# taz.de -- Irländischer Musikfilm: Bohème und Staubsauger
       
       > Staubsaugerverkaufender Straßenmusiker trifft tschechische Pianistin: Auf
       > dem Sundance Filmfestival bekam der Low-Budget-Film "Once" den
       > Publikumspreis.
       
 (IMG) Bild: Der Musiker und die Pianistin
       
       Gebrochene Herzen und ungebrochene Liebe zur Musik. Damit stattet Regisseur
       und Autor John Carney seine zwei namenlosen Protagonisten aus. Dann lässt
       er Mann und Frau in Dublin aufeinandertreffen, und schon die erste
       Verabredung der beiden wandelt sich in eine gemeinsame Jamsession. So
       beginnt der Musikfilm "Once", und man ahnt: Das hier wird beste
       Unterhaltung.
       
       Der Mann (Glen Hansard) ist ein dem Singersongwritertum verschriebener
       Straßenmusiker, der, um Geld zu verdienen, nebenher im Geschäft seines
       Vaters Staubsauger repariert. Die Frau (Markéta Irglová) ist aus Tschechien
       nach Irland ausgewandert, wo sie Rosen verkauft, obwohl sie gelernte
       Pianistin ist. Hansard und Irglová verkörpern ihre Figuren mit
       entwaffnender Arglosigkeit. Beide sind eigentlich Musiker. Hansard und
       Regisseur Carney verbinden zudem gemeinsame Jahre in der irischen Rockband
       The Frames. "Once" ist also das Baby musikbegeisterter Freunde: ein Film,
       in dem die Songs geduldig entwickelt und komplett ausgespielt werden.
       
       Wie bei besagter erster Verabredung. Mann und Frau landen in einem Laden
       für Instrumente, wo sie ab und an mal das Klavier nutzen darf, da sie kein
       eigenes hat. Auf ihr Drängen hin beginnt er auf der Gitarre eine seiner
       Kompositionen zu zupfen, sie greift die Melodie mit dem Klavier auf, und
       langsam erwächst ein Lied. In diesem Moment des gemeinsamen Schöpfertums
       wird es wirklich gefährlich zwischen den beiden. Was hier aufleuchtet, geht
       weiter als der Sex, den er ihr im Fortlauf der Verabredung noch anbietet,
       auch weiter als alle Worte, die sie noch miteinander wechseln werden. Die
       Spannung, die zwischen zwei Menschen entstehen kann, ist einfach wunderbar
       eingefangen.
       
       Deshalb begleitet man den Gitarristen und die Pianistin gerne, selbst wenn
       man sich die Lieder, die sie machen, außerhalb des Kinos nicht unbedingt
       anhören würde. Bei aller berechtigten Erregung, die "Once" umwabert, seit
       der Film auf dem letzten Sundance Festival den Publikumspreis bekam: Was
       hier musikalisch vorliegt, sind am Ende des Tages gefällige Folk-Pop-Songs
       mit Texten, die um die eigene Befindlichkeit kreisen.
       
       John Carney übersetzt Musik und Geschichte in wackelige Camcorderbilder. Er
       dreht eher mit Pragmatismus als mit cineastischer Anmut, was wohl auch dem
       Budget von 130.000 Euro geschuldet ist. Der leicht schrottige und
       gleichzeitig ungezwungene Einschlag macht sich gut in dem Milieu, in dem
       "Once" angesiedelt ist. Carneys Film stellt Charaktere in den Mittelpunkt,
       die von dem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum Irlands in den
       1990er-Jahren kaum profitiert haben und bestenfalls einen Boheme-Lebensstil
       pflegen. Das allerdings ziemlich produktiv.
       
       "Once". Regie: John Carney. Mit Glen Hansard, Marketá Irglová u. a. Irland
       2006, 85 Min.
       
       17 Jan 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Joanna Itzek
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Irland
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Irischer Sänger Glen Hansard gestorben: Die letzte Session
       
       Glen Hansard spielte noch in seinem Stammpub, wenige Stunden später
       verunglückte der Musiker tödlich. Irland trauert um eine prägende Stimme.