# taz.de -- Dokufilm "Football Under Cover": "Frauenfußball ist ein Tabu"
> Für ihren Dokumentarfilm luden Ayat Najafi und David Assmann den
> Kreuzberger Frauenfußball-Verein BSV Al-Dersimspor nach Teheran ein, um
> gegen das iranische Nationalteam zu spielen.
(IMG) Bild: Verrückt nach Fußball.
taz: Wie kamen Film und Fußball zusammen?
Ayat Najafi: Es gab 2005 auf dem Talent Campus der Berlinale einen
Kurzfilmwettbewerb zum Thema "Fußball". Marlene Assmann und ich hatten
beide einen Film über Frauenfußball eingereicht. Marlenes Film handelte von
ihrer eigenen Mannschaft. Ihr Film war fröhlich, er zeigte, wie viel Spaß
es macht, im Team zu spielen. In meinem Film "Move it" war das iranische
Mädchen ganz alleine. Der Film war also eher traurig, obwohl er dasselbe
Thema behandelte. Wir kamen auf die Idee, dass die beiden Seiten sich
kennen lernen sollten. Dazu mussten wir ein Match der Mannschaften
organisieren.
Die Filmidee war also zuerst, sein Gegenstand kam danach?
Ja, genau andersherum, wie es normalerweise abläuft. Wir mussten das
Ereignis erst ins Leben rufen, um es dann im Film dokumentieren zu können.
Welchen Stellenwert hat der Fußball im Iran?
Die Iraner sind verrückt nach Fußball. Das erkennt man am besten an den
Sanktionen, die die Vereinten Nationen seit zwei Jahren gegen das Regime
verhängt haben. Das kümmert die Regierung wenig, sie macht immer noch, was
sie will. Als aber die Fifa die iranische Nationalmannschaft mit
vergleichsweise kleinen Sanktionen belegte, lenkte sie rasch ein. Die
Regierung musste akzeptieren, was von ihr verlangt wurde. Das heißt, man
kann im Iran wirklich etwas verändern. Nicht in der Politik, sondern über
den Fußball.
Seit dem Film "Offside" von Jafar Panahi weiß man, dass es auch
fußballversessene Frauen in Teheran gibt.
Unmittelbar nach dem Krieg war Frauenfußball eine große Sache. Die Frauen
wollten sich über Fußball selbstbewusst in der Öffentlichkeit zeigen, ihre
Position in der Gesellschaft stärken. Für Frauen im Iran ist Fußball mehr
als nur Sport.
Welche Hindernisse mussten Sie überwinden, bevor das Spiel stattfinden
konnte?
Von den Schwierigkeiten könnte ich jahrelang erzählen. Ein großes Problem
war, dass wir ein deutsches Team ins Land bringen wollten. Die neuen
Machthaber sind gegenüber allen Ausländern sehr misstrauisch. Wir mussten
sie erst einmal davon überzeugen, dass das ganz normale Menschen sind und
dass wir keinen politischen Film machen wollten.
Das Thema war sicher auch nicht gerade willkommen.
Frauenfußball ist ein Tabu. Was seltsam ist, denn überall sonst können
Frauen dabei sein. Im Theater, auf Konzerten, im Kino. Auch im Sport.
Frauen dürfen sich Basketball- oder Volleyballspiele ansehen. Sie sitzen
natürlich von den Männern getrennt. Aber ins Fußballstadion kommen sie erst
gar nicht hinein. Warum, weiß ich nicht. Ausländische weibliche Fußballfans
werden zugelassen. Es gibt immerhin eine ganze Liga im iranischen
Frauenfußball und auch Turniere gegen andere islamische Teams, aber
keinerlei Berichterstattung. Niemand weiß davon. Auch ich war überrascht,
als ich das erste Mal davon hörte.
Gab es Auflagen für die Dreharbeiten?
Wir dürfen den Film nicht im Iran vorführen. Das war eine klare Vorgabe,
und das war gut für den Film. Ansonsten hätten wir ständig Zensur
befürchten müssen oder uns selbst zensiert. So waren wir letztendlich
freier in dem, was wir filmen wollten.
Was war das für ein Gefühl, während des Spiels vor dem Stadion stehen zu
müssen?
Ich wusste natürlich vorher, dass ich nicht dabei sein durfte. Insofern ist
diese Szene ein bisschen gestellt. Aber es kamen immer mehr Männer vor den
Toren zusammen, die neugierig waren. Es war eine großartige Stimmung und
für mich eine echte soziale Erfahrung. In dieser Situation war ich nicht
nur ein Filmemacher, sondern auch ein Bürger der iranischen Gesellschaft,
mit dem starken Gefühl, dass Veränderung möglich ist.
Wie reagierten die Männer, als sie erfuhren, dass hinter den Toren gerade
zwei Frauenteams gegeneinander antreten?
Wir haben währen der gesamten Dreharbeiten keinen einzigen Mann getroffen,
natürlich nur außerhalb des Regimes, der dagegen gewesen wäre, dass Frauen
Fußball spielen.
Es gibt eine Begegnung im Copyshop, wo der junge Mann hinter der Kasse
sagt, er finde es gut, wenn Frauen Fußball spielen. Er will dem Team sogar
die Druckkosten der Plakate erlassen.
Solche Szenen gelingen einem nur im Dokumentarfilm, man kann sie nicht
inszenieren. Und am Ende beschwert sich die Spielerin: Oh, das ist aber
teuer Das ist sehr typisch für die Iraner: Zuerst sagt beispielsweise ein
Taxifahrer, man sei eingeladen, dann lehnt man dankend ab, dann wird einem
der Preis genannt, und am Ende beschwert man sich über die Kosten!
Das Spiel geht mit 2:2 unentschieden aus. Ein echt diplomatischer Endstand.
Deutschland führt zwei zu null nach der ersten Hälfte und in der zweiten
Halbzeit gleicht der Iran aus. Das Ergebnis ist politisch sehr korrekt,
aber genau so ist es passiert. Das ist natürlich das schönste Ergebnis, das
wir uns hätten wünschen können.
INTERVIEW: DIETMAR KAMMERER
8 Feb 2008
## TAGS
(DIR) Frauenfußball
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