bild: Machen keinen Unterschied zwischen den Datenströmen.
       
       taz: Herr Zeibig, Sie sind im Vorstand der Strato AG, dem Internetprovider,
       der den neuen Kinderpornoskandal ins Rollen gebracht haben soll. Ist
       Missbrauch im Internet normal? 
       
       Gerwin Zeibig: Wir haben ungefähr 120.000 Missbrauchsvorgänge im Jahr. Mit
       steigender Tendenz. Wir haben eine Abteilung mit sechs Mitarbeitern, die
       sich allein mit "abuse", also Missbrauch, beschäftigt. Zu 95 Prozent geht
       es dabei um Spam und Phishing, wo also Leute versuchen, sich zu bereichern.
       
       Kontrollieren Sie die Inhalte, die bei Ihnen gelagert werden, auch selbst? 
       
       Wir scannen nicht die Kundenseiten. Bei über einer Million Kunden wäre das
       nicht zu leisten. Aber das Internet ist eine offene Kommunikationsform. Wir
       reagieren auf Nutzerbeschwerden oder Anweisungen der Staatsanwaltschaften.
       
       Was darf auf Ihren Servern nicht gelagert werden? 
       
       Keine pornografischen und kinderpornografischen Inhalte, keine
       rechtsextremen und rassistischen Inhalte. Kein Spam, kein Phishing.
       
       Sie sind Mitgründer des Vereins "No abuse in internet". Wogegen wendet er
       sich? 
       
       Gegen jeglichen Missbrauch des Internets zu kriminellen Zwecken. Als
       Web-Dienstleister wollen wir gesellschaftlich einen positiven Zweck
       erfüllen. Wir fordern, dass Kunden keine sittenwidrigen Inhalte ins Netz
       stellen. Andernfalls verstoßen sie gegen die Geschäftsbedingungen. Wir
       haben die Pflicht einzugreifen, wenn wir davon erfahren. Wir sind aber
       nicht die Saubermänner der Nation.
       
       Was passiert, wenn Sie auf solche Inhalte aufmerksam gemacht werden? 
       
       Wir prüfen, ob Kriterien für ein Einschreiten erfüllt sind. Bei Pornoseiten
       prüfen wir, ob Genitalien gezeigt werden oder Geschlechtsverkehr. Wenn wir
       Verstöße feststellen, reden wir mit den Kunden. Sind sie uneinsichtig,
       sperren wir Seiten.
       
       Schützen Sie das Netz auch gegen Missbrauch durch die staatlichen
       Überwachungsbehörden? 
       
       Auf jeden Fall. Wir sind gegen den Bundestrojaner. Wir sind aber auch gegen
       Zensur.
       
       Das klingt trotzdem nach "sauberem Provider", der 2008 auch noch seine
       Rechenzentren auf Ökostrom umstellt. 
       
       Das ist richtig. Da sind wir stolz drauf. Wir versuchen, technisch und
       wissenschaftlich auf hohem Stand zu arbeiten. Dazu gehören auch
       humanistische Grundsätze. Da ist es zwangsläufig richtig, dass wir eine
       ökologische Ausrichtung haben.
       
       26 Dec 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Waltraud Schwab
       
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