# taz.de -- Die taz sagt, wie: So hacken Sie Ihr iPhone
       
       > Sie haben so ein iSpielzeug? Oder nicht, weil der Vertrag so viel kostet?
       > Das Telefon ist ganz einfach zu hacken. Mit einem simplen Mausklick. Wir
       > sagen, wie.
       
 (IMG) Bild: Klick. Juchuh!
       
       Es ist schon ein wunderschönes Spielzeug, das Apple da auf den Markt
       geworfen hat. Ernsthaft arbeiten lässt sich damit zwar nicht gerade, aber
       wer fragt schon nach so profanen Dingen wie Sinn oder gar Produktivität,
       wenn der Finger sanft über den Touch-Screen gleitet und durch bloßes
       Antippen zum Beispiel das aktuelle Wetter angezeigt wird. Da ist der Blick
       aus dem Fenster unnötig, schließlich gibt es noch viel mehr wundersame
       Dinge zu entdecken. Nur leisten konnten sich das begehrte Spielzeug bislang
       nur wenige; das iPhone wurde als Gadget für Leute konzipiert, die bereit
       und in der Lage sind, ordentlich dafür zu bezahlen.
       
       Dafür hat Apple von Anfang an gesorgt und verkauft das Gerät nur über
       ausgewählte Vertragspartner, die mit lang laufenden Verträgen kräftig
       abkassieren. Bei T-Mobile kostet das Gerät 399 Euro, hinzu kommt ein
       Vertrag, der mindestens zwei Jahre läuft und je nach Anzahl der
       Inklusivminuten und freien SMS zwischen 49 und 89 Euro monatlich kostet.
       Die Internet-Nutzung ist enthalten, jedoch wird ab einem bestimmten
       Datenvolumen die Übertragungsrate eingeschränkt. Im günstigsten Fall kostet
       der Spaß insgesamt 1.575 Euro - dafür gibt es schon richtige PCs inklusive
       zwei Jahren Internet-Flatrate.
       
       Aber die Welt schreit nach Gadgets - portable Geräte zwischen sinnvoller
       Funktionalität und verträumter Verspieltheit. Es wundert deshalb nicht,
       dass Steve Jobs Wundermaschinchen auch Begehrlichkeiten bei jenen weckt,
       denen das eigentlich zu teuer ist. Immerhin hat Apple eine riesige
       PR-Maschine in Gang gesetzt, die zudem von Medien aller Art kräftig
       unterstützt wurde und immer noch wird. Deshalb war es mit Sicherheit auch
       den Leuten bei Apple von Anfang an klar, dass die Sperre zur Beschränkung
       auf den Vertrags-Provider (SIM-Lock) früher oder später ausgehebelt wird.
       
       In drei Schritten geknackt 
       
       Es dauerte auch nicht lange, bis das findige Leute hingekriegt haben. Dabei
       ist das notwendige Verfahren im Vergleich zu anderen Mobiltelefonen relativ
       aufwändig und kompliziert. Drei Schritte sind nötig, um aus dem iPhone
       genau das Gerät zu machen, das man eigentlich haben will. Am Anfang steht
       die Aktivierung. Die wird mit der (extra zu ladenden) iTunes-Software über
       das Netz vorgenommen und funktioniert nur mit der vertragsgemäßen
       SIM-Karte. Das zu umgehen, ist bei etwas älteren iPhones mit einem
       einfachen Trick möglich - aber der musste erst mal herausgefunden werden.
       Der nächste Schritt hat einen schönen und bedeutungsvollen Namen:
       Jailbreak, Gefängnisausbruch. Damit wird das iPhone von den Fesseln seines
       in sich geschlossenen Apple-Systems befreit. Nun ist mit Hilfe eines
       "Installers" auch das Aufspielen von Software möglich, die nicht von Apple
       stammt - zuerst selbstverständlich AnySim, mit dem die SIM-Karten jedes
       Anbieters funktionieren. Möglich wurde der Jailbreak durch eine
       Sicherheitslücke im Apple-Browser Safari. Die wurde mit dem Erscheinen des
       iPhones auf dem europäischen Markt gestopft. Das machte den Jailbreak ein
       wenig schwierig: Man musste erst ein älteres iPhone-System aufspielen
       (1.1.1), den Jailbreak durchführen und dann mit Hilfe spezieller Software
       auf 1.1.2 updaten und dabei den Jailbreak erhalten. Das war der
       gefährlichste Teil der ganzen Aktion. Das dazu nötige Windows-Programm
       heißt iBrickr - wenn was schiefgeht, wird aus dem schönen iPhone
       möglicherweise ganz genau das: ein Brick, ein nutzloser Backstein, der nur
       noch als Briefbeschwerer zu gebrauchen ist. Aber das passierte äußerst
       selten, notfalls wurde das iPhone mit einem Re-Virginizer in den
       jungfräulichen Zustand versetzt, um von vorne zu beginnen.
       
       Im Januar erschien 1.1.3 - wieder eine neue Software-Version für das
       iPhone. Nun lassen sich die Icons auf dem Springboard genannten Touchscreen
       frei anordnen, und die Google-Karte zeigt auf Wunsch den aktuellen
       Standort. Der wird nicht per GPS, sondern über die Mobilfunk-Sendemasten in
       der Nähe ermittelt. Das klappt in den Ballungszentren erstaunlich genau und
       ist ein erneuter Grund, den Blick aus dem Fenster zu vermeiden.
       
       Das Knacken dieser Version erschien zunächst unmöglich, Apple hatte das
       Fundament des iPhone-Systems erneuert: den Bootloader, der beim Einschalten
       das System lädt, und das Baseband, das für die Kommunikation mit dem
       Mobilfunk-Netz zuständig ist. Wer zu diesem Zeitpunkt schon ein befreites
       iPhone hatte, durfte auf keinen Fall sein System aktualisieren. Wer eins
       mit dem neuen System gekauft hat, konnte es ohne T-Vertrag nicht benutzen.
       Zumindest vorerst, denn es gab zwei Lösungen, die jedoch nicht besonders
       elegant waren: Das Gerät öffnen, auf der Platine zwei Kontakte überbrücken
       und die alte Version aufspielen. So etwas gab es schon mal in den
       Anfangstagen und ist ganz sicher nichts für Hobbybastler. Die haben
       TurboSim-Karten bevorzugt, kleine hauchdünne Karten, die auf die
       eigentliche SIM-Karte geklebt werden. Dadurch wird dem iPhone vorgegaukelt,
       dass sich die Karte eines Vertragspartners im Gerät befindet. Die Preise
       für TurboSim-Karten und deren Nachbauten gingen steil nach oben, bei Ebay
       wurde teilweise mehr als 100 Euro dafür gezahlt. Anfang Februar tauchten
       endlich die ersten Jailbreaks und Unlocks als reine Software-Lösung auf.
       Die waren für Ungeübte anfangs riskant und fehlerhaft, bei dem Versuch, ein
       altes Baseband mit dem neuen System zu kombinieren, kann viel schiefgehen.
       Zudem waren die Methoden der Hacker und Hacker-Gruppen untereinander
       unverträglich, ein fehlerhafter Versuch mit dem Programm von Hacker GeoHot
       konnte nicht mit den Werkzeugen von Nate True oder dem DevTeam ausgebügelt
       werden.
       
       Mitte Februar tauchte dann die Lösung eines Hackers namens Zibri auf -
       einer, mit dem sich GeoHot und das DevTeam überworfen hat, weil er
       angeblich bloß deren Ideen und Werkzeuge bündelt und unter seinem Namen
       vertreibt. Aber es funktioniert. Einfach das iPhone an den Rechner
       anschießen, zur Datensicherung mit iTunes synchronisieren, dann wegen des
       sauberen Ergebnisses mit "Wiederherstellen" statt mit "Aktualisieren" das
       aktuelle System aufspielen. Sein ZiPhone erledigt den Rest - mit einem
       einzigen Klick auf den Startbutton. Der Vorgang dauert je nach System drei
       bis zehn Minuten, danach akzeptiert das iPhone jede beliebige SIM-Karte.
       Das ist so einfach wie nie - Aktivieren, Jailbreak und Unlock in einem
       Vorgang.
       
       Garantie ist danach ungültig 
       
       Dennoch sollte man vorher genau wissen, was man macht und sich entsprechend
       informieren. In dem ZiPhone-Paket sind Versionen für Mac, Windows und sogar
       das alte DOS-System enthalten. Letztere ist am schönsten, weil sich alles
       flexibel einstellen lässt. Auch wenn die Garantie danach ungültig ist: Mit
       dem Jailbreak öffnet sich auch für - legalen - iPhone-Besitzer eine völlig
       neue Welt.
       
       Plötzlich lässt sich eine Vielzahl von Programmen einfach über das Netz
       installieren. Kleiner Dämpfer: Nur wenige davon sind richtig gut und noch
       weniger sind sinnvoll. Aber einige sind einfach nur schön und machen großen
       Spaß - wie etwa Labyrinth, bei dem die Metallkugel nicht in die Löcher
       fallen darf. Die Kugel bewegt sich durch einfaches Schräghalten des
       iPhones. Am Ende ist das iPhone doch viel mehr als die wirklich gelungene
       Umsetzung der Idee, einen MP3-Player mit iPod-Qualität und ein absolut
       einfach zu bedienendes Mobiltelefon in einem Gerät zu vereinen. Das
       bisschen Internet mit E-Mail und Browser ist nebenher auch noch ganz nett.
       Für Ende Februar hat Apple ein "Software Development Kit" angekündigt, eine
       Werkzeugkasten, mit dem sich Programme für das iPhone entwickeln lassen.
       Die müssen selbstverständlich von Apple abgenickt werden, bevor sie auf die
       iPhones dürfen. Falls das schiefgeht, bleibt immer noch der Weg über den
       Installer. Und vermutlich gehört das von allen Fesseln befreite iPhone
       längst zu Apples Plan. Schließlich werden weltweit mehr als die Hälfte
       aller verkauften iPhones ohne Vertragskärtchen genutzt.
       
       21 Feb 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dieter Grönling
       
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