# taz.de -- Torwart Hildebrand: Die vergessene Zwei
> Timo Hildebrand hält sensationell für Valencia beim 1:1 in Barcelona -
> und erneuert so seine Ansprüche, Deutschlands Torwart Nummer eins zu
> werden.
(IMG) Bild: Nicht nur in Bestform, sondern auch noch Moderator: Timo Hildebrand.
BARCELONA taz Nun heißt es warten. In ein, zwei Sekunden wird alles vorüber
sein, aber für einen Torwart ist es ein ewiger Moment, wenn der gegnerische
Stürmer allein vor ihm steht. Große Torhüter gefrieren dann. Nichts an
ihnen bewegt sich, und alles in ihnen ist bereit, zu explodieren. Jeder
Torwart hat seine eigene Wartestellung, einer der Besten in solchen
Extremsituationen, Robert Enke von Hannover 96, hat an seiner Haltung
getüfftelt wie ein Ingenieur, breitbeinig geht er in der Halbhocke, um dem
Stürmer den Schuss durch Torwarts Beine anzubieten, doch Enke hat das linke
Knie nach innen geknickt, und wenn der Stürmer darauf reinfällt und durch
die Beine zielt, ist das Knie unten und wehrt den Ball ab.
Timo Hildebrand streckt dem Stürmer die Brust raus. Er macht sich groß,
wartet in einem Winkel, so dass das Tor für den Angreifer klein wird, er
sagt, "es sind die schwierigsten Situationen für einen Torwart." Sechsmal
tauchten am Mittwoch beim 1:1 im Halbfinal-Hinspiel um den spanischen
Königspokal Weltklasseangreifer des FC Barcelona allein vor Hildebrand auf,
sechsmal musste er durch die Ewigkeit, und jedes Mal ließ der Torwart des
FC Valencia sie scheitern. Wie sehr Hildebrand auf solch ein Spiel gewartet
hat.
In Deutschland frönen sie ihrem Lieblingsvergnügen, der Diskussion über den
richtigen Torwart für die Nationalelf, und Hildebrand, im zweiten Jahr
erster Ersatzmann der Auswahl, musste bemerken, dass "ich dabei keine Rolle
spiele". Es ist eine Debatte, die in die Sparte Comedy abgeglitten ist,
weil jeder Bundesliga-Torwart, der gerade mal einen goldenen Samstag
erwischt, als potenzieller Nationaltorwart ausgerufen wird, sogar der
Bremer Tim Wiese, der seine Abwehr verrückt macht mit seinem unsteten
Positionsspiel.
Hildebrand weiß, "die Diskussion ist ein Medienphänomen". Doch die Unruhe,
im fernen Spanien übersehen zu werden, packt ihn natürlich trotzdem.
Deshalb hatte er sich nach solch einem spektakulären Auftritt wie in
Barcelona gesehnt. Er glaubte, er müsse wider sein Prinzip nun auch einmal
mit Worten daran erinnern, dass er auch noch da ist: "Ich brauche mich vor
keinem deutschen Torwart zu verstecken", und: "Wenn ich so weiterspiele wie
heute, dann werde ich irgendwann Deutschlands Nummer eins sein."
Dabei offenbarte auch die Mittwochnacht, als Barça schwerfällig, aber
unnachgiebig Valencia belagerte, in Nuancen Zweifel. In einem Jahr, in dem
bei Valencia alles drunter und drüber geht, passiert es zu regelmäßig und
auch in Barcelona zweimal, dass er bei Flanken herauseilt und nicht
herankommt, weil seine eigenen Abwehrspieler im Weg sind. Das ist fehlende
Abstimmung, auch fehlendes Vertrauen in den Torwart in seinem ersten Jahr
in Valencia - aber vielleicht ist es auch nicht fair, sein Spiel so im
Detail zu sezieren, wenn in Deutschland Konkurrenten wie René Adler
pauschal an grandiosen Rettungstaten gemessen werden. Hildebrand hielt in
Barcelona in der vorletzten Spielminute einen Schuss, bei dem
Fernsehkommentatoren gern brüllen: "Weeeltklasse!" Der Schuss von Yaya
Touré war auf dem Flug ins obere Toreck - aber auch recht langsam
unterwegs. "Klar, es war ein dankbarer Schuss", sagte Hildebrand - da hatte
er seine Anspannung, sich in Deutschland verkaufen zu müssen, schon
überwunden und war wieder er selbst, ein durchaus selbstkritischer Torwart.
28 Feb 2008
## AUTOREN
(DIR) Ronald Reng
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