# taz.de -- Thriller auf DVD: Sehnsucht, die Tote lebendig machrt
       
       > Guillaume Canets Thriller "Tell No One" ("Ne le dis à personne") lässt
       > eine Tote wiederauferstehen. Oder doch nicht? Als Bonus auf der DVD: der
       > Kurzfilm "I can't sleep"
       
       Seit sie Kinder sind, lieben sich Alex (François Cluzet) und Margot
       (Marie-Josée Croze). Sie haben geheiratet, sie haben ein Haus, sie sind
       glücklich miteinander. Mit einem Schlag vor den Kopf in der Nacht am See
       endet für Alex dieses Liebesglück. Als er aus dem Koma erwacht, erfährt er:
       Margot ist tot, ermordet von einem Serienkiller. Dann gibt es einen Schnitt
       und acht Jahre sind vergangen. Alex leidet noch immer. Im Gesicht Falten,
       im Mundwinkel die Zigarette, am Jahrestag von Margots Tod der Besuch bei
       den Schwiegereltern. Alex kommt von der Liebe seines Lebens nicht los.
       
       Unerwartetes geschieht. Mit Macht nämlich kehrt die Vergangenheit, von der
       er nicht loskommt, wirklich wieder. Zwei Leichen werden gefunden, begraben
       am See, an dem auch Margot starb. Ungereimtheiten ergeben sich, Alex wird
       des Mordes an seiner Frau verdächtigt, er lässt sich von Staranwältin
       Elysabeth Feldman (Nathalie Baye) vertreten, von der Lebensgefährtin
       (Kristin Scott Thomas) seiner Schwester (Marina Hands) beraten. Alles wird
       plötzlich ungeheuer kompliziert. Das Ungeheuerlichste jedoch ereignet sich
       per E-Mail. Ein anonymer Absender schickt einen Link, es sind Live-Bilder
       einer Webcam zu sehen, ein U-Bahn-Eingang, und Alex könnte beschwören: Die
       Frau, die ein paar Sekunden Richtung Kamera blickt, ist Margot. Die Liebe
       seines Lebens, seine tote Ehefrau: Margot.
       
       Es ist, als machte Sehnsucht die Toten wieder lebendig. Es ist, als würde
       Alex Weigerung, die Trauer hinter sich zu lassen, belohnt. Alex, der nicht
       weiß, ob er seinen Augen trauen darf, der aber nichts lieber täte, setzt
       sich auf die Spuren seiner eigenen Wunschproduktion. Er wird von der
       Polizei gejagt und von finsteren Mächten. Im Hintergrund zieht ein
       gefährlich einflussreicher Mann (Jean Rochefort) die Fäden und in Alex
       Umfeld sterben Menschen. So unbedingt der Wunsch, dass wahr werde, was
       nicht wahr sein kann, so labyrinthisch der Plot, an dessen Ende das
       Unmögliche vielleicht doch wirklich wird.
       
       "Ne le dis à personne" ist die Verfilmung des Thrillers "Tell No One" von
       Harlan Coben. Für seine zweite Regiearbeit, für die er auch das Drehbuch
       verfasste, hat der Schauspieler Guillaume Canet die Handlung komplett und
       völlig überzeugend von den USA nach Frankreich verlegt. Wie dem in
       Frankreich sehr erfolgreichen Film wurde schon dem Roman die enorme
       Kompliziertheit seiner Handlung vorgeworfen. Diese Kompliziertheit hat aber
       ihren guten Sinn. Die halsbrecherische Unwahrscheinlichkeit des sich
       fortwährend überstürzenden Geschehens verleiht der Geschichte die Qualität
       eines Wachtraums.
       
       Canet setzt in seiner Inszenierung nicht auf subtile Mittel, sondern auf
       musikalisch daueruntermalte atmosphärische Eleganz. Geschickt moduliert er
       Stimmungen und gewinnt den Szenen von Flucht und Gewalt unaufdringlich
       originelle Wendungen ab. Es ist ungewöhnlich genug, dass ein
       US-Genre-Bestseller im Ausland erfolgreich verfilmt wird. Noch
       erstaunlicher aber ist, wie Guillaume Canet daraus einen so klugen wie
       spannenden Thriller gemacht hat. Den fabelhaften Darstellern sei Dank, aber
       auch dem Mut des Regisseurs, auf Vereinfachungen zu verzichten.
       
       Die Doppel-DVD-Edition ist reichhaltig ausgestattet: als "B-Seite" wird ein
       ambitioniertes und interessantes "Making-of" bezeichnet. Sehr sehenswert
       ist auch Guillaume Canets auf die zweite DVD gepackter Kurzfilm "I Cant
       Sleep".
       
       Eine Doppel-DVD mit englischen Untertiteln ist für rund 33 Euro als Import
       über amazon.de zu beziehen. Die französische Ausgabe hat keine englischen
       Untertitel, dafür arabische
       
       16 Jan 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ekkehard Knörer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Französischer Film
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Schauspielstar Nathalie Baye: Französischer Filmstar Nathalie Baye mit 77 Jahren gestorben
       
       Sie spielte über 50 Jahre lang in fast 100 Filmen. Jetzt ist der mehrfach
       ausgezeichnete französische Schauspielstar Nathalie Baye mit 77 Jahren
       gestorben.