# taz.de -- Ex-Grüner inspiziert FDP: Oswald Metzgers Schnuppertour
       
       > Der Ex-Grüne Metzger sucht ein neues politisches Zuhause. Bis Ostern will
       > er herausfinden, ob die FDP oder die CDU besser zu ihm passt. Zunächst
       > beschnuppert er die Liberalen.
       
 (IMG) Bild: "Herzlich willkommen" bei der FDP: Oswald Metzger
       
       Schwer zu beschreiben, wonach die FDP von Sachsen-Anhalt riecht. Die
       anderen Gerüche im großen Saal des Hotels Ratswaage in Magdeburg
       dominieren. Die Luft ist überheizt, der ehrwürdige Teppichboden scheint ein
       wenig zu stauben, und die ergrauten Gardinen geben eine Spur Synthetik ab.
       Nur hier und da duftet eine Spur Calvin Klein oder etwas Blumiges,
       vielleicht ist das die Frau mit dem riesigen Schachbrettmusterhut.
       
       Ein Mann ist extra angereist, um hier zu riechen. "An der
       konservativ-liberalen Basis schnuppern", so hat der ehemalige
       Bundestagsabgeordnete Oswald Metzger seinen Plan genannt. Fast zwei Monate
       ist es jetzt her, dass er bei den Grünen ausgetreten ist. Bis Ostern will
       er sich ein neues Zuhause suchen und vielleicht ist es ja beim
       Neujahrsempfang der Liberalen zu finden, wo er nach seinem Vortrag in
       einigen "Entre-nous-Gesprächen wirklich den Kontakt zur liberalen Basis
       suchen" will.
       
       Wenn man nach dem Schnuppern mal die anderen vier Sinnen durchgeht an
       diesem Abend, dann schmeckt die FDP Sachsen-Anhalt eher nach Würstchen und
       Salamibroten als nach Broccoli mit Lachs. Sie sieht bunt aus mit den Herren
       in Goldknopfzweireihern, den gemütlichen Frauen von der
       Parteigeschäftsstelle und den Jünglingen, die ihre neuen Anzüge spazieren
       tragen, einer sogar mit goldenem Einstecktuch. Sie fühlt sich trotzdem eher
       rührig an als reich, und man hört sie gerade in Person von Prof. Dr.
       Karl-Heinz Paqué, dem Fraktionschef im Landtag, der die Tradition der
       Freiheitspartei im Osten beschwört, von Bürokratie redet, von Stacheldraht
       und von Genscher.
       
       Besonders mag Paqué seine eine Geschichte. Sie handelt vom neuen
       Bildschirmschoner der FDP. Viele Fische ziehen da vorbei, sie schwimmen
       alle in eine Richtung. "Und dann taucht plötzlich von der anderen Seite vom
       Bildschirmrand ein freundlicher gelber Fisch mit blauen Punkten auf und
       schwimmt quer in die Gegenrichtung." Paqué schaut zum Ehrentisch rüber.
       Oswald Metzger lächelt.
       
       Er ist gerade auf dem Transfermarkt. Bisher gab es das eher beim
       Profifußball, aber Metzger ist ein Wettbewerbsfan, und mit 53 Jahren will
       er endlich seinem Marktwert entsprechend behandelt werden. Zu einem
       Transfermarkt gehören natürlich Gerüchte. Weil er in Lebach bei der
       Saar-FDP war, wurde gleich das dortige Kandidatenfeld für die
       Bundestagswahl analysiert. Dann wurde er wieder in Freiburg als
       CDU-Kandidat gehandelt, und wieder andere halten die CDU in Lörrach an der
       Schweizer Grenze für den Geheimtipp.
       
       Cornelia Pieper hat Oswald Metzger eingeladen, die Landesvorsitzende,
       Vizebundesvorsitzende und abgemeierte Generalsekretärin der FDP. "Ich freue
       mich außerordentlich, einen Gastredner begrüßen zu dürfen, der aus meiner
       Sicht eigentlich im Herzen ein Liberaler ist", ruft sie am Anfang ins
       Mikrofon. "Beehren Sie uns noch oft, in welcher Form auch immer: Sie sind
       herzlich willkommen", baggert sie am Ende.
       
       Oswald Metzger spricht über die Glaubwürdigkeit von Politikern. Er grübelt
       über Talkshows nach, Anne Will, Maybrit Illner, wo die Betroffenen auf den
       Sofas sitzen und die Politiker ihnen nach dem Mund redeten. "Wir dürfen
       nicht nur aus der Verliererperspektive Politik machen."
       
       Er wirkt routiniert. Man fragt sich, wie oft er die Verschuldung schon
       angeprangert hat. "Wir leben nicht in den Zeiten, in denen das Manna noch
       vom Himmel gefallen ist." Das Publikum applaudiert trotzdem. Als er Horst
       Seehofer einen bayerischen Herz-Jesu-Sozialisten nennt, lässt ein Zuschauer
       den Schmäh leise nachklingen. "Herz-Jesu-Sozialist. Herz-Jesu-Sozialist."
       
       Kurz vor halb neun sind die Reden vorbei, und die Gäste stehen für
       Würstchen und Salamibrote an. Metzger sitzt am Ehrentisch, vor sich ein
       Rotweinglas, neben sich die Flasche Rotkäppchen, die ihm Conny Pieper
       geschenkt hat. Sie sitzt daneben und plaudert. Er nickt, lächelt.
       
       Vielleicht denkt er gerade an Paqués Geschichte mit den Fischen. Viele
       gelbe Fische mit blauen Punkten, die alle in eine Richtung ziehen. Bei
       einem Fisch überdeckt das frische Gelb ein altes, blasses Grün. Auch dieser
       Fisch schwimmt in die eine Richtung. Mit dem Strom.
       
       21 Jan 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Georg Löwisch
       
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